Erstes Zertifikat Digital Humanities an Studierende verliehen
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Digital Humanities sind ein interdisziplinärer Forschungsbereich, in dem digitale Technologien und Methoden auf Fragestellungen der Geistes- und Gesellschaftswissenschaften angewendet werden. Sie eignen sich dazu, große Datenmengen zu analysieren und zugänglich zu machen. Um Studierenden Einblicke in die vielfältigen Anwendungsbereiche der Digital Humanities zu ermöglichen, haben Lehrende der TU Dortmund, der Ruhr-Universität Bochum und der Universität Duisburg-Essen gemeinsam ein Studienangebot entwickelt, das digitale Methoden in den Blick nimmt und einen verantwortungsvollen Umgang mit Daten vermittelt.
„Das Zertifikat bietet unseren Studierenden die Möglichkeit, ihre digitalen Kenntnisse nachzuweisen und sich damit vielfältigere Berufschancen in Forschung, Kultur, Politik, NGOs oder der freien Wirtschaft zu erschließen“, erklären die Projektleitenden Prof. Cornelia Weins, Dr. Stephanie Heimgartner und Sebastian Jeworutzki von der Ruhr-Universität Bochum.
Das Zertifikat umfasst mindestens 15 ECTS und setzt sich aus drei Bausteinen zusammen: einer Einführung im Bereich Data Literacy (fünf ECTS), einem Vertiefungsmodul im Umfang von neun bis zehn ECTS und einem abschließenden Kolloquium, in dem die Studierenden eigene fachspezifische Projekte aus den Digital Humanities vorstellen. Kurse für das Zertifikat können an allen drei Partneruniversitäten der UA Ruhr belegt werden. Das Kursangebot umfasst Veranstaltungen zu vielfältigen Themen wie Texttechnologien, Datenjournalismus oder Künstliche Intelligenz.
An der TU Dortmund wird das Zertifikat als Erweiterung des Data Literacy-Zertifikats angeboten und von Dr. Henrike Weinert am TU Dortmund - Center for Data Science & Simulation (DoDaS) koordiniert. Das Digital Humanities-Zertifikat ist im Rahmen des 2023 von Weinert eingeworbenen Freiraum-Projekts „Digital Humanities Ruhr - Algorithmic Accountability an der TU Dortmund“ sowie Partnerprojekten an der Ruhr-Universität Bochum und der Universität Duisburg-Essen entstanden. „Ohne die Förderung im Programm ‚Freiraum 2023‘ wäre das Zertifikat Digital Humanities nicht zustande gekommen“, sagt Dr. Henrike Weinert. Die beteiligten Wissenschaftler*innen der UA Ruhr kooperieren bereits seit 2020 im Bereich Data Literacy miteinander und wurden dafür auch mit der dataliteracyeducation.nrw-Förderung unterstützt (2020-2023).
Zertifikatsverleihung mit Posterpräsentation
Beim Abschlusskolloquium Anfang Februar stellten die ersten Teilnehmenden des Zertifikats ihre Projekte aus den Digital Humanities vor. Für sechs Studierende war die Posterpräsentation zugleich auch der erfolgreiche Abschluss des Programms: Ihnen wurden im Anschluss ihre Zertifikate überreicht. Zu diesen ersten Absolvent*innen gehört auch Geraldine Baumann, die an der Ruhr-Universität Bochum Germanistik und Anglistik im Zwei-Fach-Master studiert. In ihren Projekten hat die Studentin unter anderem untersucht, wie Überzeugungstechniken in deutschen Nachrichtenartikeln automatisch erkannt werden können. „Dafür habe ich ein bekanntes Sprachmodell namens RoBERTa auf passenden Daten weitertrainiert und zu einem Klassifizierungsmodell ausgebaut, welches zwischen Textteilen mit und ohne Überzeugungstechniken unterscheiden kann“, berichtet Baumann. „Durch Veranstaltungen im Rahmen des Zertifikats habe ich die nötigen Fähigkeiten erlernt, auch mit großen Datensätzen zu arbeiten, die eine Person alleine nie auswerten könnte.“
Baumann hat ihre Forschung zu dem Thema so viel Spaß gemacht, dass sie inzwischen in einem computerlinguistischen Forschungsprojekt an einem Promotionsvorhaben arbeitet. „Ich würde das Zertifikat jedem empfehlen, der sich für verschiedene zukunftsfähige digitale Methoden interessiert und seine eigenen Fähigkeiten ausbauen möchte“, resümiert Baumann. Interessierte Studierende können sich bereits für Kurse im Sommersemester 2026 anmelden und anfangen, ECTS für das Zertifikat zu sammeln.
Impressionen von der Veranstaltung
Ein vielfältiges Zertifikatsangebot für Studierende
Das Zertifikat Digital Humanities ist nach „Diversität und Gender“ das zweite Programm, das gemeinsam mit den Partneruniversitäten der UA Ruhr veranstaltet wird. Darüber hinaus bietet die TU Dortmund ihren Studierenden noch zehn weitere Zertifikatsprogramme an.


























