„Früh zu netzwerken und auf Konferenzen zu gehen, ist wichtig“
- Top-Meldungen
- Forschung
- Reihen & Dossiers

Frau Prof. Buschfeld, womit beschäftigen Sie sich in Ihrer Forschung?
Ich komme ursprünglich aus der sogenannten World-Englishes-Forschung, das heißt ich beschäftige mich mit Varietäten des Englischen, die sich oftmals aus dem Kolonialismus, Post-Kolonialismus und dem British Empire entwickelt haben. Meine Dissertation habe ich über die Charakteristika und Gebrauchsbedingungen des Englischen auf Zypern geschrieben, danach habe ich mich mit ähnlichen Themen in Namibia beschäftigt, welches allerdings keinen traditionellen britisch-kolonialen Hintergrund hat. In der Habilitation habe ich dann die englische Sprachentwicklung von Kindern in Singapur erforscht. Diese Kinder haben in der Regel Englisch als Erstsprache gelernt, wobei ihre Eltern allerdings meist andere Herkunftssprachen als Erstsprachen sprechen. Das Englisch der Kinder habe ich mit dem Englisch britischer muttersprachlicher Kinder verglichen. Daraus konnte ich schlussfolgern, dass das klassische Konzept des/der Muttersprachler*in überholt ist, denn es gibt neben Varietäten wie dem britischen oder amerikanischen Englisch eben auch noch andere Erstsprachvarietäten. Darüber hinaus habe ich klassische World-Englishes-Modelle um die Komponente der nicht-postkolonialen Varietäten erweitert, um beispielsweise Varietäten des Englischen in Europa, wie in den Niederlanden oder Skandinavien, einbeziehen zu können. Eine umfassende sprachliche Analyse lässt sich meiner Meinung nach nicht durchführen, ohne die soziokulturelle Geschichte im Hintergrund zu beleuchten. Außerdem habe ich das erweiterte Modell auf mehrsprachige Kontexte wie beispielsweise Zypern angewendet.
Aktuell sind Sie in eine neue DFG-Forschungsgruppe eingebunden. Womit beschäftigt sich die Forschungsgruppe und wie kam es, dass Sie Teil der Gruppe wurden?
Die Forschungsgruppe untersucht die sich verändernde Bedeutung des Englischen in unterschiedlichen mehrsprachigen Weltregionen und will herausfinden, welche Faktoren und Muster den Stellenwert und Gebrauch der englischen Sprache in unterschiedlichen Regionen der Welt beeinflussen. Für mich geht es in unserem Teilprojekt, das ich mit meiner Kollegin und wissenschaftlichen Mitarbeiterin Dr. Manuela Vida-Mannl durchführe, ein wenig back to the roots – es dreht sich erneut um Zypern. Während ich in meiner Dissertation eine klassische Varietätenanalyse durchgeführt habe, liegt der Fokus nun auf mehrsprachigen Ökologien. Der jetzige Leiter der Gruppe, Prof. Peter Siemund aus Hamburg, hat mich vor einigen Jahren angesprochen und als externe Expertin zu einem Treffen der damals ausschließlich Hamburger Gruppe eingeladen. Nachdem ich meine Expertise dargelegt und wir ein wenig über das geplante Projekt gesprochen hatten, hat das Team mich am Ende gefragt, ob ich mir vorstellen könne, mich an dem Projekt zu beteiligen. Nach ein wenig Bedenkzeit habe ich mich dann für Zypern als Untersuchungsort unseres Teilprojekts entschieden und Manuela Vida-Mannl an Bord geholt, weil ich in meiner Dissertation zum griechischsprachigen, südlichen Teil Zyperns gearbeitet habe und sie in ihrer zum nördlichen, türkischsprachigen Teil. Wir vergleichen also in unserem Teilprojekt der Forschungsgruppe die Verwendung des Englischen in beiden Teilen Zyperns, die höchst interessante und jeweils unterschiedliche mehrsprachige Ökologien für diesen Vergleich bereitstellen – auf Zypern wird neben den beiden dominanten Sprachen und deren jeweiligen zypriotischen Ausprägung zum Beispiel auch Arabisch und Russisch gesprochen. So haben meine Expertise und die Einladung von Peter Siemund damals quasi nebenbei zur Beteiligung an einer Forschungsgruppe geführt.
Sie haben bereits zuvor Anträge zur Förderung von Forschungsprojekten geschrieben. Was raten Sie jungen Kolleg*innen bezüglich der Einwerbung von Forschungsmitteln?
Ich bin jemand, der nicht aufgibt. Auch wenn man zwischendurch gefrustet ist, irgendwann klappt es. Es gab durchaus entmutigende Situationen mit vorherigen Anträgen, bei denen ich die Ablehnungsgründe nicht immer nachvollziehen konnte. Aber mein Motto ist: Keep trying! Die Idee für ein nächstes Projekt habe ich schon jetzt in der Pipeline. Außerdem ist netzwerken extrem wichtig. Man muss schon in frühen Jahren auf Konferenzen gehen, Kolleg*innen kennenlernen und mit diesen zusammenarbeiten. Außerdem sollte man gut mit seinen Kapazitäten haushalten, um die akquirierten Projekte realistisch stemmen zu können. Persönlich hoffe ich, dass es nun, nachdem die erste Hürde der DFG-Förderung genommen ist, leichter wird, Mittel bei der DFG einzuwerben. Natürlich sind Vorerfahrungen in der Projektleitung für die DFG mitentscheidend – den wichtigsten Schritt in diesem Bereich habe ich jetzt geschafft.
Zur Person:
- 2001–2007 1. Staatsexamen, Universität zu Köln (Lehramt Gymnasium, Fächer: Englisch und Geschichte, erziehungswissenschaftliches Begleitstudium)
- 2008–2011 Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Universität zu Köln
- 2011 Promotion, Universität zu Köln
- 2012–2019 Akademische Rätin a.Z., Universität Regensburg
- 2018 Habilitation, Universität Regensburg
- seit 2019 W3-Professorin für Linguistik des Englischen (Mehrsprachigkeit) an der TU Dortmund
Weiterführende Informationen:
DFG-Forschungsgruppe
Referat Forschungsförderung
Alle Interviews der Reihe Spotlight Forschung:
Zur Übersicht






















