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Vergleichende Studie

So berichten europäische Medien über Migration und Flucht

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Verschiedene Zeitungen nebeneinander. © Jürgen Huhn​/​TU Dort­mund
Medien aus 17 Ländern hat das European Journalism Ob­ser­va­tory an der TU Dort­mund hinsichtlich ihrer Bericht­erstattung über Migration und Flucht un­ter­sucht.

Wie berichten Medien in West- und Osteuropa über Migration und Flucht? Eine Analyse in 17 Ländern findet blinde Flecken, nationale Alleingänge – und Meinungsvielfalt. Das ist das Ergebnis einer von der Otto Brenner Stiftung geförderten Studie des European Journalism Ob­ser­va­tory an der TU Dort­mund. Es un­ter­sucht erstmals für eine Vielzahl von Ländern in unterschiedlichen Regionen Europas, welche Rolle die Medien in der Migrationsdebatte spielen. Fazit der Analyse: Quantität und Qua­li­tät der Bericht­erstattung klaffen weit auseinander.

Aus deutscher Sicht besonders interessant: Die Perspektive der deutschen Medien unterscheidet sich fundamental von der Perspektive der anderen Medien in Europa. Nach den Daten des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR ist Deutsch­land heute eines der fünf weltweit wichtigsten Aufnahmeländer – neben Uganda, Pakistan, der Türkei und dem Sudan. Diese Ausnahmesituation spiegelt sich auch medial wider: Mit Ausnahme eines weiteren Sonderfalls – Ungarn – wird in keinem anderen Land in der EU so intensiv über Migration und Flucht be­rich­tet wie in Deutsch­land.

In den sechs ausgewählten Untersuchungswochen zwischen August 2015 und März 2018  veröffentlichten die beiden untersuchten deutschen Medien – die Süddeutsche Zeitung und die Frankfurter Allgemeine Zeitung – zusammen mehr als 1.000 Beiträge. Zum Vergleich: Vor allem in vielen osteuropäischen Ländern wurden im gleichen Zeitraum weniger (oder kaum mehr) als 100 Artikel veröffentlicht. Die Ausnahme ist Ungarn, dessen Ministerpräsident Viktor Orbán sich in der Kontroverse um den Umgang mit Flüchtlingen als Gegenspieler von Angela Merkel profiliert hat – die ungarischen Medien publizierten sogar über 1.500 Artikel zum The­ma Migration und Flucht.

Studie zeigt unterschiedliche Bericht­erstattung in Europa 

Die Sonderrolle Deutschlands zeigt sich auch im Ländervergleich: Keine andere Regierung ist in­ter­na­tio­nal so präsent in der Bericht­erstattung wie die deutsche, Angela Merkel tritt häufiger als zentrale Akteurin in Erscheinung als jeder andere Politiker.

Die Studie zeigt auf, wie unterschiedlich innerhalb Europas be­rich­tet wird. Für Deutsch­land – ebenso wie für Italien und Griechenland – verlaufen Migration und Flucht ins eigene Land, und viele Berichte spielen auch im eigenen Land. Im Gegensatz dazu sind dies in den anderen EU-Staaten Auslandsthemen: Es geht um Ereignisse fernab von zu Hause, jenseits der eigenen Grenzen. Die französischen, britischen und ungarischen Medien betonen immerhin die internationale Verhandlungsebene in ihren Berichten. Teils geht es sogar um unterschiedliche Gruppen von Migrantinnen und Migranten: In Italien stehen Gruppen aus Afrika im Vordergrund, in Frankreich nehmen sie gleich viel Raum ein wie Flüchtlinge sowie Migrantinnen und Migranten aus dem Mittleren Osten. Zuwanderinnen und Zuwanderer aus dem Mittleren Osten stehen im Fokus der Medien aus den meisten anderen europäischen Ländern – sie spielen in der italienischen La Stampa in keinem einzigen Artikel eine Rolle. Für die Medien in Russland wie auch in Polen, Weißrussland und der Ukraine waren zudem – von den „westlichen“ Medien im Untersuchungszeitraum wenig beachtet – Migration und Flucht aus der Ukraine ein relevantes The­ma. Schätzungen internationaler Organisationen zufolge sind von dort seit 2014 mehr als zwei Millionen Men­schen vor den bewaffneten Konflikten geflohen.

Deutsch­land ist Spitzenreiter bei Bericht­erstattung über Unter­stütz­ung für Flüchtlinge

Auch die Akzente der Bericht­erstattung unterscheiden sich maßgeblich. Probleme mit Migrantinnen und Migranten und Flüchtlingen sowie Proteste stehen in den osteuropäischen Medien mehr als doppelt so häufig im Blickpunkt wie in den westeuropäischen. Berichte über die Situation dieser Men­schen sowie über Hilfsbemühungen finden dagegen etwas häufiger den Weg in die Medien Westeuropas. Hier hat Deutsch­land erneut eine Sonderrolle: In keinem anderen Untersuchungsland wird so intensiv über das The­maUnter­stütz­ung für Migranten und Flüchtlinge“ be­rich­tet.

European Journalism Ob­ser­va­tory an der TU Dort­mund 

Das European Journalism Ob­ser­va­tory (EJO), das die Studie durchgeführt hat, ist ein Netz­werk von 12 Jour­na­lis­mus-Instituten an Universitäten in Europa und wurde für seine Arbeit 2019 mit dem Günter-Wallraff-Preis für Jour­na­lis­mus-Kritik aus­ge­zeich­net. Es ist am Erich-Brost-Institut für inter­natio­nalen Jour­na­lis­mus der TU Dort­mund angesiedelt. In die EJO-Analyse sind rund 2.500 Artikel aus sechs exemplarischen Untersuchungswochen zwischen August 2015 und März 2018 eingegangen.

Weitere Informationen:

Kurzversion der Studie

Langversion der Studie

 

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