24. November 2010, 18 Uhr, Seminar für Kulturanthropologie des Textilen, Emil-Figge-Straße 50, Raum 4.208
Dr. Beate Schmuck Raum 5.240 Emil-Figge-Str. 50 44227 Dortmund Tel: (0231) 755-2905
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Das Kopftuch gehört in den meisten Ruhrgebietsstädten schon zum Alltag. Doch wie reagieren ganz normale Passanten, wenn sie eine Frau sehen, deren Körper durch die Burka komplett verhüllt ist? Textilstudierende des Instituts für Kunst und Materielle Kultur untersuchen diese Reaktionen seit dem letzten Wintersemester. Dazu wird es am 24. November einen Vortragsabend von 18:00 bis 20:30 Uhr in der Emil-Figge-Str. 50 in Raum 4.208 geben.
Zu Beginn des Seminars wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zunächst in die philosophische Auseinandersetzung des Themas eingeführt. Seminarleiterin Dr. Beate Schmuck, akademische Rätin am Seminar für Kulturanthropologie des Textilen, führte die Studierenden an Begriffe wie Interkulturalität und Fremdkulturalität sowie an didaktische Modelle heran.
Ziel des Seminars ist es jedoch, dass die Studierenden selbst auf die Straße gehen. Eine Gruppen von Seminarteilnehmern versuchte sich so schon auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt. Die Anwesenheit einer Frau mit Burka an einem Glühweinstand empfanden viele Passanten als Angriff auf ihren schönen Tag. Auch einige fremdenfeindliche Reaktionen konnten die Studierenden beobachten, das allerdings mehr in Dortmunder S- und U-Bahnen, wo die Studierenden das Experiment ebenfalls durchführten. Zwar guckten viele Passanten auch nur, manche fanden sogar, dass die Burka interessant aussehe, generell spiegelten sich aber in den Reaktionen die Stereotype aus den Medien wieder. Viele sehen dieses muslimische Kleidungsstück als Symbol für die Unterdrückung der Frau im Islam oder aber als Zeichen der Überfremdung in Deutschland. Im Sommersemester werden die Experimente fortgeführt. Unter anderem beteiligten sich die Studierenden am 18. Juli 2010 am "Still-Leben Ruhrschnellweg". Sie flanierten in Burkas auf der A40, präsentierten eine Burka-Videoinstallation und erläuterten interessierten Passanten verschiedene Perspektiven der Verschleierungsthematik. Aus den Burkas ertönten gesprochene Texte zu Burka-Diskussionen in der internationalen Presse, zu Reaktionen von Passanten in der Dortmunder Innenstadt, zu religiösen Quellenbezügen oder zur Ganzkörperverschleierung afghanischer Frauen in Reiseberichten des 19. und 20. Jahrhunderts.
Im letzten Seminar der Reihe "Burka-Konfrontationen: Fremdgänge und Fremdblicke im urbanen und regionalen Raum" steht schließlich im Wintersemester 2010/2011 die didaktische Komponente des Themas im Zentrum. Die Seminarteilnehmer sollen sich überlegen, wie man die Problematik am besten in Form von Unterrichtsreihen und mithilfe von eigens entwickelten Materialien in der Schule umsetzen kann.
Der Vortragsabend am 24. November beinhaltet 3 drei einzelne Vorträge von:
Gabriele Mentges - Krieg der Köpfe?
Beate Schmuck - „Offenbar erkennt man Afghanistan nur an plissierten Ganzkörperschleiern…“ Reiseblicke auf die afghanische Burka
Samira Tabti - Die Vielfalt der 'Burka'