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Spotlight For­schung: Prof. Jakob Rehof zur Leitung eines DFG-Graduiertenkollegs

Gra­du­ier­ten­kolleg und Interdisziplinarität – das passt her­vor­ragend zu­sam­men

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Porträt eines Mannes © JENSNIETH.COM
Prof. Jakob Rehof ist seit 2006 Professor für Informatik an der TU Dort­mund und Direktor des Fraunhofer-Instituts für Software und Systemtechnik (ISST) in Dort­mund.

Prof. Jakob Rehof erforscht an der Fakultät für Informatik, wie sich Software mithilfe von Algorithmen automatisch programmieren lässt. Als Sprecher des Graduiertenkollegs „An­passungs­in­telli­genz von Fabriken im dy­na­misch­en und komplexen Umfeld“, das von der Deut­schen Forschungs­gemein­schaft (DFG) ab Oktober für wei­tere fünf Jahre mit 6,2 Millionen Euro gefördert wird, befasst er sich mit un­ter­schied­lichen Anwen­dungs­mög­lich­kei­ten seiner For­schung und bringt gleichzeitig viele ver­schie­de­ne Disziplinen in einem Themenfeld zu­sam­men. Mit dem Format der Graduiertenkollegs fördert die DFG die strukturierte Qualifi­zierung von Dok­toran­dinnen und Doktoranden im Rahmen eines thematisch fokussierten Forschungsprogramms. Im Interview be­rich­tet Prof. Rehof von seinen Erfahrungen mit einem stark interdisziplinär ausgerichteten Gra­du­ier­ten­kolleg und spricht über die He­raus­for­de­rung­en und Chancen solch eines großen Förderformats.

Prof. Rehof, woran forschen Sie gerade?

Ich befasse mich mit Grundlagenfragen der theoretischen Informatik, wie zum Beispiel der Automatisierung von mathematischer Logik, insbesondere in der sogenannten Typentheorie. Grob gesagt geht es darum, welche Probleme Algorithmen lösen können und welche nicht: Können sie bei­spiels­weise selbstständig beurteilen, ob bestimmte mathematische Theorien beweisbar sind? Bei unlösbaren Problemen versuchen wir, diese so zu begrenzen, dass ein Algorithmus damit arbeiten kann. Außerdem erforsche ich, wie die Er­geb­nisse angewendet werden können, etwa in der Softwaretechnik. Speziell beschäftige ich mich derzeit vor allem mit der Programmsynthese. Dabei sollen Softwareprogramme mit gewünschten Eigenschaften automatisch programmiert und generiert werden. Die Algorithmen müssen dabei wieder ein sehr komplexes Problem – die Erstellung des finalen Softwareprogramms – behandeln und in begrenzte Probleme – die einzelnen Komponenten – aufteilen, um zu einem Ergebnis zu kommen. Vereinfacht könnte man sagen, dass wir an einer Art „Lego mit Softwarebausteinen“ arbeiten.

Warum ist Interdisziplinarität in dem DFG-Gra­du­ier­ten­kolleg, das Sie leiten, besonders wich­tig?

Interdisziplinäre Zu­sam­men­arbeit macht sehr viel Spaß, kostet aber auch Zeit und Ressourcen – deshalb glaube ich, dass es immer einen guten sachlichen Grund dafür geben muss. Das ist in unserem Gra­du­ier­ten­kolleg definitiv der Fall: Weil wir sehr praxisorientiert forschen wollen, die Informatik selbst aber keine Anwendungsdisziplin ist, arbeiten bei uns Dok­toran­dinnen und Doktoranden aus verschiedenen Fachbereichen zu­sam­men – das sind neben Informatik etwa Ma­schi­nen­bau, Architektur und andere Disziplinen, in denen Algorithmen eingesetzt werden. Zudem gilt: Um praxisorientiert zu arbeiten und zu forschen, ist Interdisziplinarität immer wich­tig. Denn die Anwendung von Wis­sen­schaft reagiert auf be­ste­hen­de Probleme, basiert auf einem Erkenntnisdrang, ent­steht also aus der Gesell­schaft heraus. Und die ist eben meistens nicht nach akademischen Fachgrenzen sortiert. Das Format des Graduiertenkollegs eignet sich dabei besonders für interdisziplinäre Zu­sam­men­arbeit: Die Promovierenden fungieren als hervorragendes Bindeglied und können entscheidend dazu beitragen, neue Lö­sun­gen zu entdecken.

Welche Erfahrungen haben Sie bislang als Sprecher eines DFG-Graduiertenkollegs ge­macht?

Ein Gra­du­ier­ten­kolleg zu beantragen und zu leiten ist zwar mit einigem Aufwand verbunden, in meinem Fall hat sich dieser aber gelohnt. Man hat nicht nur Gelegenheit, den wis­sen­schaft­lichen Nachwuchs auszubilden und zu begleiten. Auch ich habe durch die Arbeiten der Dok­toran­dinnen und Doktoranden völlig neue Forschungsthemen entdeckt, die ich sicherlich in Zukunft weiterverfolgen werde. Beeindruckt hat mich, wie engagiert die Nach­wuchs­wissen­schaft­ler­innen und -wissenschaftler auch jenseits der Dissertationen sind, etwa in organisatorischer Hinsicht. Eine wei­tere wesentliche Erfahrung ist allerdings auch, dass man für die Leitung eines Graduiertenkollegs unbedingt organisatorische Unter­stütz­ung braucht, etwa durch eine Koordinationsstelle, die wir zum Glück von Anfang an bereitstellen konnten. Auch das Referat Forschungsförderung hat uns sehr un­ter­stützt, etwa bei der Darstellung unserer Themen und Vorarbeiten im Antrag, mit Ratschlägen zur forschungspolitischen Orientierung oder konkret bei der Vorbereitung des Verlängerungsantrags, was eine enorme Arbeit ist. Mindestens ebenso wich­tig war die zusätzliche Motivation durch die Kolleginnen und Kollegen im Referat, um am Ball zu bleiben. Wenn man solch ein großes Projekt beantragt oder leitet, können einem manchmal Zweifel kommen. Dann ist es sehr viel wert, Ansprechpersonen zu haben, die einen nicht nur bei der organisatorischen Arbeit unterstützen, sondern denen das Projekt ebenso wich­tig ist.


Zur Person:

  • Studium der klassischen Philologie, Philosophie, Informatik und Mathe­matik an den Universitäten in Aarhus, Dänemark, und Kopenhagen, Dänemark
  • Pro­mo­ti­on in Informatik an der Uni­ver­si­tät Kopenhagen, Dänemark
  • 1997 Gastwissenschaftler an der Stanford University, USA
  • 1998-2006 Mitarbeiter bei Microsoft Research, USA
  • Seit 2006 Professor für Informatik an der TU Dort­mund sowie Direktor des Fraunhofer-Instituts für Software und Systemtechnik (ISST) in Dort­mund

 

Weitere In­for­ma­ti­onen:
GRK „An­passungs­in­telli­genz von Fabriken im dy­na­misch­en und komplexen Umfeld“
DFG-Graduiertenkollegs
Referat Forschungsförderung: Förderberatung zur DFG


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