Ministerin Brandes eröffnet HOLO-VOICES auf Zeche Zollverein
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Wissenschafts- und Kulturministerin Ina Brandes eröffnete die Ausstellung HOLO-VOICES in Essen, die nun eine europaweit einzigartige Begegnung mit dem virtuellen Abbild von Zeitzeug*innen ermöglicht und ihnen eine Stimme für die Ewigkeit gibt. Vorbild dafür war eine Installation im Illinois Holocaust Museum in Chicago, die die Ministerin im Sommer 2024 bei einer Delegationsreise zu Forschungspartnern in den USA besucht hatte. Mit dabei war damals auch TU-Rektor Prof. Manfred Bayer, der die Idee unterstützte, einen solchen Erinnerungs- und Lernort auch in Nordrhein-Westfalen zu realisieren. Seither ist die TU Dortmund Projektträger für HOLO-VOICES und bringt interdisziplinäre Expertise für Raum, Technik und Interviews ein.
Mit dem UNESCO-Welterbe Zollverein wurde ein passender Ort für dieses Vorhaben gefunden, der nicht nur zentral in NRW liegt, sondern jährlich Hunderttausende Besucher*innen anzieht und sich der Erinnerungskultur verschrieben hat. Hier konnte in Halle 8 ein Raum mit rund 40 Plätzen für die holografische Projektion errichtet werden. Auf den umliegenden Etagen sind zwei Begleitausstellungen zu sehen, die einerseits die Biographien der Zeitzeug*innen vorstellen und andererseits über Zwangsarbeit im Bergbau berichten. Insbesondere Schulklassen können die Ausstellungen fortan besuchen und werden dabei von Mitgliedern des Vereins ZWEITZEUGEN begleitet.

Digitale Technik lässt Zeitzeugnisse erleben
Zunächst ist in der Ausstellung neben Inge Auerbacher auch das Hologramm von Kurt Salomon Maier zu sehen. Beide wurden bereits vor einigen Jahren vom Deutschen Exilarchiv vor der Kamera befragt. Ein Team des Instituts für Journalistik der TU Dortmund hat weitere Interviews mit Holocaust-Überlebenden geführt, die derzeit für die Ausstellung aufbereitet werden. Darunter ist auch die 90-jährige Eva Weyl, die bei der Eröffnung in Essen als Ehrengast anwesend war und sich durch Besuche in Schulklassen unermüdlich für das Gedenken an den Holocaust und ein menschliches Miteinander einsetzt. Die Interviews über ihre Verschleppung ins Lager Westerbork wurden im September in einem Studio an der TU Dortmund aufgezeichnet.
Um den Hologramm-Effekt zu erzielen, kommt es bei den Aufnahmen auf eine möglichst hohe Auflösung und starke Ausleuchtung an. Das Videobild der Person kann dann über eine nicht sichtbare Folie aus dem Theatergraben auf die Bühne projiziert werden – eine Technik, die als Pepper’s Ghost bekannt ist. Die eingesetzte KI ist nur dazu da, um unter den vielen aufgezeichneten Antworten eine möglichst passende zu finden. Die KI generiert selbst keine Antworten auf die Fragen des Publikums, sodass die Zeugnisse nicht verfälscht werden. Wie viele und welche Fragen in den Interviews gestellt werden, können die Zeitzeug*innen selbst bestimmen.
Stimmen zu HOLO-VOICES
Ina Brandes, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen erklärte: „Die Erfahrung und die Eindrücke einer persönlichen Begegnung mit Überlebenden des Holocaust sind unersetzlich. Gleichwohl sind viele der Holocaust-Überlebenden 90 Jahre und älter. Sie werden uns ihre Geschichte nicht mehr lange erzählen können. Deshalb schaffen wir mit HOLO-VOICES eine Möglichkeit, mit Überlebenden der Shoah auch in Zukunft in einen Dialog treten zu können, um zu erfahren, was ihnen passiert ist – und was wir heute daraus lernen können.“
Zeitzeugin Eva Weyl sagte: „Die moderne Technik mit KI ist fantastisch. So kann ich mithelfen, dass die Geschichte bewahrt bleibt. Besonders den jungen Menschen möchte ich sagen: Ihr müsst die Vergangenheit kennen, um zu helfen, dass der Frieden bewahrt bleibt. Helft mit gegen Intoleranz, gegen Respektlosigkeit und gegen Entwürdigung. Und sprecht über das, was ihr bei HOLO-VOICES erfahrt. Erzählt es Euren Eltern, sprecht zu Hause darüber – und seid menschlich!“
Prof. Dr. Manfred Bayer, Rektor der Technischen Universität Dortmund, ergänzte: „Als ein führender Standort der KI-Forschung bringen wir mit großem Engagement unsere Expertise ein, jungen Menschen einen Dialog mit Zeitzeugen des Holocaust dauerhaft zu ermöglichen. HOLO-VOICES ist für uns zu einem interdisziplinären Forschungsprojekt geworden. Gemeinsam erarbeiten Expertinnen und Experten aus Journalismus und KI zusammen mit Historikerinnen und Historikern einen wertvollen Beitrag gegen Antisemitismus und Rassismus.“
Angesichts der herausragenden gesellschaftlichen Bedeutung des Projekts war es gelungen, mehrere Förderer für HOLO-VOICES zu gewinnen. Die RAG-Stiftung, die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung und die Brost-Stiftung tragen rund 35 Prozent der Gesamtkosten von rund 3,2 Millionen Euro. Die restliche Finanzierung liegt beim Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen. Die Lizenzen für die Videos von Inge Auerbacher und Kurt Maier werden dem Projekt von der Deutschen Nationalbibliothek und der Shoah-Foundation zur Verfügung gestellt.
Besuch der Ausstellung
Neben den Hologrammen gehört zu HOLO-VOICES auch die Ausstellung „Frag nach!“ zum Leben von Inge Auerbacher und Kurt Salomon Maier des Deutschen Exilarchivs 1933-1945 der Deutschen Nationalbibliothek. Außerdem ist eine vom Verein ZWEITZEUGEN kuratierte Ausstellung „Unter Tage – Unter Zwang“ zur Zwangsarbeit im Steinkohlenbergbau zu sehen. Der Eintritt zu HOLO-VOICES und den Begleitausstellungen ist kostenfrei. Einzelpersonen können das Angebot täglich zwischen 12 und 18 Uhr besuchen. Gruppenangebote, Führungen und Workshops (z.B. für Schulklassen) müssen über ein Formular auf der Webseite im Voraus angemeldet werden.
Impressionen von der Eröffnung
Weitere Stimmen
„In Nordrhein-Westfalen stellen wir uns Antisemitismus entschieden entgegen. Unsere Aufgabe und Verantwortung ist es, die Erinnerung an die Opfer und Überlebenden der Shoah auch nach mehr als 80 Jahren wachzuhalten. Mit einzigartigen Projekten wie HOLO-VOICES geben wir den Überlebenden des Holocaust auch für die Zukunft eine Stimme. Der Einsatz innovativer digitaler Mittel und Künstlicher Intelligenz eröffnet hierbei neue Wege der Begegnung und kann insbesondere junge Menschen nachhaltig erreichen. Unser Ziel ist es, allen Schülerinnen und Schülern zu ermöglichen, während ihrer Schulzeit ein Konzentrationslager oder eine NS-Gedenkstätte zu besuchen. Erinnerungsorte sind unverzichtbar, um Geschichte greifbar zu machen und Verantwortung für Gegenwart und Zukunft zu vermitteln. Das Projekt HOLO-Voices ergänzt die bereits breit und kompetent aufgestellten NS-Gedenkstätten und Erinnerungsorte in Nordrhein-Westfalen eindrucksvoll.“
„Jüdinnen und Juden müssen sich zu jeder Zeit überall in Nordrhein-Westfalen sicher fühlen. In Zeiten, in denen der Antisemitismus in beunruhigendem Ausmaß erstarkt, ist das Hologramm-Projekt ein Leuchtturm. Ich bin Ministerin Brandes und allen Projektpartnern sehr dankbar, dass sie die Erinnerungen der Shoah-Überlebenden auch für kommende Generationen erhalten und hautnah erlebbar machen. HOLO-VOICES ist ein leuchtendes Zeichen für den Dialog und für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft.“
„Die Geschichte der Nazi-Diktatur, das Thema Zwangsarbeit im deutschen Steinkohlenbergbau und die schrecklichen Ereignisse und Folgen des Holocausts dürfen nicht in Vergessenheit geraten. Aus diesem Grund sind wir von diesem wichtigen Kooperationsprojekt überzeugt: Es vermittelt gerade einem jungen Publikum einen immersiven und eindrücklichen Einblick in das Leid, das insbesondere durch die Shoah, aber auch durch die Zwangsarbeit im deutschen Steinkohlenbergbau, verursacht wurde. Die Botschaften, die von dieser besonderen Ausstellung ausgehen, sind wichtiger denn je: Junge Menschen müssen informiert und sensibilisiert werden gegen eine zunehmend rechte Radikalisierung unserer Gesellschaft. Es braucht den mutigen Einsatz gegen einen wieder erstarkenden Antisemitismus. Wir investieren mit diesem bedeutenden Gemeinschaftsprojekt in ein Wissen über die Bedeutung von Freiheit und Demokratie sowie in Haltung, Bildung und Menschlichkeit!“
„Das Projekt HOLO-VOICES liegt uns besonders am Herzen, weil es jungen Menschen auf eindrückliche Weise ermöglicht, Geschichte hautnah zu erleben und daraus verantwortungsbewusstes Handeln für die Zukunft abzuleiten. Die Krupp-Stiftung sieht es seit jeher als Teil ihres Auftrags, Erinnerungskultur lebendig zu halten und einen Beitrag zu Toleranz und Verständigung zu leisten.“
„HOLO-VOICES macht keine Gedenkpose. Das Projekt macht Aufklärung. Hologramme reden weiter, wenn Zeugen längst verstummt sind. Das ist mehr als Technik, auch kein Mahnmal, das ist Widerstand gegen Ignoranz und Vergessen. Man muss wissen, was war, sonst merkt man nicht, was wieder kommen kann. Bildung ist Überlebenswissen.“
„Wir freuen uns, mit ‚Frag nach!‘ Teil des Lern- und Bildungsortes auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein zu sein. Gerade in einer Zeit, in der Antisemitismus wieder erstarkt und der Ruf nach einem Schlussstrich lauter wird, ist es ein starkes Signal, dass Frau Ministerin Brandes dieses Projekt auf den Weg gebracht hat.“
„Die persönlichen Lebensgeschichten von Holocaust-Überlebenden helfen besonders jungen Menschen, Geschichte zu begreifen, und ermutigen dazu, heute aktiv gegen Antisemitismus und Diskriminierung einzutreten. HOLO-VOICES schafft eine Brücke in die Zukunft: Es macht persönliche Erinnerungen weiterhin erlebbar. Wir freuen uns, mit unseren Bildungsangeboten für Jugendliche und Erwachsene Teil dieses außergewöhnlichen Projekts zu sein und so zu einer lebendigen Erinnerungskultur beizutragen.“






























