Mit Hologrammen die Erinnerung an den Holocaust lebendig halten
- Top-Meldungen

Die Idee für das Projekt stammt von einer USA-Reise der Wissenschaftsministerin Ina Brandes im vergangenen Jahr, als sie und TU-Rektor Prof. Manfred Bayer beim Besuch des Illinois Holocaust Museum in Chicago erlebten, wie beeindruckend die Begegnung mit Holocaust-Überlebenden mittels eines Hologramms sein kann. Daraus erwuchs die Idee der Ministerin, dass Nordrhein-Westfalen auch einen solchen Erinnerungs- und Lernort braucht – ein Plan, der bei allen Beteiligten sofort auf uneingeschränkte Zustimmung stieß. Denn der Holocaust und das damit verbundene Leid der Jüdinnen und Juden prägt die deutsche Geschichte auch 80 Jahre nach dem Ende der Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus.
Die Erinnerung an die Gräuel, verbunden mit der Mahnung, die Stimme gegen Antisemitismus und Rassismus zu erheben, gehört zu den bleibenden Aufgaben deutscher Erinnerungskultur. „HOLO-VOICES lässt die Überlebenden des Holocaust zu Wort kommen. Wir brauchen ihre authentischen Schilderungen, um eine Ahnung davon zu bekommen, welches Leid sie erfahren mussten – und welche Schuld die Mitläufer und Schweiger auf sich geladen haben“, sagt Ina Brandes. Da die Erzählungen und Erfahrungen der Zeitzeug*innen den Terror des Nationalsozialismus greifbar machen, sind persönliche Begegnungen und Gespräche mit ihnen von unschätzbarem Wert. Da nur noch wenige von ihnen leben, ist es Ziel von HOLO-VOICES, die verbleibende Zeit zu nutzen, um ihre Geschichten für die nachfolgenden Generationen zu bewahren und erlebbar zu machen.
Technische und journalistische Projektleitung der TU Dortmund
Durch moderne Technik werden die originalen Videoaufnahmen von Zeitzeug*innen so geschickt projiziert, dass die Qualität der Darstellung einem Hologramm gleichkommt. Künstliche Intelligenz wird es Besucher*innen ermöglichen, in Interaktion mit den Holocaust-Überlebenden zu treten und ihnen Fragen zu stellen. Die KI ermittelt dafür die passende Original-Antwort, die die Zeitzeug*innen zuvor im Interview gegeben haben. Am Institut für Journalistik wurde von Dr. Susanne Wegner und Prof. Wiebke Möhring gemeinsam mit der Studentin Fabia Lulis und dem Verein ZWEITZEUGEN e. V. ein umfangreicher Fragenkatalog erstellt, um gemeinsam mit Mediengestalter*innen der TU Dortmund weitere Interviews mit Holocaust-Überlebenden zu führen. Die Datenverarbeitung koordiniert ein Team um Prof. Mario Botsch von der Fakultät für Informatik. „Als ein führender Standort der KI-Forschung bringen wir mit großem Engagement unsere Expertise ein, um jungen Menschen einen Dialog mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen des Holocaust dauerhaft zu ermöglichen. HOLO-VOICES ist für uns zu einem interdisziplinären Forschungsprojekt geworden. Gemeinsam erarbeiten Expertinnen und Experten aus Journalismus und KI zusammen mit Historikerinnen und Historikern einen wertvollen Beitrag gegen Antisemitismus und Rassismus“, sagt TU-Rektor Prof. Manfred Bayer.
Ein erstes Interview ist bereits an der TU Dortmund geführt worden, und zwar mit Eva Weyl. Sie wurde 1942 nach Westerbork verschleppt, das als „Portal zur Hölle“ bekannt war, da es als Durchgangslager zu Vernichtungslagern wie Auschwitz-Birkenau diente. 1945 wurde sie von kanadischen Soldaten befreit. „Die moderne Technik mit KI ist fantastisch. So kann ich mithelfen, dass die Geschichte bewahrt bleibt. Besonders den jungen Menschen möchte ich sagen: Ihr müsst die Vergangenheit kennen, um zu helfen, dass der Frieden bewahrt bleibt. Helft mit gegen Intoleranz, gegen Respektlosigkeit und gegen Entwürdigung“, sagt die Zeitzeugin. Auch zwei Interviews, die das Deutsche Exilarchiv 1933-1945 der Deutschen Nationalbibliothek bereits vor einigen Jahren geführt hat, werden nun für die Hologramm-Technik genutzt.
Durch Stiftungen gefördert
Es ist gelungen, gleich mehrere Förderer für das europaweit einzigartige Projekt zu gewinnen: Die RAG-Stiftung, die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung und die Brost-Stiftung tragen rund 35 Prozent der Gesamtkosten von rund 3,2 Millionen Euro. Die restliche Finanzierung liegt beim Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen.
Ausstellungen sind ab Januar 2026 auf Zollverein zu sehen
„HOLO-VOICES – begegnen • fragen • weitersagen“ wird am 27. Januar 2026, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, von Ministerpräsident Hendrik Wüst auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein eröffnet. Zu Beginn der Ausstellung werden die Hologramme von Inge Auerbacher und Kurt Salomon Maier des Deutschen Exilarchivs 1933-1945 der Deutschen Nationalbibliothek gezeigt, begleitet von der Ausstellung „Frag nach!“. Außerdem wird es eine vom Verein ZWEITZEUGEN kuratierte Ausstellung „Unter Tage – Unter Zwang“ zur Zwangsarbeit im Steinkohlenbergbau geben, die in Kooperation mit dem Ruhr Museum entsteht.
Weitere Stimmen zu HOLO-VOICES:
„Jüdinnen und Juden müssen sich zu jeder Zeit überall in Nordrhein-Westfalen sicher fühlen. In Zeiten, in denen der Antisemitismus in beunruhigendem Ausmaß erstarkt, ist das Hologramm-Projekt ein Leuchtturm. Ich bin Ministerin Brandes und allen Projektpartnern sehr dankbar, dass sie die Erinnerungen der Shoah-Überlebenden auch für kommende Generationen erhalten und hautnah erlebbar machen. HOLO-VOICES ist ein leuchtendes Zeichen für den Dialog und für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft.“
„Aus der historischen Verantwortung heraus ist es der RAG-Stiftung wichtig, das Wissen auch um die Schattenseiten der Lebenswelt der Bergleute zu bewahren. Deshalb sind wir von diesem Kooperationsprojekt überzeugt: Es vermittelt gerade einem jungen Publikum einen immersiven und eindrücklichen Einblick in das Leid, das im Dritten Reich insbesondere durch die Shoah, aber auch durch die Zwangsarbeit im deutschen Steinkohlenbergbau, verursacht wurde. Die Botschaften, die von dieser besonderen Ausstellung ausgehen, sind wichtiger denn je: Junge Menschen müssen informiert und sensibilisiert werden gegen eine zunehmend rechte Radikalisierung unserer Gesellschaft. Es braucht den mutigen Einsatz gegen einen wieder erstarkenden Antisemitismus.“
„Das Projekt HOLO-VOICES liegt uns besonders am Herzen, weil es jungen Menschen auf eindrückliche Weise ermöglicht, Geschichte hautnah zu erleben und daraus verantwortungsbewusstes Handeln für die Zukunft abzuleiten. Die Krupp-Stiftung sieht es seit jeher als Teil ihres Auftrags, Erinnerungskultur lebendig zu halten und einen Beitrag zu Toleranz und Verständigung zu leisten.“
„HOLO-VOICES macht keine Gedenkpose. Das Projekt macht Aufklärung. Hologramme reden weiter, wenn Zeugen längst verstummt sind. Das ist mehr als Technik, auch kein Mahnmal, das ist Widerstand gegen Ignoranz und Vergessen. Man muss wissen, was war, sonst merkt man nicht, was wieder kommen kann. Bildung ist Überlebenswissen.“
„Wir freuen uns, mit ‚Frag nach!‘ Teil des Lern- und Bildungsortes auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein zu sein. Gerade in einer Zeit, in der Antisemitismus wieder erstarkt und der Ruf nach einem Schlussstrich lauter wird, ist es ein starkes Signal, dass Frau Ministerin Brandes dieses Projekt auf den Weg gebracht hat.“
„Die persönlichen Lebensgeschichten von Holocaust-Überlebenden helfen besonders jungen Menschen, Geschichte zu begreifen, und ermutigen dazu, heute aktiv gegen Antisemitismus und Diskriminierung einzutreten HOLO-VOICES schafft eine Brücke in die Zukunft: Es macht persönliche Erinnerungen weiterhin erlebbar. Wir freuen uns, mit unseren Bildungsangeboten für Jugendliche und Erwachsene Teil dieses außergewöhnlichen Projekts zu sein und so zu einer lebendigen Erinnerungskultur beizutragen.“



















