„Die demokratische Selbstverwaltung der DFG ist ein sehr hohes Gut“
- Top-Meldungen
- Forschung
- Reihen & Dossiers

Herr Prof. Rehtanz, womit beschäftigen Sie sich in Ihrer Forschung?
An unserem Institut erforschen wir die Effizienz und Transformation des Energiesystems in all seinen Facetten. Besonders spannend ist dabei die Frage, wie es künftig gelingen kann, ein dezentrales elektrisches Energiesystem stabil und krisenfest zu organisieren. Derzeit ist es ja so, dass Strom vor allem über die großen Kraftwerke eingespeist wird und die Stabilität des Stromnetzes über Leitwarten von Menschen überwacht und gesichert wird. Das wird sich in Zukunft ändern: Durch die Energiewende werden wir sehr viele kleine Einspeisequellen haben, bis hin zum lokalen Balkonkraftwerk. Selbst Batterien von Elektroautos können entladen werden, um Strom etwa in Notzeiten in das Netz einzuspeisen. Damit so ein System aber funktioniert, muss es automatisiert werden und sich aus vielen funktionierenden Teilsystemen zusammensetzen, die dann das Gesamtnetz abbilden – und das auch noch über ganz Europa. Dafür braucht es neben der Energietechnik auch viele Ansätze aus anderen Disziplinen, etwa der Informatik, Kommunikations- und Automatisierungstechnik.
Sie haben nicht nur zahlreiche Projekte bei der DFG eingeworben, sondern sind auch seit Jahren in deren Gremien engagiert: Welcher Förderlogik folgt die DFG?
Zunächst einmal steht die DFG ja für Grundlagenforschung. Erfüllt man dieses Kriterium, bietet sie Förderinstrumente für alle Disziplinen und wissenschaftliche Karrierestufen – allerdings muss man sich mit den einzelnen Instrumenten vertraut machen und das richtige heraussuchen. Eine Besonderheit der DFG ist, dass sich die Wissenschaft in dieser Organisation auf demokratischem Weg selbst verwaltet. Das ist ein sehr hohes Gut: Wir als Wissenschaftler*innen können selbst entscheiden, wie die zur Verfügung stehenden Mittel verwendet und vergeben werden. Zum Beispiel wird immer wieder diskutiert, ob Förderinstrumente fehlen oder geändert werden sollten, auch der Zuschnitt der Fachkollegien wird regelmäßig angepasst. Spannend und relevant sind natürlich auch gesellschaftspolitische Diskussionen über die Rolle der Wissenschaft sowie Fragen nach Resilienz, digitaler Souveränität und der stärkeren oder auch geringeren Fokussierung auf nicht-wissenschaftliche Begutachtungskriterien. Natürlich ist man persönlich nicht immer mit allen Entscheidungen einverstanden, das liegt aber im Wesen der Demokratie. Ich selbst würde mir zum Beispiel Formate wünschen, die stärker auf Risiko ausgelegt sind und in Kauf nehmen, dass Ideen auch mal scheitern dürfen.
Was braucht es, um mit einem Antrag bei der DFG erfolgreich zu sein? Haben Sie ein paar Tipps?
In jedem Fall muss man eine sehr klare Idee haben, was man erforschen will, und einen nachvollziehbaren Ansatz, wie das Ziel erreicht werden soll. Außerdem sollten die Ideen und Forschungsansätze sehr klar und verständlich präsentiert werden – gerade bei großen Anträgen muss der Mehrwert auch für Personen, die nicht vom eigenen Fach sind, eindeutig erkennbar sein. Nicht unterschätzen sollte man gerade bei strukturbildenden Programmen die Balance von Geschlecht und Alter im Konsortium – ohne eine angemessene Beteiligung von Frauen und wissenschaftlichem Nachwuchs wird der Antrag abgelehnt, egal wie toll die wissenschaftliche Idee dahinter ist. Das mag man kritisieren, aber auch das ist eine demokratische Entscheidung innerhalb der DFG. Wer meckert, soll sich einbringen und mitentscheiden. Natürlich tut es weh, wenn ein Antrag abgelehnt wurde, das kenne ich selbst sehr gut. Aber im Nachhinein habe ich von den Anmerkungen aus den Gutachten immer profitiert und konnte meine Projekte verbessern. Das ist vielleicht die wichtigste Empfehlung: Erfolgreich wird man, wenn man sich die Kritik zu Herzen nimmt und es dann nochmal probiert.
Zur Person:
- 1994–2000 Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Universität Dortmund
- 1997 Promotion, Universität Dortmund
- 2000–2007 Positionen in der Industrie bei der Firma ABB in der Schweiz und in China
- 2002 Habilitation an der ETH Zürich
- seit 2007 Professur und Leitung des Instituts für Energiesysteme, Energieeffizienz und Energiewirtschaft, TU Dortmund
- 2011–2019 Sprecher DFG-Forschungsgruppe „Schutz- und Leitsysteme zur zuverlässigen und sicheren elektrischen Energieübertragung“
- 2016–2020 Dekan der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik
- 2016–2023 Fachkollegiat der DFG
- 2017–2025 Sprecher des DFG-Schwerpunktprogramms „Hybride und multimodale Energiesysteme“
- seit 2024 Mitglied des Senats der DFG
Weiterführende Infos:
Förderberatung des Referats Forschungsförderung der TU Dortmund
Überblick der DFG-Förderprogramme
DFG-Wahlportal für die Fachkollegien-Wahl
Alle Interviews der Reihe Spotlight Forschung:
Zur Übersicht






















