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Bildung für Demokratie

Politische Teilhabe junger Menschen nachhaltig stärken

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Auf dem Foto sieht man sechs Jugendliche, die lächeln. Im Hintergrund scheint die Sonne. © peopleimages​/​stock.adobe.com
Das IFS hat erstmals umfassend die „Civic Literacy“ von Schüler*innen untersucht.
Das politische Wissen von Jugendlichen wächst stetig; ihr Interesse an und ihre Partizipationsbereitschaft für Politik und Zivilgesellschaft sind jedoch eher gering ausgeprägt. Das ist ein zentrales Ergebnis der neuen Studie zur „Entwicklung politischer und gesellschaftlicher Kompetenzen im Jugendalter“ (EPKO), die am Institut für Schulentwicklungsforschung (IFS) der TU Dortmund durchgeführt wurde. Für die Studie wurden die Kompetenzen, politischen Orientierungen, Angaben zum Politikunterricht und Hintergrundinformationen der Schüler*innen jährlich in den Klassenstufen 7 bis 10 erhoben. Insgesamt nahmen 1.603 Jugendliche aus Nordrhein-Westfalen an mindestens einem der Erhebungszeitpunkte teil.

Die Studienergebnisse zeigen, dass schulische Bildung sich nicht auf die Vermittlung politischen Wissens beschränken darf. „Es greift zu kurz, anzunehmen, dass dadurch automatisch auch andere zentrale Ziele politischer Bildung erreicht werden“, betont Studienleiter Dr. Pascal Alscher. IFS-Direktorin Prof. Nele McElvany ergänzt: „Gerade in der Sekundarstufe I sind gezielte didaktische Ansätze nötig, um Motivation, Einstellungen und Beteiligungsbereitschaft positiv zu entwickeln. Diese Kompetenzen sind zentral, um demokratische Teilhabe langfristig zu sichern und unsere Demokratie weiterzuentwickeln. Um den Stand und die Entwicklung dieser Kompetenzen bei Schülerinnen und Schülern im deutschen Bildungssystem regelmäßig zu prüfen, braucht es ein bundesweites Bildungsmonitoring von Civic Literacy. Die Instrumente liegen jetzt vor.“ Am IFS wurde dazu ein Civic-Literacy-Rahmenmodell entwickelt, das zentrale Kompetenzen für Teilhabe systematisch messbar macht. Das Modell beschreibt „Civic Literacy“ als ein mehrdimensionales Konstrukt, das Wissen, motivationale Aspekte, Einstellungen sowie die Bereitschaft zur politischen und gesellschaftlichen Teilhabe umfasst, und wurde nun erstmals in einer längsschnittlichen Studie empirisch untersucht.

Die Studienergebnisse im Überblick

Demnach entwickelten sich die politischen und gesellschaftlichen Kompetenzen der Jugendlichen von der 7. bis zur 10. Klasse unterschiedlich. Das politische Wissen stieg kontinuierlich an und war in Klasse 10 deutlich stärker ausgeprägt als in Klasse 7. Die Bereitschaft zur Partizipation, etwa sich an Demonstrationen oder Petitionen zu beteiligen oder sich ehrenamtlich zu engagieren, lag in Klasse 7 auf einem eher niedrigen Niveau, sank zunächst noch weiter und erreichte zwischen Klasse 9 und 10 wieder das Ausgangsniveau. Auch die Motivation der Jugendlichen war insgesamt gering ausgeprägt. Sowohl das politische Interesse als auch das interne politische Effektivitätsgefühl, also das Gefühl, politisch etwas bewirken zu können, stiegen im Verlauf der Jahre zwar leicht an, blieben aber auf einem niedrigen Niveau. Das externe politische Effektivitätsgefühl, also die Überzeugung, dass Politik auf die Anliegen der Bürger*innen reagiert, war in Klasse 7 etwas stärker ausgeprägt, veränderte sich über die Jahre jedoch kaum und verblieb ebenfalls auf einem eher niedrigen Niveau.

Hinsichtlich der Einstellungen zeigten die Jugendlichen im Mittel eine positive Haltung zur pluralen Gesellschaft. Sie befürworteten beispielsweise, dass auch die Meinung von Minderheiten bei Entscheidungen berücksichtigt wird und abweichende Meinungen akzeptiert werden sollten. In Klasse 7 standen die Jugendlichen der Demokratie neutral bis eher zustimmend gegenüber; diese Einstellung entwickelte sich in den folgenden Jahren positiv weiter, blieb aber insgesamt auf einem moderaten Niveau.

Die politische und gesellschaftliche Teilhabe junger Menschen nachhaltig zu stärken sei, so die IFS-Forscher*innen, gerade in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung, wachsender Unsicherheit und sinkender Beteiligung eine wichtige Aufgabe für die Sicherung der Demokratie.

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Über die „Tuesdays for Education“

Das Team vom Institut für Schulentwicklungsforschung veranstaltet seit 2023 die Reihe Tuesdays for Education: Einmal im Quartal kommen im Webinar Multiplikator*innen aus ganz Deutschland zusammen – von Lehrkräften über Journalist*innen bis zu Vertreter*innen aus Ministerien und Bildungsinstituten. Ausgewählte Befunde der aktuellen IFS-Forschung werden vorgestellt und mit den Teilnehmenden diskutiert.

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