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Treibhausgasemissionen

NRW-Hochschulen legen erstmals gemeinsame Klimabilanz vor

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Porträtfoto von Dr. Henning Moldenhauer © Maximilian Linhoff
Dr. Henning Moldenhauter leitet das Nachhaltigkeitsbüro der TU Dortmund.
Am 17. April haben die Hochschulen Nordrhein-Westfalens erstmals eine gemeinsame Bilanz ihrer Treibhausgasemissionen veröffentlicht. Auf Initiative der Landesregierung haben sie ein einheitliches Verfahren zur Erfassung entwickelt. Der Bericht für die Jahre 2019 bis 2021 umfasst die 30 öffentlich-rechtlichen Hochschulen mit ihren rund 660.000 Studierenden, 81.000 Beschäftigten, 1.750 Gebäuden und 1.000 Fahrzeugen. Ziel der Bilanzierung ist mehr Transparenz über die Klimawirkung der Hochschulen und eine bessere Grundlage für Klimaschutzmaßnahmen. Im Interview erläutert Dr. Henning Moldenhauer vom Nachhaltigkeitsbüro, welche Erkenntnisse die Bilanz liefert, welche Herausforderungen es gab und was sie für die TU Dortmund bedeutet.

Warum erfassen die NRW-Hochschulen ihre Treibhausgasemissionen überhaupt gemeinsam? Was war daran besonders herausfordernd?

Dr. Henning Moldenhauer: Mit dem Klimaschutzgesetz hat sich das Land NRW zum Ziel gesetzt, dass die Verwaltung bis 2030 bilanziell klimaneutral werden soll. Die Hochschulen nehmen laut Gesetz eine Vorbildfunktion in eigener Verantwortung wahr und haben sich daher unter anderem für eine gemeinsame Bilanzierung der Treibhausgasemissionen entschieden. Diese ermöglicht künftig Einblicke in die Emissionen der Hochschulen und erfüllt auch die gesetzlichen Berichtspflichten. Am wichtigsten ist jedoch, dass die Daten dabei helfen können, geeignete Maßnahmen zur Emissionsreduktion zu entwickeln und deren Wirksamkeit zu messen.

Das Land stellt uns für die gemeinsame Bilanzierung sein Datenerfassungs- und Berichts-Tool zur Verfügung. Dieses musste jedoch an die Belange der Hochschulen angepasst werden. Damit hatten wir in der Arbeitsgruppe, zu der sich die Verantwortlichen der einzelnen Hochschulen zusammengeschlossen haben, viel zu tun. Die zahlreichen Dienstreisen und die verschiedenen Gebäude sind Beispiele für die Besonderheiten von Hochschulen. Eine weitere Herausforderung war immer das Abwägen zwischen der Genauigkeit des Berichts und dem Aufwand der Erhebung. 

Wie hoch fallen die Gesamtemissionen aus? Und wie sieht die Bilanz speziell für die TU Dortmund aus?

Die Gesamtemissionen der Hochschulen in NRW belaufen sich in den Jahren 2019 und 2021 auf rund 564.000 Tonnen CO₂-Äquivalente. Das entspricht den Jahresemissionen von etwa 56.400 Personen in Deutschland. Umgerechnet in ein Volumen wären das 94.000 Heißluftballons, gefüllt mit CO₂ – also fortlaufend alle drei Stunden an jeder Hochschule in NRW ein Ballonstart. Aufgrund der Corona-Pandemie wurden im Jahr 2020 mit 494.000 Tonnen geringere Emissionen verzeichnet. Wir warten nun darauf, dass die Daten von 2022 und 2023 final geprüft sind, um erste Tendenzen zu erkennen. Im Sommer beginnt dann die Datenerfassung für 2024. Ziel ist es, in den nächsten Jahren aktuellere Daten zu liefern. In der Regel liegen die Daten des vergangenen Jahres jedoch erst zur Mitte des Folgejahres vollständig vor. 

Für die TU Dortmund kann ich beispielhaft ebenfalls das Jahr 2021 nennen. Die Gesamtemissionen lagen bei knapp 26.000 Tonnen CO₂-Äquivalenten, wovon rund 53 Prozent auf die Wärmeversorgung mit Erdgas, 45 Prozent auf die Stromversorgung mit Ökostrom und weniger als zwei Prozent auf die hochschuleigene Mobilität entfielen.

Was lernen wir daraus für künftige Klimaschutzmaßnahmen?

Zunächst einmal macht die Bilanz transparent, wo wir stehen. In Zukunft werden wir besser darstellen können, wie sich unser Campus entwickelt. Aktuell erkennen wir beispielsweise, dass wir und viele andere NRW-Hochschulen bei der Wärme noch sehr abhängig von Erdgas sind. Das werden wir ändern, unter anderem mit einer neuen Pelletanlage, die nachhaltig Wärmeenergie aus Holzabfällen erzeugt. Auch die neue Universitätsbibliothek wird den Energiemix am Campus erweitern. Hier wird eine Wärmepumpe mit Geothermie verbaut. Durch den gemeinsamen Bilanzierungsprozess lernen wir außerdem von anderen Hochschulen, da wir so mit den Kolleg*innen in NRW regelmäßig im Austausch sind. Das könnte dabei helfen, Maßnahmen in Zukunft schneller und ggf. auch gemeinsam umzusetzen.

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