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VIP+ Förderung vom Bund

Wie Verfahrenstechnik Medikamente wirksamer macht

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Zwei Hände halten mehrere Tablettenpackungen. © Robert Kneschke​/​stock.adobe.com
Damit ein Medikament im Körper optimal aufgenommen werden kann, muss sich der darin enthaltene Wirkstoff gut in Wasser lösen.
Ein Wirkstoff allein garantiert noch keine Wirkung. Damit ein Medikament im Körper optimal aufgenommen werden kann, muss sich der darin enthaltene Wirkstoff gut in Wasser lösen. Genau das ist jedoch häufig eine Herausforderung. Ein Team um den Verfahrenstechniker Prof. Markus Thommes von der Fakultät Bio- und Chemieingenieurwesen (BCI) hat deshalb einen neuartigen „Schmelzelektrofilter“ entwickelt und patentieren lassen. Dieser soll die Bioverfügbarkeit schwer wasserlöslicher Arzneistoffe verbessern. Seit April erhält das Team rund eine Million Euro aus dem Förderprogramm VIP+ des Bundes, um das Innovationspotenzial des Verfahrens nachzuweisen und es anwendbar zu machen.

Mithilfe des neuen Schmelzelektrofilters können Arzneistoffpartikel gleichmäßig und schonend in eine Trägermatrix aus Hilfsstoffen eingebettet werden. Die Trägermatrix wirkt dabei wie eine „funktionale Umgebung“, die dem Wirkstoff hilft, sich im Körper besser zu entfalten, ohne dass sich seine chemische Struktur verändert. Um dies zu erreichen, werden die Arzneistoffpartikel zunächst durch Sprühtrocknung erzeugt und anschließend in den Schmelzelektrofilter geleitet. Dort werden sie in einer Schmelze abgeschieden, die nach dem Erstarren als Matrix dient. Ein neuartiger Aerosol-Generator hilft außerdem dabei, besonders kleine Partikel im niedrigen Mikrometerbereich zu erzeugen. 

Pharmazie, Lebensmitteltechnologie oder Pflanzenschutz

Porträt © BCI
Markus Thommes ist Professor für Feststoffverfahrenstechnik.

„Mit unserem Verfahren konnten wir bereits eine signifikante Verbesserung des Auflösungsverhaltens schlecht wasserlöslicher Wirkstoffe beobachten. Wir freuen uns, dass wir mit der Validierungsförderung die Technologie nun weiterentwickeln können“, sagt Prof. Thommes, der seit 2014 den Lehrstuhl Feststoffverfahrenstechnik an der Fakultät BCI innehat. Das neue Verfahren ist in erster Linie für pharmazeutische Anwendungen vorgesehen, kann aber auch in der Lebensmitteltechnologie oder im Pflanzenschutz eingesetzt werden. 

Die PROvendis GmbH hatte im Auftrag der TU Dortmund die Schutzrechte für das neue Verfahren angemeldet. Seit Mai 2025 ist das Patent in den USA erteilt. Zudem besteht ein europäischer Schutz. „Auf dem Weg Richtung Markt sehen wir, dass unser breit aufgestelltes Schutzrechteportfolio ein bedeutender Faktor ist, um erfolgreich Förderungen einzuwerben“, sagt Prof. Thommes. Sein Schmelzelektrofilter war auch bereits im landesweiten Förderwettbewerb „NRW-Patentvalidierung“ erfolgreich und erhielt so die ersten 200.000 Euro, um den technologischen Reifegrad weiter zu steigern. 

Unterstützung von Anfang an

Die TU Dortmund begleitet Erfindungen wie diese von Beginn an. So prüft das Justitiariat, ob Rechte Dritter betroffen sind. PROvendis bewertet die Erfolgsaussichten einer Schutzrechteanmeldung und übernimmt sowohl die Anmeldung als auch die Aufrechterhaltung der Schutzrechte. Die anfallenden Kosten für die Schutzrechte trägt dabei die TU Dortmund. Gemeinsam mit PROvendis unterstützt die Universität zudem bei der Identifikation geeigneter Förderprogramme zur Weiterentwicklung der Erfindung. Über all diese Schritte hinweg berät und begleitet das Team des Centrums für Entrepreneurship & Transfer (CET) die Wissen­schaft­ler*innen kontinuierlich durch den gesamten Prozess.

Über das Förderprogramm VIP+ 

Das Förderprogramm „Validierung des technologischen und gesellschaftlichen Innovationspotenzials wissenschaftlicher Forschung – VIP+“ des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt lädt Wissen­schaft­ler*innen ein, den ersten Schritt in Richtung wirtschaftlicher Wertschöpfung oder gesellschaftlicher Anwendung ihrer Forschungsergebnisse zu gehen. Die Validierung bildet im Prozess des Wissens- und Technologietransfers die Brücke zwischen der Ideenfindung und Anwendung. Ziel der Validierungsphase ist es, das Innovationspotenzial der Forschungsergebnisse zu prüfen, nachzuweisen und zu bewerten sowie mögliche Anwendungsbereiche zu erschließen.

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