Zum Inhalt
Carina

Über Umwege vom Talent zum Talentscout

Carina Fast lächelt in die Kamera © Schauth​/​TU Dortmund

Carina Fast hat nach dem Abitur ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) am Theater Dortmund gemacht. In dieser Zeit hat sie mit ihrem Talentscout Nadja Lehner den Mut gefunden, ein Studium aufzunehmen. Bereits während des Studiums reflektierte sie die Entscheidung, Lehrerin zu werden und ging nach ihrem Bachelor-Abschluss in eine andere Richtung: Sie wurde selbst Talentscout. Wie es zu dieser Entscheidung kam und wie sie als Erstakademikerin ihren Weg ins Studium gefunden hat, erzählt sie im Interview.

Was war ausschlaggebend für deine Studienentscheidung?

Schon während der Schulzeit habe ich über ein Studium nachgedacht. Ich habe ab meinem 14. Lebensjahr Nachhilfe gegeben und dabei gemerkt, wie viel Spaß mir das Unterrichten macht. Gleichzeitig war Studieren in meiner Familie kein selbstverständlicher Weg. Meine Eltern haben beide nicht studiert und kommen gebürtig nicht aus Deutschland. Ich war die Erste in der Familie mit Abitur, vieles rund um Studium, Finanzierung und Studienalltag war für uns neu und mit Unsicherheiten verbunden. Im Freiwilligen Sozialen Jahr am Theater Dortmund hatte ich eine Ansprechpartnerin, die mich beraten und ermutigt hat. Diese Unterstützung war sehr wichtig für meine Entscheidung.

Wie bist du zur Beratung durch das Talentscouting gekommen?

Am Tag der offenen Tür an der TU Dortmund bin ich auf den Stand des Talentscoutings aufmerksam geworden. Dort wurde mir erklärt, wie BAföG funktioniert und dass man zum Beispiel nur einen Teil zurückzahlen muss. Das hat mich zunächst beruhigt, trotzdem hatte ich Zweifel, ob ich ein Studium überhaupt schaffen würde. Kurz darauf hatte ich ein Beratungsgespräch mit Nadja. Die Art, wie sie mit mir gesprochen hat – offen, wertschätzend und auf Augenhöhe – hat mich sehr geprägt. Gemeinsam haben wir meine Gedanken sortiert und überlegt, was mir wirklich wichtig ist. Eigentlich kannte ich die Antwort schon, aber ich brauchte jemanden, der mir hilft, meine Überlegungen klar zu ordnen. Das Gespräch hat mir viel Sicherheit gegeben und mich darin bestärkt, mir selbst mehr zuzutrauen. Diese Ermutigung war für mich entscheidend und hat meinen Weg ins Studium – und später auch ins Talentscouting – maßgeblich beeinflusst.

Wie hast du letztlich dein Studium finanzieren können?

Ich habe mich intensiv über verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten informiert, unter anderem über Stipendien. Letztlich habe ich mich bewusst für BAföG entschieden, weil es für mich der passendste und unkomplizierteste Weg war. Der erste Antrag war zwar aufwändig, aber mit Unterstützung des BAföG-Amts gut machbar. Ich habe dort gezielt nachgefragt, wenn etwas unklar war. Mit der Zeit wurde der Prozess deutlich einfacher. Wichtig war für mich zu wissen: Hilfe gibt es – man muss sie nur in Anspruch nehmen.

Wie kam es, dass du dich nach deinem Abschluss in Richtung Talentscouting umorientiert hast?

Während meines Studiums habe ich zunehmend über die Rolle als Lehrerin reflektiert. Aus der Nachhilfe kannte ich vor allem die Eins-zu-eins-Arbeit und habe gemerkt, dass mir diese individuelle Begleitung besonders liegt. Im Rahmen eines Orientierungspraktikums im Talentscouting der FH Dortmund konnte ich bei Beratungsgesprächen hospitieren und habe schnell gemerkt, wie gut mir die Arbeit gefällt. Die Gespräche waren wertschätzend, motivierend und stark auf individuelle Potenziale ausgerichtet. Nach dem Praktikum wurde mir klar, dass ich mich im Talentscouting besser entfalten kann als im klassischen Lehrberuf. 

Was gefällt dir am besten an deiner Arbeit als Talentscout?

Am meisten gefällt mir die Arbeit mit Jugendlichen, die wirklich motiviert sind und selbst etwas bewegen wollen. Zu sehen, dass unsere Gespräche einen positiven Einfluss haben – sei es, dass sie etwas Neues ausprobieren oder mutig einen nächsten Schritt gehen – macht die Arbeit sehr erfüllend. Außerdem lernt man ständig Neues: Jeder Jugendliche bringt andere Fragen und Herausforderungen mit, von ungewöhnlichen Studiengängen bis hin zu individuellen Wegen ins Studium. Oft reicht es einfach, zuzuhören und einen Raum zu schaffen, in dem die Jugendlichen ihre Gedanken ordnen können.

Hast du Tipps für junge Menschen, die als Erste in ihrer Familie studieren möchten?

Mein wichtigster Tipp: Man muss nicht von Anfang an genau wissen, was man später einmal macht. Es ist völlig normal, dass man im Studium oder im Beruf neue Wege entdeckt. Schon das Ausprobieren und Sammeln von Erfahrungen ist wertvoll, weil man dadurch herausfindet, was einem wirklich liegt. Wichtig ist, dass man etwas wählt, das einen interessiert, und sich nicht nur von Berufsaussichten oder Prognosen leiten lässt. Gleichzeitig darf man die Unsicherheiten der heutigen Zeit nicht unterschätzen: Finanzierung, Zukunftsängste oder elterliche Erwartungen können belasten. Mein Rat ist: sich Zeit lassen, Dinge ausprobieren und sich nicht unter Druck setzen. Auch wenn man nach ein paar Jahren doch einen anderen Weg einschlägt, ist das völlig in Ordnung – daraus entstehen oft die besten Erfahrungen.