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Spotlight For­schung: Dr. Kerstin Wohlgemuth zur Vereinbarkeit von For­schung und Familie

„Den perfekten Zeitpunkt gibt es nicht“

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Porträtaufnahme von Kerstin Wohlgemuth © Felix Schmale​/​TU Dort­mund
Dr. Kerstin Wohlgemuth von der Fakultät Bio- und Chemie­ingenieur­wesen bringt Karriere und Familie „unter einen Hut“.

Dr. Kerstin Wohlgemuth von der Fakultät Bio- und Chemie­ingenieur­wesen forscht auf dem Gebiet der Kristallisation. Sie be­schäf­tigt sich insbesondere mit Downstream-, also Reinigungsprozessen, bei denen Stoffe von einem flüssigen in einen festen Zustand übergehen. Die Er­geb­nisse ihrer For­schung sind nützlich für die Entwicklung pharmazeutischer Produkte wie Arzneimittel. Dr. Kerstin Wohlgemuth ist Mutter von drei Kindern. Das erste Kind bekam sie während ihrer Pro­mo­ti­on im Bereich Anlagen- und Prozesstechnik der TU Dort­mund. Im Interview erzählt sie von ihrer Entscheidung, früh Mutter zu werden und wie sie und ihr Mann Karriere und Familie „unter einen Hut“ bringen.

Frau Dr. Wohlgemuth, wie lassen sich Familiengründung und eine erfolgreiche Pro­mo­ti­on miteinander in Einklang bringen?

Mein Mann und ich wollten immer jung Eltern werden, deshalb war mein Plan eigentlich, nach dem Diplom arbeiten zu gehen, weil ich dachte, dass sich eine Familiengründung und eine Pro­mo­ti­on ausschließen. Doch ich habe unseren Kinderwunsch meinem Doktorvater von Anfang an offen kommuniziert und so war es mit der richtigen Planung möglich, noch während der Pro­mo­ti­on mein erstes Kind zu bekommen. Es gab natürlich einige Heraus­forde­rungen, für die wir aber gemeinsam frühzeitig Lö­sun­gen finden konnten. Daher ist Transparenz sehr wich­tig. So durfte ich bei­spiels­weise während der Schwangerschaft nicht ins Labor, was in meinem Wissenschaftsbereich eine große Einschränkung darstellt. Die Aufgaben dort haben dann wis­sen­schaft­liche Hilfskräfte übernommen beziehungsweise Stu­die­ren­de, die ich in Ab­schluss­ar­bei­ten betreut habe. Aus meiner persönlichen Erfahrung würde ich sagen, den perfekten Zeitpunkt fürs Kinderkriegen gibt es nicht. Wenn man den Wunsch hat, sollte man ihn einfach umsetzen.

Wie organisieren Sie Ihren Alltag zwischen wissenschaftlicher Tätigkeit und Kinderbetreuung?

Mein Vorteil als Wissenschaftlerin ist, dass ich flexible Arbeitszeiten ohne feste Kernarbeitszeit habe und auch mal im Home Office arbeiten kann. Natürlich habe auch ich Präsenzzeiten oder arbeite bei Bedarf am Wochenende, bei­spiels­weise bei Tagungen, zu denen ich dann auch schon mal sonntags anreise. Glücklicherweise kann auch mein Mann häufiger von zu Hause aus arbeiten und so können wir uns die Betreuung der Kinder gut aufteilen. Im Alltag ist selbst­ver­ständ­lich trotzdem viel Organisation und Abstimmung notwendig. Es ist wich­tig, sich ein privates Netz­werk aufzubauen, sodass die Kinder zeitweise auch mal von Freunden betreut werden können. Und die Großeltern springen auch immer wieder ein. Mein zweiter Sohn besucht die HoKiDo-Kindertagesstätte an der TU Dort­mund. Sobald er in die Schule kommt, werden wir bestimmt auch mal die Ferienbetreuung in Anspruch nehmen. Ich bin glücklich, dass ich an der Uni bleiben konnte. Aufgrund der hohen Flexibilität lassen sich hier Familie und Karriere in vielerlei Hinsicht gut miteinander vereinbaren.

Warum sind Ihrer Meinung nach Frauen in der Postdoc-Phase nach wie vor unterrepräsentiert?

Schwer zu sagen. Ich denke, dass viele Frauen – genauso wie ich damals – das Gefühl haben, sich entweder für die Karriere oder die Familie ent­schei­den zu müssen. Auch sind gewisse Rollenschemata sicherlich noch tief in der Gesell­schaft verwurzelt, manche Frauen ent­schei­den sich aber vielleicht auch bewusst gegen die Karriere, da es für sie zum Beispiel nicht vorstellbar wäre, ihr Kind einen Großteil des Tages in die Betreuung zu geben. Da muss jede Familie ihren eigenen Weg finden. Ein Problem, das die gesamte Gesell­schaft betrifft, sind nach wie vor fehlende Betreuungsplätze. Grundsätzlich würde ich aber – auch aus eigener Erfahrung – sagen, dass man es schaffen kann, Familie und Karriere zu kombinieren. Wobei es natürlich auch vom persönlichen und beruflichen Umfeld abhängt und es immer Höhen und Tiefen geben wird. Wenn Dok­toran­dinnen oder Doktoranden in meiner Arbeits­gruppe eine Familie gründen möchten, würde ich das immer unterstützen.
 

Zur Person:

•    2003 – 2008 Studium Bioingenieurwesen an der TU Dort­mund
•    2008 – 2012 Pro­mo­ti­on im Bereich Anlagen- und Prozesstechnik
•    Seit 2012 Lei­te­rin der Arbeits­gruppe „Crystallization and Product Design“ an der Fakultät Bio- und Chemie­ingenieur­wesen
•    2019 Verleihung Venia Legendi für das Fach Feststoffverfahrenstechnik
 

Weitere In­for­ma­ti­onen:
Familien an der TU Dort­mund
Stabsstelle Chan­cen­gleich­heit, Familie und Vielfalt
Referat Forschungsförderung


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