Steckbrief: Prof. Manuel Wiesche
- mundo

Steckbrief
Die Professur:
Digitale Transformation an der Fakultät Wirtschaftswissenschaften, seit 2020
Die Forschungsschwerpunkte:
- plattformbasierte Geschäftsmodelle
- Digitalisierung der Arbeit und Zusammenarbeit mit Künstlicher Intelligenz (KI)
- organisationaler Wandel durch digitale Technologien wie KI, Augmented Reality (AR) und Virtual Reality (VR) oder Smart Home
Der Werdegang:
- an der Universität Münster und an der Queensland University of Technology in Brisbane (Australien) Wirtschaftsinformatik studiert und 2014 an der Technischen Universität München (TUM) promoviert
- an der TUM als Forschungsgruppenleiter am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik gearbeitet
- Forschungsaufenthalte am Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft in Berlin, an der University of Pennsylvania (USA), an der University of Southern California (USA), an der University of Queensland sowie der Queensland University of Technology (Australien) absolviert
- an der Fakultät Wirtschaftswissenschaften der TU Dortmund auf die Juniorprofessur (mit Tenure Track) für Wirtschaftsinformatik berufen
Der Status:
- belegt im Ökonomen-Ranking der WirtschaftsWoche Spitzenplatzierungen unter den forschungsstärksten Ökonom*innen im deutschsprachigen Raum unter 40 Jahren: Rang 12 im Jahr 2020 und Rang 5 im Jahr 2024
- erreicht im Research Ranking der Association for Information Systems (AIS) – einem internationalen Vergleich für Veröffentlichungen in führenden Fachzeitschriften der Wirtschaftsinformatik – im Jahr 2024 Platz 6 weltweit
- wirbt für seine Forschung zu digitalen Plattformen und Arbeitswelten regelmäßig Drittmittelprojekte bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie verschiedenen Bundesministerien ein und veröffentlicht seine Erkenntnisse regelmäßig in renommierten wissenschaftlichen Fachzeitschriften der Betriebswirtschaftslehre
Das Engagement:
- Mitinitiator des neuen Bachelorstudiengangs „Wirtschaftsinformatik“, der zum Wintersemester 2024/25 an der TU Dortmund gestartet ist
- Mitgründer und Teilhaber der „Tür an Tür Digitalfabrik gGmbH“ in Augsburg, die digitale Lösungen für Verbände und Nichtregierungsorganisationen aus den Bereichen Integration, Bildung und bürgerschaftliches Engagement entwickelt
- Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Vereins Fujitsu NEXT e.V., der Wissenschaft und Praxis verknüpft und Nachwuchsforschende fördert
Die Forschung
Prof. Wiesche forscht als Wirtschaftsinformatiker an der Schnittstelle von Betriebswirtschaftslehre und Informatik und untersucht ein breites Spektrum an Fragestellungen rund um die digitale Transformation – von technologischen Innovationen bis hin zu organisationstheoretischen Rahmenbedingungen und Gestaltungsmöglichkeiten.
„Unsere soziotechnische Perspektive trägt dazu bei, Systeme zu gestalten, in denen sich die Stärken von Mensch und Technik sinnvoll ergänzen.“ Prof. Manuel Wiesche
So geht es beispielsweise um die Frage, wie sich Organisationen – wie Apple, Google, SAP und andere Unternehmen in der Transportlogistik oder im Automobilbau – verändern, wenn sie an digitalen Plattformökosystemen partizipieren. Was ändert sich dadurch in der gesamten Wertschöpfungskette? Wie muss eine solche Plattform gemanagt werden? Welche Risiken sind damit verbunden, welche Chancen bieten sich? Beispielsweise müssen Unternehmen der Automobilbranche teilweise sensible Daten mit anderen Unternehmen teilen, um über digitale Plattformen zusammenzuarbeiten. Gleichzeitig können Lieferketten deutlich effizienter gestaltet und Kosten gesenkt werden. Fragen von Abhängigkeit und Macht müssen ganz neu beantwortet werden.
Das gilt auch für Unternehmen, die verstärkt Künstliche Intelligenz (KI) einsetzen, um beispielsweise mithilfe von digitalen Zwillingen den eigenen Maschinenpark zu optimieren: Wie werden solche Lösungen angenommen? Können die Mitarbeiter*innen der KI vertrauen? Und welchen Beitrag kann KI zur Wertschöpfung leisten?
Darüber hinaus forscht Manuel Wiesche zu immersiven Technologien wie Augmented Reality (AR) und Virtual Reality (VR). Dabei geht es insbesondere darum, wie die Erstellung virtueller Inhalte vereinfacht werden kann. Der Wirtschaftsinformatiker untersucht das Potenzial von AR- und VR-Lösungen für kleine und mittelständische Unternehmen und arbeitet aktuell an einem Projekt, in dem immersive Technologien bei der Internationalen Gartenausstellung 2027 im Ruhrgebiet eingesetzt werden sollen: Gemeinsam mit Partnern konzipiert, pilotiert, und evaluiert sein Team Lösungen, um die grünen Highlights der Region auch immersiv in Szene zu setzen. Auch diese Arbeiten helfen, digitale Technologien künftig für Unternehmen leichter zugänglich zu machen.
Die entwickelten Konzepte, Ideen und Lösungen bieten auch fertigenden Unternehmen, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen einen Mehrwert: Diese können damit Produkte und Prozesse verbessern und die Kommunikation unterstützen. „In Bereichen, in denen man sonst davon ausgeht, dass digitale Technologien den Menschen verdrängen, können sie auch dabei helfen, Interaktion zwischen Menschen reichhaltiger und wertvoller zu machen“, sagt Wiesche. Mit sogenannten „No-Code-Tools“ lassen sich Prozesse in virtuellen Welten auch ohne umfangreiche Softwareentwicklungskenntnisse abbilden.
Die Transformation
Wenn ich mir die Arbeitswelt der Zukunft vorstelle, sehe ich, dass sich die Rolle des Menschen weiter grundlegend verändern wird. Früher haben Mitarbeiter*innen hauptsächlich ausführende Tätigkeiten übernommen, doch das können digitale Systeme immer besser: Sie sind schneller und machen weniger Fehler als wir. Unsere Aufgabe verschiebt sich immer mehr in Richtung Steuerung der Systeme. Wir müssen in Zukunft noch mehr Verantwortung dafür übernehmen, wie sich diese Systeme verhalten sollen: Wir müssen Entscheidungen treffen und entsprechende Leitlinien entwickeln – genau das wird den Menschen in Zukunft noch mehr auszeichnen.
Eine besondere Herausforderung ist dabei, dass unsere Systeme immer autonomer werden, was diese Steuerungsaufgabe noch komplexer macht. Schon bei der Entwicklung müssen wir daher hohe Anforderungen an die Transparenz stellen. Im Betrieb müssen digitale Systeme zuverlässig überwacht werden. Die Mitarbeiter*innen müssen sie selbständig und urteilsfähig nutzen können und ihre Vorgesetzten müssen die dafür erforderlichen Rahmenbedingungen schaffen, etwa durch individuelle Weiterbildung der Beschäftigten und Organisationsentwicklung des Unternehmens.
Forschung zur digitalen Transformation bedeutet für mich, dass ich mit meinem Team etwas bewegen kann. Digitale Technologien entwickeln sich rasend schnell. Es gibt immer mehr offene wissenschaftlichen Fragen aber auch konkrete Probleme aus Unternehmen, bei denen unsere sozio-technische Perspektive gefragt ist. So können wir mit unserer Forschung die digitale Transformation mitgestalten.
Dies ist ein Beitrag aus der mundo, dem Forschungsmagazin der TU Dortmund.





















