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DFG-Förderung für klinische Studie

Was gezieltes Training vor einer Operation bewirken kann

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Auf dem Foto sieht man eine ältere Person, die eine Hantel in der Hand hält und das Gewicht stemmt. © spyrakot​/​stock.adobe.com
Die neue Studie untersucht zum Beispiel, ob sich Patient*innen schneller erholen, wenn sie körperlich gut vorbereitet in eine OP gehen.
Große Operationen – insbesondere bei einer Krebserkrankung – sind für den Körper ein Kraftakt. Um Patient*innen optimal darauf vorzubereiten, fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) nun ein Gemeinschaftsprojekt der Uniklinik Köln, der Deutschen Sporthochschule Köln und der TU Dortmund mit rund 2,8 Millionen Euro über drei Jahre. Ziel der klinischen Studie ist es, den Nutzen eines multimodalen Prähabilitationsprogrammes, also einer Kombination aus körperlichem Training, Ernährungsumstellung und psychologischer Unterstützung, vor großen bauchchirurgischen Tumoroperationen zu belegen. Dabei stehen neben postoperativen Komplikationen auch potenzielle zugrundeliegende zelluläre Mechanismen im Fokus. Von der TU Dortmund ist Prof. Philipp Zimmer mit seinem Team vom Arbeitsbereich Sportmedizin an dem Projekt beteiligt.

Die Erkenntnisse sollen langfristig und auch international in die Leitlinien der Operationsvorbereitung einfließen. „Unser Ziel ist eine messbare Reduktion von Komplikationen nach großen Tumoroperationen im Bauchraum“, erklärt der Anästhesiologe Prof. Robert Schier von der Uniklinik Köln. „Wir wollen zeigen, dass Patienten, die körperlich vorbereitet in den Eingriff gehen, sich schneller erholen, Komplikationen besser tolerieren und eine höhere Lebensqualität nach der Operation genießen.“

Von der Klinik ins Labor und zurück

Der Ansatz ist translational, das heißt, er verbindet klinische Beobachtungen direkt mit der Grundlagenforschung. Während die Patient*innen ein strukturiertes Prähabilitationsprogramm absolvieren, untersuchen die Forschenden parallel, was genau im Körper passiert. Es geht also nicht nur darum, zu untersuchen, ob Prähabilitation hilft, sondern auch darum, die Gründe dafür zu verstehen. „Wir analysieren die Wirkung auf zellulärer Ebene“, erläutert Prof. Wilhelm Bloch von der Deutschen Sporthochschule Köln. „Im Fokus stehen dabei Mechanismen der Entzündungsregulation, auch Inflammation genannt, die körpereigene Tumorabwehr sowie die Regeneration von Blutgefäßen“, ergänzt Prof. Philipp Zimmer von der TU Dortmund, der gemeinsam mit Prof. Tobias Kammerer von der Uniklinik Köln und weiteren Kooperationspartnern das Biobanking und den translationalen Teil der Studie koordiniert.

Das Biobanking ist ein zentraler Teil der biomedizinischen Forschung: Die Wissen­schaft­ler*innen sammeln und archivieren Blut (Zellen, Serum, Plasma) sowie gesundes Gewebe und erkranktes Tumorgewebe und verknüpfen diese Proben mit den entsprechenden medizinischen und persönlichen Daten. „Damit können wir sowohl systemische Trainingseffekte im Blut als auch direkte Effekte auf den Tumor genauer betrachten“, sagt Prof. Philipp Zimmer. Sein Team an der TU Dortmund entwickelte außerdem das Prähabilitationsprogramm, welches die Patient*innen vor der Operation absolvieren werden, und legte die entsprechenden sportmedizinischen und sportwissenschaftlichen Untersuchungen fest. Damit diese an allen Studienstandorten umgesetzt werden können, bereitet das Team in den kommenden Monaten zunächst umfangreiches Informationsmaterial vor.

Auf dem Foto sieht man fünf Personen in einem Flur stehen, die für das Foto posieren und in die Kamera lächeln. © Christian Wittke
Diese fünf Professor*innen und ihre jeweiligen Teams arbeiten für die neue DFG-Studie zusammen (v.l.n.r.): Wilhelm Bloch, Tobias Kammerer, Robert Schier, Christiane Bruns und Philipp Zimmer.

Diese interdisziplinäre klinische Studie erlaubt zudem erstmals, langfristige Effekte der Prähabilitation auf die Prognose der Krebserkrankung nach der Operation zu untersuchen. „Prähabilitation wird zukünftig ein essentieller Baustein in der multimodalen Therapie gastrointestinaler Tumore sein – nicht zuletzt, um eine individuell angepasste Chirurgie für jeden einzelnen Patienten zu ermöglichen“, erklärt Prof. Christiane J. Bruns, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax und Transplantationschirurgie und Vorstandsmitglied der Uniklinik Köln. „Umso wichtiger ist es, dass wir die molekularen und zellbiologischen Mechanismen dahinter verstehen.“

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