Eine vergessene Gattung: Melodramen sind beinahe vollständig von den Spielplänen verschwunden. Dabei liebte das Publikum des 19. Jahrhunderts diese Musikstücke, in denen ein Text im Wechsel mit Musik oder über eine meist illustrierend unterlegte Musik gesprochen wird. Textgrundlage sind vor allem (Schauer-)Balladen, hochdramatische, bilderreiche Geschichten, in denen alle Register des Schockierenden und des Grauenhaften gezogen wurden. In einer Zeit, da man beim Hören von Musik noch „Kino im Kopf“ erleben konnte, war das Melodram sowohl auf der Ebene der Hochkultur als auch in der Massenunterhaltung ein äußerst beliebtes Genre.
Dieser schillernden Gattung, die auch heute noch für das Publikum eine „Gänsehautgarantie“ verspricht, widmet sich ein Konzertabend des Richard-Wagner-Verbandes Dortmund. Prof. Dr. Mechthild v. Schoenebeck, Lehrstuhlinhaberin für Musikpädagogik, stellt in ihrem Einführungsvortrag die Wirkungsgeschichte der Melodramen dar; denn zahlreiche bedeutende Komponisten griffen diese Gattung auf, von Jean-Jacques Rousseau über Mozart bis hin zu Richard Strauss.
Das Konzert bestreiten Kammerschauspieler Claus Dieter Clausnitzer als Sprecher und Norbert Chlebowitz, der als Lehrbeauftragter für Klavier an der TU tätig ist. Auf dem Programm steht neben Werken von Robert Schumann und Richard Wagner auch Franz Liszts Lenore – ein hochdramatisches Werk mit immensen Anforderungen für die Interpreten. Zu entdecken gibt es schließlich auch noch das Melodram Die Wallfahrt nach Kevlaar, ein Werk des fast gänzlich in Vergessenheit geratenen Komponisten Edmund Uhl (1853-1929) nach einem Gedicht von Heinrich Heine.
Ort: Harenberg City-Center (Königswall 21, 44137 Dortmund)
Datum: 30. März 2011, 18 Uhr
Eintritt: 13,00 €, ermäßigt 8,00 €
Programm:
Franz Schubert: Abschied von der Erde, D 829
Text von Adolf von Pratobevera (1806-1875; österr. Jurist und Dichter)
Robert Schumann: Schön Hedwig, op. 106, 1849
Text von Friedrich Hebbel (1813-1863)
Robert Schumann: Ballade vom Haideknaben, op. 122/1, 1853
Text von Friedrich Hebbel
Richard Wagner: Ach neige, du Schmerzensreiche, op. 5, 1830
Text von Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Friedrich Nietzsche: Das zerbrochene Ringelein, 1863
Text von Joseph von Eichendorff (1788-1857)
Franz Liszt: Lenore, 1860
Text von Gottfried August Bürger (1747-1794)
Edmund Uhl: Die Wallfahrt nach Kevlaar, op. 12, 1904
Text von Heinrich Heine (1797-1856)