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Berichterstattung über den Angriff auf die Ukraine

„Eine lang vermisste europäische Öffentlichkeit entsteht“

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Portrait von Frau Prof. Susanne Fengler © Roland Baege​/​TU Dortmund
Prof. Susanne Fengler ist wissenschaftliche Leiterin des Erich-Brost-Instituts für internationalen Journalismus.

Wissenschaftler*innen des Erich-Brost-Instituts für inter­natio­nalen Jour­na­lis­mus (EBI) der TU Dort­mund beschäftigen sich seit vielen Jahren mit der Bericht­erstattung über Mi­gra­tion und Flucht – und haben erst kürzlich für die UNESCO ein Handbuch zu diesem Thema veröffentlicht. Prof. Susanne Fengler, wissenschaftliche Leiterin des EBI, erläutert, was für die aktuelle Berichterstattung wichtig ist und welche Muster bereits zu erkennen sind.

Worauf sollten Journalist*innen jetzt achten, wenn sie über Flucht aus der Ukraine berichten?

Viele Menschen sind durch die kriegerischen Ereignisse in der Ukraine traumatisiert. Journalist*innen, die jetzt mit den Geflüchteten sprechen, müssen sich bewusst sein, dass sie allein durch ihre Fragen eine Re-Traumatisierung auslösen oder das Trauma noch verstärken können. Unser Handbuch gibt ganz konkrete Tipps für solche Interviewsituationen. Zugleich sind natürlich auch internationale Journalist*innen, die aus der Ukraine berichten, der Gefahr der Traumatisierung ausgesetzt. Für westliche Korrespondent*innen gibt es inzwischen in vielen Häusern geschulte professionelle Hilfsangebote. Für die ukrainischen Kolleg*innen werden wir ein solches Angebot schaffen müssen, wenn die Kampfhandlungen einmal enden.

Was beobachten Sie in deutschen Medien?

Die Berichterstattung bei uns in Deutschland ist gerade stark an den Individuen – den Menschen, die dem Krieg ausgesetzt sind, vor Ort und auf der Flucht – orientiert. Hier setzen die Medien aus meiner Sicht gerade sehr konstruktiv Medienkritik um, die nach der Flüchtlingskrise von 2015/16 aufkam. Damals wurden die geflüchteten Menschen häufig nur als große, anonyme Gruppe in der Berichterstattung sichtbar, die Berichte wurden von politischen Akteuren dominiert – das zeigt auch eine europaweit vergleichende Untersuchung, die wir 2019 durchgeführt haben. Das ist jetzt erkennbar anders. Wir wissen aber auch aus vorangegangenen Studien, dass die Berichterstattung über Flucht und Migration differenzierter ist, je näher zum eigenen Land sich das Geschehen in der „Nachrichtengeographie“ abspielt.

Bereits 2014 stand die Ukraine durch den bewaffneten Konflikt und Russlands Annexion der Krim international im Fokus. Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse haben Sie zur damaligen Reaktion der europäischen Medien?

Wir haben mit dem Netzwerk unseres European Journalism Observatory damals vergleichend Medien in West- und Osteuropa untersucht. Zu unserer Überraschung zeigte die Studie, dass der bewaffnete Konflikt 2014 auch in manchen postsowjetischen Staaten wie Lettland und Tschechien – die selbst über Jahrzehnte von Moskau unterdrückt wurden – eher ein randständiges Thema war. Auch für südeuropäische Länder war der damalige Konflikt „weit weg“. Das ist jetzt fundamental anders. Durch die Bedrohungslage entsteht plötzlich in ungekanntem Ausmaß eine – auch von der Kommunikationswissenschaft lang vermisste – europäische Öffentlichkeit. Die Berichterstattung war damals zudem stark auf die Person von Putin fokussiert – dieses Muster sehen wir jetzt erneut.

 

Über das UNESCO-Handbuch zur Berichterstattung über Migration und Flucht

For­sche­rin­nen des Erich-Brost-Instituts für inter­natio­nalen Jour­na­lis­mus (EBI) der TU Dort­mund haben in den vergangenen sechs Jahren für die UNESCO ein Handbuch zur Bericht­erstattung über Mi­gra­tion und Flucht er­ar­bei­tet. Damit wurde erstmals ein UNESCO-Handbuch, das weltweit die Standards für die Jour­na­lis­ten­aus­bil­dung setzt, von ei­nem deut­schen Jour­na­lis­mus-Institut verfasst. Das rund 300 Seiten star­ke Werk ist 2021 erschienen und basiert auf umfangreichen wis­sen­schaft­li­chen Analysen des TU-Teams und zahl­rei­chen inter­natio­nalen Konferenzen und Work­shops zur Bericht­erstattung über Mi­gra­tion und Flucht – in den Zielländern von Mi­g­ranten und Flüchtlingen ebenso wie in den Herkunfts- und Transitländern.

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Der Campus der TU Dortmund liegt in der Nähe des Autobahnkreuzes Dortmund West, wo die Sauerlandlinie A45 den Ruhrschnellweg B1/A40 kreuzt. Die Abfahrt Dortmund-Eichlinghofen auf der A45 führt zum Campus Süd, die Abfahrt Dortmund-Dorstfeld auf der A40 zum Campus-Nord. An beiden Ausfahrten ist die Universität ausgeschildert.
Für E-Autos gibt es eine Ladesäule am Campus Nord, Vogelpothsweg.

Direkt auf dem Campus Nord befindet sich die S-Bahn-Station „Dortmund Universität“. Von dort fährt die S-Bahn-Linie S1 im 15- oder 30-Minuten-Takt zum Hauptbahnhof Dortmund und in der Gegenrichtung zum Hauptbahnhof Düsseldorf über Bochum, Essen und Duisburg. Außerdem ist die Universität mit den Buslinien 445, 447 und 462 zu erreichen. Eine Fahrplanauskunft findet sich auf der Homepage des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr, außerdem bieten die DSW21 einen interaktiven Liniennetzplan an.
 

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Vom Flughafen Dortmund aus gelangt man mit dem AirportExpress innerhalb von gut 20 Minuten zum Dortmunder Hauptbahnhof und von dort mit der S-Bahn zur Universität. Ein größeres Angebot an internationalen Flugverbindungen bietet der etwa 60 Kilometer entfernte Flughafen Düsseldorf, der direkt mit der S-Bahn vom Bahnhof der Universität zu erreichen ist.

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