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Gambrinus-Forum trägt Wissenschaft in die Stadt

Vorträge beleuchten gesellschaftliche Herausforderungen

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Gruppenfoto mit fünf Personen. Auf dem Stehtisch vor ihnen steht ein TU-Logo © Oliver Schaper​/​TU Dortmund
Prof. Manfred Bayer (r., Rektor der TU Dortmund), Prof. Maximiliane Wilkesmann (2.v.r., Prorektorin Internationales und Diversität der TU Dortmund) und Prof. Martin Paul (Rektor der Ruhr-Universität Bochum) begrüßten die Vortragenden beim 30. Gambrinus-Forum: Prof. Beate Herpertz-Dahlmann (l., RWTH Aachen) und Prof. Maike Luhmann (Ruhr-Universität Bochum).
Am 19. Oktober lud die TU Dortmund erneut Vertreter*innen der Stadtgesellschaft zu wissen-schaft¬lichen Vorträgen in die Dortmunder Innenstadt ein. Beim 30. Gambrinus-Forum sprach Prof. Maike Luhmann von der Ruhr-Universität Bochum über Dimensionen und Folgen von Einsamkeit. Prof. Beate Herpertz-Dahlmann von der RWTH Aachen präsentierte Erkenntnisse über Entstehung und Verlauf von Magersucht. Bei der Veranstaltung wurden zudem die Internationalisierungspreise der TU Dortmund verliehen.

Prof. Manfred Bayer, Rektor der TU Dortmund, begrüßte zahlreiche Gäste aus Wissenschaft, Industrie und Stadtgesellschaft im Westfälischen Industrieklub. Er betonte die gesellschaftliche Relevanz der Vorträge und hob hervor, dass das Gambrinus-Forum den Dialog zwischen Wissenschaft und Stadtgesellschaft stärken solle. Zudem verwies er darauf, dass dieser Austausch, ebenso wie die Internationalisierung, wichtige Eckpunkte des Ruhr Innovation Lab seien, mit dem die TU Dortmund und die Ruhr-Universität Bochum ab dem kommenden Jahr als Exzellenzverbund gefördert werden.

Warum Einsamkeit uns alle betrifft

Einsamkeit ist ein Gefühl, das nahezu alle Menschen im Laufe ihres Lebens erleben. Die Psychologin Prof. Maike Luhmann beschäftigte sich in ihrem Vortrag mit der Frage, wer davon betroffen ist, welche Folgen Einsamkeit hat und was dagegen getan werden kann. Anders als das Alleinsein oder soziale Isolation sei Einsamkeit ein subjektives und oftmals schmerzhaftes Gefühl. Dabei unterschied Luhmann zwischen emotionaler, sozialer und kollektiver Einsamkeit. Ob tatsächlich von einer „Einsamkeitsepidemie“ gesprochen werden kann, beantwortete die Psychologin differenziert: Zwar fühlen sich seit der Corona-Pandemie insbesondere junge Erwachsene zwischen 18 und 30 Jahren häufiger einsam, doch war Einsamkeit schon zuvor weit verbreitet. Als mögliche Auslöser nannte Luhmann einschneidende Lebensereignisse oder Diskriminierungserfahrungen. Hält Einsamkeit über längere Zeit an, kann eine sogenannte Einsamkeitsspirale entstehen, die häufig sowohl die psychische als auch die körperliche Gesundheit belastet. Auch wirtschaftliche Folgen, etwa durch Arbeitsausfälle, sind möglich. Um Einsamkeit entgegenzuwirken, sei es wichtig, die Gesellschaft für das Thema zu sensibilisieren und Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen. Luhmann betonte daher, dass Einsamkeit keineswegs nur ein privates Problem, sondern auch eine politische und gesellschaftliche Aufgabe sei. 

Prof. Maike Luhmann ist seit 2016 Professorin für Psychologische Methodenlehre an der Ruhr-Universität Bochum. Sie forscht insbesondere zu Einsamkeit, subjektivem Wohlbefinden und Persönlichkeitsentwicklung. Seit 2022 ist sie Mitglied im Beirat des Kompetenznetzes Einsamkeit und berät regelmäßig politische Institutionen auf nationaler und europäischer Ebene.

Wie Biologie und Kultur Magersucht beeinflussen

Prof. Beate Herpertz-Dahlmann sprach in ihrem Vortrag über die Einflüsse von Biologie und Kultur auf Anorexia nervosa. Sie zeigte auf, dass es in Bezug auf Magersucht in der Medizin lange Zeit Fehldeutungen und Unterstellungen gab, etwa, dass sich Betroffene bewusst weigerten, Nahrung aufzunehmen. Auch den Eltern wurde häufig eine Mitschuld an der Erkrankung ihrer Kinder gegeben. Ab 2013 wurden unter Mitarbeit von Herpertz-Dahlmann schließlich neue Klassifikationskriterien erarbeitet, die die Merkmale von Anorexia nervosa deutlich sachlicher und weniger willkürlich beschreiben. Denn die Medizin hat mittlerweile neue Erkenntnisse gewonnen: Genetik, Gehirn, Darmbiom und Metabolismus haben einen erheblichen Einfluss auf Entstehung und Verlauf der Erkrankung. Beispielsweise nimmt mit dem Gewichtsverlust auch das im Fettgewebe produzierte Hormon Leptin ab. Dieser geringere Leptingehalt führt evolutionsbedingt zu einem hohen Bewegungsdrang. Ein Verständnis für diesen Zusammenhang sei wichtig für die Behandlung, so die Expertin, denn lange Zeit seien Magersüchtige für exzessiven Sport bestraft worden. Ein großes Problem sieht die Medizinerin in der hohen Social Media-Nutzung von Jugendlichen, da der soziale Vergleich auf Online-Plattformen mit Essstörungssymptomen korreliere und der Algorithmus den Konsum schädlicher Inhalte noch verstärke. Eine als riskant eingestufte Nutzung von sozialen Medien sei heutzutage bei mehr als 20 Prozent der Jugendlichen zu beobachten. Inzwischen gibt es neue, von Herpertz-Dahlmann mitentwickelte Behandlungsansätze, die ganzheitlicher gedacht werden, in die häufig die Bezugspersonen miteinbezogen werden und die teilweise auch zu Hause statt stationär erfolgen.

Prof. Beate Herpertz-Dahlmann ist Seniorprofessorin an der RWTH Aachen. Die Oberärztin hat sich zum Thema „Essstörungen und Depression“ habilitiert und wurde 1997 nach Aachen berufen, wo sie die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und ‑psychotherapie neu gründete und bis 2023 als Direktorin leitete. Sie war zudem Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie sowie Mitglied im DFG-Kollegium „Neurowissenschaften“.

Internationalisierungspreise in vier Kategorien verliehen

Im Rahmen des Gambrinus-Forums wurden zum fünften Mal die mit je rund 1.500 Euro dotierten Internationalisierungspreise der TU Dortmund verliehen. Prof. Maximiliane Wilkesmann, Prorektorin Internationales und Diversität, würdigte damit besonderes internationales Engagement in den Bereichen Forschung, Lehre, Transfer und Verwaltung.

Prorektorin Internationales und Diversität Prof. Maximiliane Wilkesmann (l.) und Rektor Prof. Manfred Bayer (r.) mit den Preisträger*innen der Internationalisierungspreise (v.l.n.r.): Ben Aziabou, Prof. Kader Konuk, Prof. Vanessa Agnew, Laura Hope und Prof. Frank Jenau.

Prof. Kader Konuk und Prof. Vanessa Agnew von der Fakultät Kulturwissenschaften nahmen den Preis für die Academy in Exile entgegen. Die Initiative unterstützt seit 2017 gefährdete und verfolgte Wissen­schaft­ler*innen dabei, ihre Forschung in einem sicheren Umfeld fortzusetzen. Aktuell werden rund 20 internationale Fellows betreut, unter anderem aus dem Jemen und Äthiopien, die durch Kolloquien, Schreibworkshops und weitere Angebote intensiv begleitet werden. Künftig möchte die Academy in Exile verstärkt Forschende aus dem Globalen Süden erreichen.

Der englischsprachige Masterstudiengang Automation and Robotics der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik wurde für die erfolgreiche Betreuung internationaler Studierender ausgezeichnet. Dekan Prof. Frank Jenau nahm den Preis stellvertretend entgegen. Durch intensive Betreuung, sprachliche Unterstützung und gezielte Angebote im Curriculum schließen rund 90 Prozent ihr Studium erfolgreich ab. In den vergangenen fünf Jahren verzeichnete der Studiengang die höchsten Absolvent*innenzahlen unter den englischsprachigen Studiengängen der TU Dortmund.

Die Studierenden Ben Aziabou und Mary Kapenda erhielten den Preis für ihr vom Centrum für Entrepreneurship & Transfer (CET) unterstütztes Start-up „Afro Drinks by Bam“ . Mit Getränken auf Hibiskusbasis möchten sie afrikanische Produkte auf dem deutschen Markt etablieren und zugleich ein soziales Projekt in Togo unterstützen. Langfristig sollen fünf Prozent der Verkaufserlöse in den Bau eines Jugendhauses fließen, das Kindern und Jugendlichen einen Ort zum Lernen und für den gemeinsamen Austausch bietet.

Laura Hope vom Referat Internationales wurde für ihr Engagement beim Aufbau neuer Auslandsmöglichkeiten für Studierende ausgezeichnet. Während eines Sabbaticals in Südafrika knüpfte sie 2023 Kontakte zu lokalen Einrichtungen in Touwsrivier und engagierte sich dort ehrenamtlich. Daraus entstanden neue Möglichkeiten für Studierende der TU Dortmund, in sozialen Projekten vor Ort Praktika zu absolvieren und interkulturelle Erfahrungen zu sammeln.

Die Dortmunder Gambrinus Fellowships

Seit 1993 fördern die Gambrinus Fellowships Forschungsaufenthalte ausländischer Wissen­schaftler*innen an der TU Dortmund. Die Fellowships wurden 1993 anlässlich des 700-jährigen Braurechts der Stadt Dortmund vom Verband Dortmunder Bierbrauer ins Leben gerufen. Insgesamt konnten schon mehr als 200 Gastwissenschaftler*innen in Dortmund begrüßt und zahlreiche internationale Kooperationen etabliert werden. Das jährliche Gambrinus-Forum richtet sich mit Vorträgen von international renommierten Wissen­schaft­ler*innen an eine außeruniversitäre Öffentlichkeit und findet seit 2016 im Westfälischen Industrieklub statt.

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