Mit Willen zum Ziel: Abiers beeindruckende Reise

Abier kam 2012 mit ihrer Familie aus dem Irak nach Deutschland. Während zwei Jahren im Asylheim durfte sie keinen Deutschkurs belegen oder arbeiten gehen – aber danach ist sie sofort durchgestartet: Sie hat Deutsch gelernt, sich einen Job gesucht und sich sobald es ging an der TU Dortmund für ein Studium der Wirtschaftswissenschaften eingeschrieben und für ein Stipendium beworben. Ihr großer Traum war es eigentlich, Zahnmedizin zu studieren. Warum sie mit ihrer Entscheidung trotzdem glücklich ist und welche Hürden sie auf dem Weg meistern musste, erzählt sie im Interview.
Wie bist du vom Traum, Zahnmedizin zu studieren, zum Studium der Wirtschaftswissenschaften gekommen?
Im Irak hatte ich bereits einen Studienplatz für Zahnmedizin, konnte ihn aber wegen des Krieges nicht antreten. Das war sehr schmerzhaft und hat mich lange begleitet. Deshalb wollte ich in Deutschland unbedingt wieder Zahnmedizin studieren. Allerdings hatte ich damals noch keinen deutschen Pass, und nur etwa fünf Prozent der Studienplätze gehen an Nicht-EU-Bewerber – meine Chancen waren also sehr gering.
Ich habe dann überlegt, eine Ausbildung in einer Zahnarztpraxis zu machen, um in dem Bereich zu bleiben. Mit meinem Vorgesetzten dort konnte ich sehr offen sprechen und er riet mir, nicht weiter Zeit zu verlieren, weil es unsicher sei, ob ich trotz der Wartesemester einen Studienplatz bekomme.
Deshalb habe ich mich neu orientiert und mich bei Steuerkanzleien beworben. Das war keine leichte Entscheidung, aber rückblickend die richtige. Ich hatte durch den Krieg und andere Umstände schon viel Zeit verloren. Parallel habe ich mich an drei Universitäten beworben – und auch von allen eine Zusage bekommen. Am Ende habe ich mich für die TU Dortmund entschieden, weil mich die Inhalte und der Ruf überzeugt haben.
Wie hat dich das Talentscouting auf dem Weg in dein heutiges Stipendium gestärkt?
Direkt zu Beginn meines Studiums habe ich mich zunächst für das Deutschlandstipendium beworben – mit Erfolg. Kurz darauf bin ich über einen Flyer auf das Talentscouting aufmerksam geworden. Ich wollte mir das einmal anschauen und habe erste Workshops besucht.
Zusammen mit meinem Scout habe ich mich dann noch intensiver über verschiedene Stipendien informiert und gemerkt, dass mir dabei besonders die Werte und die ideelle Förderung wichtig sind. So habe ich das Cusanuswerk für mich entdeckt. Dort spielen neben der finanziellen Förderung auch gesellschaftliches Engagement und die Übernahme von Verantwortung große Rollen. Wenn die Leistungen stimmen, wird man dort das gesamte Studium über begleitet. Bei einem Workshop des Talentscoutings habe ich mich tiefergehend informieren können und dann mit Unterstützung meines Scouts dort beworben. Nach der Zusage habe ich in das neue Stipendium gewechselt. Was mich in diesem Werk besonders geprägt hat, war die ideelle Förderung: Die Workshops, der Austausch, selbst Verantwortung zu übernehmen. Als Stipendiatin habe ich an spannenden Veranstaltungen teilgenommen, Campusführungen durchgeführt, bei Stipendientagen beraten und mich auch hochschulübergreifend engagiert. Dieses Engagement bereichert mich bis heute.
Was war deiner Meinung nach wichtig, um einen schwierigen Weg wie deinen zu meistern?
Wenn ich gefragt werde, was meine größte Stärke war, dann sage ich: Wille. Man muss an sich selbst glauben und darf nicht aufgeben.
Zudem hat meine Mutter mich sehr bestärkt, einen anderen Weg einzuschlagen. Sie selbst ist Bankerin und hat mir immer wieder gesagt, dass ich in Mathematik und analytischem Denken stark bin. Anfangs war Wirtschaft nicht mein Herzenswunsch – aber ich habe gemerkt, dass es mir wirklich Spaß macht. Hätte ich festgestellt, dass es nicht passt, hätte ich gewechselt. Aber das war nicht nötig.
Meine Familie – meine Eltern und mein Bruder – haben mich immer unterstützt. Dass ich aus einer gebildeten Familie komme, hat sicher ebenfalls eine Rolle gespielt. Diese Rückendeckung war unglaublich wichtig.
Wo stehst du heute und was ist dein Wunsch für die Zukunft?
Nach einer längeren Pause aufgrund einer familiären Situation habe ich mein Studium wieder aufgenommen und befinde mich nun im Masterstudium. Den Bachelor habe ich erfolgreich abgeschlossen.
Mein nächstes Ziel ist klar: Ich möchte mein Masterstudium gut beenden. Danach wünsche ich mir einen guten Berufseinstieg – idealerweise im Bereich Finanzen, Controlling oder Wirtschaftsprüfung, denn darauf liegt meine Vertiefung.



















