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Technische Universität Dortmund eröffnet neues Eye-Tracking-Labor

Welchen Einfluss hat die Sprache auf unsere Wahrnehmung, unsere Aufmerksamkeit, unser Gedächtnis? Diese Fragestellung untersucht der neue Forschungsschwerpunkt „Experimentelle Linguistik und Psycholinguistik“ am Institut für deutsche Sprache und Literatur der TU Dortmund. Dafür eröffnet am Donnerstag, 28. Januar, das TU Dortmund University Eye-Tracking Lab am Martin-Schmeißer-Weg. Die Eye-Tracking-Geräte verfolgen die Augenbewegungen und können so zeigen, worauf Testpersonen ihre Aufmerksamkeit richten.

Deutsche sehen anders als Engländer. Der Eye-Tracker zeigt: Beobachten Testpersonen eine Szene, in der zwei Frauen auf ein Haus zugehen, bestimmt ihre Muttersprache, was sie davon wahrnehmen. Deutschsprachige Probandinnen und Probanden beschreiben die Szene mit „Zwei Frauen gehen auf ein Haus zu“ – und richten auch ihren Blick auf das Ziel der Bewegung. Testpersonen, deren Muttersprache Englisch ist,  sagen hingegen lediglich „Two women are walking“. Das Haus nehmen sie oft nicht einmal wahr. Purer Zufall? Die Psycholinguistin Prof. Barbara Mertins, die im neuen Schwerpunkt an der TU Dortmund forscht, hat bei Experimenten mit mehr als 14 Muttersprachen ein System entdeckt: „Sprachen, die eine Verlaufsform wie im Englischen das –ing besitzen, lenken die Aufmerksamkeit stärker auf die Bewegung als auf das Ziel“. Diesen Einfluss hat allerdings nur die Muttersprache. „Die meisten von uns denken nicht wie Engländer, wenn wir Englisch sprechen.“

 

Gerät auch für Kleinkinder geeignet

Doch was ist mit Kindern, die bilingual aufwachsen, die also zwei Muttersprachen haben? Mit Hilfe der neuen Eye-Tracking-Geräte können Prof. Mertins und ihr Team nun auch diese Frage erforschen. „Das Besondere an unserem Eye-Tracker ist, dass er neben den beiden Augen auch das ganze Gesicht erfasst und ferngesteuert wird“, sagt Prof. Mertins. „Zudem haben wir nun eine mobile Version, die wir auch außerhalb des Labors verwenden können.“ Bei den älteren Geräten mussten die Probandinnen und Probanden noch eine Art Helm tragen, an dem Kameras die Augenbewegungen aufzeichneten. Als unbequemer Störfaktor konnte der Helm das Ergebnis verzerren – und war zudem ungeeignet für kleine Kinderköpfe. „Mit dem neuen Gerät können wir nun auch Daten von Schülerinnen und Schülern oder sogar Kleinkindern erheben“, so Mertins.

 

Praktische Einblicke beim Laborrundgang

Im Anschluss an die offizielle Eröffnung des Labors durch den Prorektor für Forschung Prof. Dirk Biermann gab Prof. Barbara Mertins einen Einblick in die geplanten Forschungsarbeiten und demonstrierte bei einem Rundgang durch das Labor den Einsatz des Eye-Trackers an praktischen Beispielen. Prof. Biermann zeigte sich von den Möglichkeiten des neuen Labors beeindruckt: „Es ist faszinierend, mit welcher Detailschärfe selbst die mobilen Geräte die Blickbewegungen erfassen können. Ich freue mich, dass Frau Prof. Mertins ihre erfolgreiche psycholinguistische Forschung nun mithilfe der neuesten Technik an der TU Dortmund fortsetzen kann.“