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Spotlight Forschung: Dr. Sonja Pullen über das Marie Skłodowska-Curie-Fellowship der EU

„Man ist in seiner Forschung international mobil – auch mit Familie“

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Porträt einer Frau © Privat
Mit ihrem Forschungsprojekt, das von 2018 bis 2020 lief, hat Sonja Pullen eine Förderung als Individual Fellow im Marie Skłodowska-Curie-Programm (MSCA) der Europäischen Union eingeworben.

Dr. Sonja Pullen beschäftigt sich an der Fakultät für Chemie und Chemische Biologie in der Arbeitsgruppe von Prof. Guido Clever mit dem Prozess der Künstlichen Photosynthese: Dabei soll CO2 mithilfe von Katalysatoren allein durch Sonnenlicht, also ohne weitere Energiezufuhr, in andere Stoffe umgewandelt werden – ähnlich der natürlichen Photosynthese von Pflanzen. Mit ihrem Forschungsprojekt, das von 2018 bis 2020 lief, hat Sonja Pullen eine Förderung als Individual Fellow im Marie Skłodowska-Curie-Programm (MSCA) der Europäischen Union eingeworben. Mit den Maßnahmen fördert die EU die Karriere exzellenter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die internationale Forschungserfahrung sammeln und Netzwerke aufbauen wollen. Für bis zu zwei Jahre können sich diese an einer Gastinstitution in einem EU-Mitgliedsstaat weiterqualifizieren – Sonja Pullen kehrte Anfang 2018 mit dem Programm von Schweden nach Deutschland zurück. Auch wenn die Mobilität derzeit durch die Corona-Pandemie stark eingeschränkt ist, sichert die EU in ihren Programmen größtmögliche Flexibilität zu und fördert weiterhin den internationalen Austausch europäischer Spitzenforscherinnnen und Spitzenforscher. Im Interview erklärt Sonja Pullen ihren Forschungsansatz und berichtet von ihren Erfahrungen als Individual Fellow.

Frau Dr. Pullen, woran forschen Sie?

Ich beschäftige mich mit der lichtgetriebenen Katalyse. Langfristig möchte ich ein System entwickeln, das CO2 direkt aus der Luft ziehen und mithilfe von Sonnenlicht in wertvolle Brennstoffe oder Grundchemikalien umwandeln kann – der Prozess wird auch als Künstliche Photosynthese bezeichnet. Um dieses Ziel zu erreichen, versuche ich, zwei chemische Komponenten miteinander zu verbinden: den Katalysator und einen sogenannten Photosensitizer. Das ist ein Farbstoff, der Lichtenergie einsammeln und auf den Katalysator übertragen kann. Ich nutze dabei eine Art Baukastenprinzip aus der supramolekularen Chemie, bei dem man durch den Einsatz von Metall-Kationen die Bausteine gezielt miteinander verbinden kann. Die perfekte Kombination dieser Bausteine zu finden, gehört zu den größten Herausforderungen, denn photokatalytische Systeme sind sehr komplex. Jedes Detail kann sich auf die gesamte Reaktion auswirken.

Warum haben Sie sich als Individual Fellow im MSCA-Programm der EU beworben?

Nach meiner Promotion in Schweden wollte ich zurück nach Deutschland und mich in meiner Postdoc-Phase selbst finanzieren. Außerdem musste ich auch meine Familie mitversorgen und habe daher nach Stipendien gesucht, die mir die nötigen Mittel und Flexibilität geben. Da war das MSCA-Programm der EU genau das Richtige. Durch die Familienzuschüsse des Programms konnte ich nicht nur mein Forschungsprojekt vorantreiben, sondern auch an wichtigen internationalen Veranstaltungen teilnehmen – und das sogar zusammen mit meiner Familie. Weil sich Teams von Forschenden weltweit mit den Prozessen der Künstlichen Photosynthese beschäftigen, ist es extrem wichtig, sich international mit anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auszutauschen. Vor der Coronakrise ist man dafür zu Konferenzen gereist, das ist momentan natürlich schwierig. Doch es gibt digitale Alternativen, um sich auch während der Pandemie international zu vernetzen.

Haben Sie Tipps, wie man erfolgreich eine MSCA-Fellowship einwerben kann?

Voraussetzung für einen Antrag ist, dass man für sein zweijähriges Projekt das Land wechselt. Ich hatte ja zuvor in Schweden studiert und bin mit der Fellowship nach Deutschland zurückgekehrt. Wichtig ist, dass man ein aktuelles Forschungsthema bearbeitet und das auch in seiner Projektskizze entsprechend darstellt. Außerdem sollte man durch Vorarbeiten und Publikationen zeigen, dass man das geplante Projekt auch meistern wird. Hilfreich dabei ist es, Anträge von Kolleginnen und Kollegen zu sehen, die bereits erfolgreich Förderungen eingeworben haben. Auf jeden Fall sinnvoll ist es auch, sich bei der Antragstellung durch das Referat Forschungsförderung beraten zu lassen.
Nach der Laufzeit kann man außerdem noch ein sechsmonatiges „Secondment“ einplanen, bei dem man dann erneut an einer anderen Einrichtung in einem anderen Land arbeitet. Das macht Sinn, wenn zum Beispiel bestimmte Instrumente an der Gasteinrichtung nicht zur Verfügung stehen, die zum Abschluss des Forschungsprojektes notwendig sind. Ich würde Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern das MSCA-Programm auf jeden Fall empfehlen: Man kann das eigene Forschungsprojekt an einer selbst gewählten Institution in Europa verwirklichen und ist finanziell unabhängig – auch mit Familie. Obwohl die Mobilität durch Corona natürlich eingeschränkt ist, ist ein Gastaufenthalt grundsätzlich möglich – je nachdem in welches Land man reist. In jedem Fall sollte man sich bei der EU über die aktuellen Förderbedingungen informieren, die meist recht flexibel sind.


Zur Person:

  • 2007-2012 Studium der Chemie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und der Universität Uppsala, Schweden
  • 2012-2017 Promotion in Chemie an der Universität Uppsala, Schweden
  • Oktober 2012 Gastaufenthalt am Max-Planck-Institut für Dynamik komplexer technischer Systeme in Magdeburg
  • Januar-Februar 2014 Gastaufenthalt an der University of California in San Diego (UCSD)
  • 2018-2020 MSCA Research Fellow an der Technischen Universität Dortmund an der Fakultät für Chemie und Chemische Biologie
  • Ab Dezember 2020 Assistenzprofessur an der Universität Amsterdam


Weitere Informationen:
Forschungsprojekt „MOCCA“ von Dr. Pullen
Marie Skłodowska-Curie Actions (MSCA) Individual Fellowships
Förderberatung zur EU-Förderung, Referat Forschungsförderung


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Der Campus der TU Dortmund liegt in der Nähe des Autobahnkreuzes Dortmund West, wo die Sauerlandlinie A45 den Ruhrschnellweg B1/A40 kreuzt. Die Abfahrt Dortmund-Eichlinghofen auf der A45 führt zum Campus Süd, die Abfahrt Dortmund-Dorstfeld auf der A40 zum Campus-Nord. An beiden Ausfahrten ist die Universität ausgeschildert.
Für E-Autos gibt es eine Ladesäule am Campus Nord, Vogelpothsweg.

Direkt auf dem Campus Nord befindet sich die S-Bahn-Station „Dortmund Universität“. Von dort fährt die S-Bahn-Linie S1 im 15- oder 30-Minuten-Takt zum Hauptbahnhof Dortmund und in der Gegenrichtung zum Hauptbahnhof Düsseldorf über Bochum, Essen und Duisburg. Außerdem ist die Universität mit den Buslinien 445, 447 und 462 zu erreichen. Eine Fahrplanauskunft findet sich auf der Homepage des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr, außerdem bieten die DSW21 einen interaktiven Liniennetzplan an.
 

Zu den Wahrzeichen der TU Dortmund gehört die H-Bahn. Linie 1 verkehrt im 10-Minuten-Takt zwischen Dortmund Eichlinghofen und dem Technologiezentrum über Campus Süd und Dortmund Universität S, Linie 2 pendelt im 5-Minuten-Takt zwischen Campus Nord und Campus Süd. Diese Strecke legt sie in zwei Minuten zurück.

Vom Flughafen Dortmund aus gelangt man mit dem AirportExpress innerhalb von gut 20 Minuten zum Dortmunder Hauptbahnhof und von dort mit der S-Bahn zur Universität. Ein größeres Angebot an internationalen Flugverbindungen bietet der etwa 60 Kilometer entfernte Flughafen Düsseldorf, der direkt mit der S-Bahn vom Bahnhof der Universität zu erreichen ist.

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