„Mit Neugier und Begeisterung kann man etwas vorantreiben“
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Frau Dr. Kipp, womit beschäftigen Sie sich in Ihrer Forschung?
In unserem Team erforschen wir Fertigungsprozesse in der Schleiftechnologie. Einerseits geht es dabei um ein grundlegendes Verständnis: Wie verschleißen Werkzeuge? Welche Materialtrennvorgänge laufen ab? Wichtig ist dabei auch, dass wir eng mit anderen Disziplinen zusammenarbeiten, zum Beispiel mit der Physik oder der Werkstofftechnik. So können wir Prozesse über verschiedene Größenordnungen hinweg besser verstehen oder ganze Prozessketten in die Forschung einbeziehen. An das grundlegende Verständnis knüpfen sich dann häufig anwendungsorientierte Fragestellungen: Wie können Schleifprozesse weiterentwickelt und somit produktiver werden? Wie können Werkzeuge und auch Oberflächen so angepasst werden, dass sie langsamer verschleißen? Da immer wieder neue Werkstoffe mit anderen Eigenschaften entwickelt werden, ergeben sich daraus auch für die Bearbeitung spannende Forschungsfragen. Die Schleiftechnologie ist dabei für sehr viele Materialien und Produkte relevant. Typischerweise denkt man vielleicht an Komponenten wie Lager oder Zahnräder. Aber auch für alltägliche Werkzeuge wie z. B. Messer ist die Technologie der Bearbeitung enorm wichtig.
Sie haben 2024 den Rudolf Chaudoire-Preis der TU Dortmund verliehen bekommen und das Preisgeld für einen Forschungsaufenthalt in Schweden genutzt – wie kam es zur Zusammenarbeit und welche Erfahrungen haben Sie dort gemacht?
Ich habe mich sehr über den Rudolf Chaudoire-Preis gefreut. Dadurch konnte ich für mehrere Wochen an der Chalmers University of Technology in Göteborg mit dem Team von Peter Krajnik zusammenarbeiten. Der Kontakt ergab sich aus dem gemeinsamen fachlichen Interesse: In meiner Forschung beschäftige ich mich intensiv mit der Feinstbearbeitung von Oberflächen mit Diamantschleifscheiben und deren Einsatzvorbereitung. Zu diesem Themenfeld gab es in unseren Arbeitsgruppen Möglichkeiten, Erfahrungen und Kenntnisse, die sich gut ergänzt haben. Das war der Ausgangspunkt für einen sehr bereichernden Austausch. Mittlerweile arbeiten wir schon an Ideen für künftige gemeinsame Projekte. Darüber hinaus war Schweden selbst natürlich auch eine tolle Erfahrung, das akademische System ist dort stellenweise ganz anders organisiert. Es ist sehr wertvoll, mal das bekannte Umfeld zu verlassen und neue Erfahrungen zu sammeln.
Wie leicht fiel es Ihnen, den Antrag zu schreiben? Welche Tipps haben Sie für eine erfolgreiche Antragstellung?
In diesem Fall war es relativ leicht, den Antrag zu schreiben. Das lag daran, dass ich für die geplante Kooperation ja schon ein konkretes Konzept und einen thematischen Bezug im Kopf hatte. Das musste ich dann natürlich noch nachvollziehbar zu Papier bringen. Ich glaube, das gilt auch ganz generell für Anträge: Zunächst muss man eine klare und eindeutige Beschreibung des Forschungsziels formulieren. Was soll erreicht werden und warum ist das wissenschaftlich relevant? Dann sollte eine stringente Beschreibung der geplanten Vorgehensweise folgen, also welche Schritte führen zu diesem Ziel? Es ist sicherlich hilfreich, selbstkritisch zu prüfen: Sind die Ausführungen gut nachvollziehbar oder drohen Missverständnisse? Das erreicht man mit Übung und natürlich auch mit Feedback von außen. Und ganz essenziell sind natürlich – das gilt wohl für jede Tätigkeit – Neugier und der Spaß an der Sache: Wenn ich begeistert bin von dem, was ich tue, kann ich etwas vorantreiben.
Zur Person
- Studium Wirtschaftsingenieurwesen, TU Dortmund, 2011–2014 Deutschlandstipendium
- seit 2015 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Spanende Fertigung, Fakultät Maschinenbau
- seit 2020 Abteilungsleiterin Schleiftechnologie am Institut für Spanende Fertigung, Fakultät Maschinenbau
- 2023 Promotion an der TU Dortmund
- seit 2023 Akademische Rätin am Institut für Spanende Fertigung, Fakultät Maschinenbau
- 2024 Erhalt des Rudolf Chaudoire-Preises, TU Dortmund
- 2025 Forschungsaufenthalt an der Chalmers University of Technology, Göteborg
- 2025 Trägerin der Otto-Kienzle-Gedenkmünze der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Produktionstechnik (WGP)
Weiterführende Infos:
Rudolf Chaudoire-Preis der TU Dortmund
Förderberatung des Referats Forschungsförderung der TU Dortmund
Alle Interviews der Reihe Spotlight Forschung:
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