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Spotlight Forschung

„Man braucht ein Team, auf das man sich verlassen kann“

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Portraitfoto © Mirko Alexander Jakubzik​​/​​TU Dortmund
Prof. Roland Fried ist Sprecher des Transregio 391 „Spatio-temporal Statistics for the Transition of Energy and Transport“.
Prof. Roland Fried forscht an der Fakultät Statistik zur effizienten Modellierung räumlicher und zeitlicher Daten. Seit 2024 leitet er als Sprecher den gemeinsamen SFB/Transregio 391 „Spatio-temporal Statistics for the Transition of Energy and Transport“ mit der Ruhr-Universität Bochum. Mit diesem Format finanziert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) institutionenübergreifende Forschungsverbünde. Im Interview berichtet er von der Zusammenarbeit und den Erfahrungen der Antragstellung.

Herr Prof. Fried, womit beschäftigen Sie sich in Ihrer Forschung?

Das Themenfeld meiner Arbeitsgruppe ist die Modellierung, Vorhersage und das Monitoring von Daten, die an vielen Orten über längere Zeiträume erhoben werden. Wir sind heute mit einer immer größeren Fülle an Daten in allen möglichen Bereichen konfrontiert – Energieverbrauch von Haushalten, Klimavariablen, Infektionszahlen. Wir benötigen effiziente und verlässliche Wege, um diese Daten zu verarbeiten und zu nutzen, etwa um die Energie- und Mobilitätswende zu gestalten. Natürlich spielt auch Künstliche Intelligenz eine wachsende Rolle: Unser Ziel ist es dabei, Maschinelles Lernen durch statistische Modellierung verständlicher und transparenter zu machen. Denn ein künstliches System kann ich nur dann intelligent nennen, wenn ich sein Handeln und seine Entscheidungen nachvollziehen, also korrekt interpretieren kann.

Sie sind seit 2024 Sprecher eines interdisziplinären Transregios – wie gelingt es Ihrer Erfahrung nach am besten, ein Konsortium zu finden, das gut zusammenarbeitet?

Das ist eine schwierige Frage. Wie kann der BVB eine Mannschaft zusammenstellen, die die Champions League gewinnt? Jeder Spieler muss auf der jeweiligen Position herausragend sein, das alleine ist aber nicht ausreichend. Wir müssen auch die nötige Zeit finden, um miteinander zu arbeiten. Das klingt selbstverständlich, ist angesichts vollgepackter Terminkalender aber gar nicht so einfach. Effektive Zusammenarbeit erfordert eine Fokussierung auf die gemeinsamen Ziele, und das gelingt nur mit zeitlichen Freiräumen. Außerdem ist es sehr förderlich, wenn alle eine gewisse Bescheidenheit haben, um den anderen zuzuhören und sich gegenseitig zu helfen. Darin liegt übrigens auch ein Querschnittsthema unserer Forschung: Eine Optimierung des individuellen Nutzens führt nicht automatisch zur Optimierung des gemeinsamen Nutzens. Es geht einem also besser, wenn man nicht nur an sich denkt. Das lässt sich wissenschaftlich bestätigen und ist auch Grundlage unserer Zusammenarbeit.

Von der Planung eines Transregios bis zur endgültigen Bewilligung ist es ein weiter Weg – was können Sie Kolleg*innen mitgeben, die einen DFG-Verbund beantragen wollen?

Man benötigt ein überzeugendes Konzept, das aktuell, relevant und herausfordernd ist, und muss ein passendes Team dafür zusammenstellen. Dies braucht Zeit und möglicherweise mehrere Abstimmungsrunden. Einige große Namen dabei zu haben, ist sicher hilfreich, um nach außen hin wahrgenommen zu werden. Außerdem muss man sich schon im Vorfeld eine gute Sichtbarkeit erarbeiten. Letztlich braucht es Durchhaltevermögen, Kritik- und Anpassungsfähigkeit. Mir hat es geholfen, dass ich früher Marathon gelaufen bin, aber auch Fußball gespielt habe, da lernt man, Teamspieler zu sein und sich gegenseitig zu pushen. Mehrere Partner haben lange und mit viel Engagement an dem Vorhaben gearbeitet, während Corona im Schichtbetrieb, parallel zu anderen Arbeiten, der Lehre oder der Betreuung der eigenen Kinder. Aber, und das ist ein entscheidender Punkt, wenn man sich auf das Team verlassen kann, schafft man das.

Zur Person

  • 1999 Promotion in Mathematik, TU Darmstadt
  • 1999-2003 Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Fakultät Statistik, TU Dortmund
  • 2003 Research Fellow, Department of Statistical Science, University College London
  • 2004-2005 Gastprofessur Statistik, Universität Carlos III, Madrid
  • 2006-2019 Professur für Statistik in den Biowissenschaften, TU Dortmund
  • Seit 2019 Professur für mathematische Statistik und naturwissenschaftliche Anwendungen, TU Dortmund

Weiterführende Infos:

Der TRR 391 “Spatio-temporal Statistics for the Transition of Energy and Transport”
DFG-Format Sonderforschungsbereiche und Transregios 
Förderberatung des Referats Forschungsförderung der TU Dortmund

 

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