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11. Zukunftsdialog

KI als Antwort auf den Kostendruck im Gesundheitswesen

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Auf dem Foto sieht man eine Frau mit Moderationskarten in der Hand vor einem Publikum stehen und sprechen. © Oliver Schaper​/​TU Dortmund
SIGNAL IDUNA-Vorständin Daniela Rode sprach über Herausforderungen der privaten Krankenversicherung.
Beim 11. Zukunftsdialog am 9. Juli war Daniela Rode, Vorstandsmitglied der SIGNAL IDUNA Gruppe, zu Gast an der TU Dortmund. In ihrem Vortrag gab sie Einblicke in die aktuellen Herausforderungen der privaten Krankenversicherung. Sie beleuchtete in ihrem Vortrag das Spannungsfeld zwischen steigendem Ausgabendruck und der fortschreitenden KI-Transformation in der Branche.

Der Zukunftsdialog bietet Unternehmen aus der Region die Möglichkeit, aktuelle Zukunftsfragen aus ihrer Perspektive im Kontext der Universität zu beleuchten und in einen inhaltlichen Austausch mit Studierenden, Wissen­schaft­ler*innen und Beschäftigten der TU Dortmund zu treten. Das Centrum für Entrepreneurship & Transfer organisiert die Veranstaltungsreihe, die auch Teil des Ruhr Innovation Lab ist, mit dem die TU Dortmund und die Ruhr-Universität Bochum gemeinsam in der Exzellenzstrategie antreten. Sie kooperieren dabei eng zu Themen, die dazu beitragen, eine zukunftsfähige und resiliente Gesellschaft zu entwickeln.

Eines der teuersten Gesundheitssysteme weltweit 

Als Vorstandsmitglied der SIGNAL IDUNA Gruppe leitet Daniela Rode den Bereich Krankenversicherungen – die größte Sparte des Konzerns mit rund 625.000 Vollversicherten und 1,8 Millionen Zusatzversicherten. Damit gehört SIGNAL IDUNA zu den fünf größten privaten Krankenversicherern in Deutschland. Das Unternehmen ist eng mit dem Standort Dortmund verbunden und beschäftigt dort rund 2.620 Mitarbeitende. In ihrem Vortrag skizzierte sie zunächst die aktuellen Herausforderungen des Gesundheitssystems. Demnach hat Deutschland eines der teuersten Systeme weltweit und landet bei den Gesundheitsausgaben innerhalb der Europäischen Union auf Platz eins. Gleichzeitig liegt die Lebenserwartung in Deutschland jedoch unter dem EU-Durchschnitt. Hinzu kommen weiter steigende Gesundheitskosten. Rode sagte: „Wir sehen eine deutliche ‚medizinische Inflation‘, die die Finanzierungsfähigkeit des Systems belastet.“ Ein weiterer Faktor sei der demografische Wandel. Dieser führe branchenweit zu einem Fachkräftemangel, der neue und effizientere Prozesse erfordere, um den steigenden Anforderungen der Versicherten auch künftig gerecht zu werden. 

Mit Blick auf die sich verändernden Erwartungen der Versicherten sprach Rode von einer „Amazonisierung der Kunden“. Dazu gehören Erwartungen wie Auszahlungen am selben Tag, Transparenz im Bearbeitungsstatus, Erklärungen auf Augenhöhe und maximale Nutzerfreundlichkeit trotz komplexer Regulatorik. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden und die Effizienz zu steigern, befindet sich das Unternehmen in einer umfassenden KI-Transformation. Bereits heute wird ein Großteil der jährlich millionenfachen Leistungseinreichungen automatisiert bearbeitet. Ziel ist es, diesen Anteil mithilfe von KI künftig weiter auszubauen. „Ich glaube dennoch, dass der menschliche Kontakt vor allem bei ernsthaften und chronischen Erkrankungen weiterhin wichtig bleiben wird“, betonte Rode. 

Referentin Daniela Rode (2.v.l.) mit (v.l.): CET-Leiter Ronald Kriedel, Rektor Prof. Manfred Bayer und Kanzler Markus Neuhaus.

Im Rahmen ihrer KI-Transformation ist die SIGNAL IDUNA Gruppe eine strategische Partnerschaft mit Google eingegangen. Alle Mitarbeitenden im Innen- und Außendienst können die hauseigene KI „Co SI“, die auf „Gemini Enterprise“ basiert, nutzen. Mitarbeitende der Krankenversicherung haben mithilfe der Plattform bereits eigene KI-Agenten entwickelt, beispielsweise zur Unterstützung bei der Bearbeitung spezifischer Leistungsanträge.

Prävention statt Reparatur

Daniela Rode verdeutlichte den Wandel im Gesundheitswesen auch am Beispiel der personalisierten Medizin. Mit dem medizinischen Fortschritt und modernen Therapieverfahren – wie innovativen Krebsimmuntherapien – steigen auch die Behandlungskosten kontinuierlich an. Dies unterstreiche, wie wichtig neben der Bereitstellung dieser modernen Medizin auch die gezielte Förderung der Prävention ist. „Als Gesundheitspartner von morgen müssen wir unsere Versicherten dabei unterstützen, gesund zu bleiben. Prävention ist immer günstiger als Reparatur“, sagte sie. KI biete hier künftig große Potenziale, um Menschen personalisiert anzusprechen. Rode nutzte den Zukunftsdialog auch für einen Appell an die Politik: Anders als den gesetzlichen Krankenkassen sei es den privaten Versicherern aktuell nicht gestattet, ihre Kunden proaktiv auf Präventionsangebote hinzuweisen. Hier bestehe dringender Handlungsbedarf, um die rechtlichen Rahmenbedingungen zu modernisieren. 

Nach dem Vortrag nutzten die Gäste die Gelegenheit, Fragen zu stellen und sich an der Diskussion zu beteiligen. Bei Getränken und einem Imbiss bot sich im Anschluss noch die Gelegenheit zum weiteren Austausch.

Ansprechperson für Rückfragen: