Wissenschaftlichen Unfug aufdecken
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Pflaster, die gegen fast alles helfen, Glaskügelchen mit heilenden Schwingungen oder Wunderdecken für Pferde, aber auch E-Fuels und die Strategien der Tabakindustrie – die Liste ihrer „Fälle“ ist lang: Seit 2020 decken die Quarks Science Cops in ihrem gleichnamigen Podcast Falsch- und Desinformation auf, indem sie Aussagen von Politiker*innen, Influencer*innen oder selbsternannten Wunderheilern auf wissenschaftliche Evidenz prüfen. „Dafür ordnen wir zitierte Studien kritisch ein und erklären, wie Forschung und das Wissenschaftssystem eigentlich funktionieren“, sagt Jonathan Focke. Maximilian Doeckel ergänzt: „Außerdem möchten wir unserer Community Hilfe zur Selbsthilfe geben: Wie unterscheiden sich gute Studien von schlechten? Und wie kann man Methoden von Science Washing und Wissenschaftsleugnung selbst entlarven?“
Bei der Bearbeitung ihrer Fälle, die sie größtenteils von der Community zugeschickt bekommen, durchschreiten sie häufig das „Science-Cops-Tal-der-Tränen“: Auf den ersten Blick sei das alles „ganz offensichtlich Schwachsinn“, dann werde ihnen bewusst, dass es ganz schön viele vermeintliche Belege gibt. So bekommen selbst die erfahrenen Cops bisweilen den Eindruck, dass die Behauptungen doch stimmen könnten. Sobald sie sich aber eingehender mit den Quellen befassen und diese kritisch prüfen, werde ihnen klar, dass doch alles meistens „totaler Müll“ sei. Das führt am Ende zur symbolischen Festnahme – denn festnehmen dürfe schließlich jeder, während für eine Verhaftung ein richterlicher Haftbefehl notwendig sei.
Von irreführendem Namedropping bis hin zu Studien von Pseudoinstituten
Die Strategien, mit denen Wissenschaftlichkeit vorgegaukelt wird, um eine Wirkung von Produkten wie Pflastern oder Glaskügelchen zu erfinden, sind laut den beiden Wissenschaftsjournalisten meist ähnlich: Es werden beispielweise Studien angeführt, die in dem verwendeten Zusammenhang gar nichts beweisen. Oder es werden Studien bei Pseudoinstituten in Auftrag gegeben und in Raubjournalen veröffentlicht. Auch irreführendes Namedropping etwa von Nobelpreisträger*innen ist verbreitet, ebenso wie die Nennung vermeintlicher Expert*innen, die pseudowissenschaftliche Erkläransätze darbieten.
Eine weitere Methode bestehe darin, Wissenschaft anzuzweifeln, was Focke und Doeckel beispielsweise in den Bereichen Homöopathie oder Anthroposophie immer wieder feststellen, oder sie gar ganz abzulehnen, was insbesondere im Bereich Esoterik zu beobachten sei. „Dass Wissenschaft vorgespielt oder in Frage gestellt wird mit dem Ziel, Gefahren zu verharmlosen, kommt ebenfalls vor, zum Beispiel in der Tabakindustrie, bei der Leugnung des Klimawandels oder in der Querdenker-Szene, aus der wir übrigens bislang die heftigsten Reaktionen erhalten haben, bis hin zu Drohungen“, berichtet Maximilian Doeckel.
Die größte Motivation: ein Umdenken bewirken können
Aber wen erreichen die Quarks Science Cops mit ihrem Podcast eigentlich? Auf einer von den beiden präsentierten Skala zwischen Wissenschaftsvertrauen und Wissenschaftsfeindlichkeit würden sie in erster Linie von der Gruppe am linken Ende gehört: von denjenigen, die ohnehin ein hohes Vertrauen in das System „Wissenschaft“ haben und denen der Podcast in erster Linie der Selbstvergewisserung dient. Am rechten Ende der Skala befinden sich Personen, die das System „Wissenschaft“ so stark ablehnen, dass sie gar nicht mehr zu erreichen seien. „Interessant ist für uns ganz besonders die große Gruppe dazwischen, nämlich jene Personen, die sich unsicher sind, ob etwas stimmt oder doch wissenschaftlicher Unfug ist. An die richtet sich unser Podcast ganz besonders“, sagt Jonathan Focke. Dass sie hier regelmäßig zur Aufklärung wissenschaftlicher Desinformation beitragen und ein Umdenken bewirken können, illustrieren sie anhand von Zusendungen aus der Hörerschaft. „Das motiviert enorm.“
Gestartet sind die Science Cops, die zuvor beide Wissenschaftsjournalismus an der TU Dortmund studiert und anschließend ein Volontariat beim WDR absolviert haben, während der Corona-Pandemie. Als Instagram-Format sollten zunächst Aussagen etwa von „Faktastisch“ richtiggestellt werden. Daraus entstanden ist ein Podcast, mit dem Focke und Doeckel nun rund 400.000 Abrufe pro Folge erzielen. Mittlerweile reiche oft schon eine kritische Anfrage der Quarks Science Cops bei Anbietern oder Influencern, damit Desinformationen auf Webseiten geändert würden.
Über die Veranstaltungsreihe:
„Die Wissensmacher“ ist eine seit 2003 bestehende Vortragsreihe, die vom Lehrstuhl Wissenschaftsjournalismus der TU Dortmund in Kooperation mit der Ruhr-Universität Bochum veranstaltet wird. Jedes Jahr sind rund ein Dutzend Medienexpert*innen zu Gast und geben in Vorträgen Einblicke in ihren Berufsalltag als Wissenschaftsjournalist*innen sowie in der übrigen Wissenschaftskommunikation.
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