Julia Sattler
Kulturhauptstadtbeauftragte der TU Dortmund
August-Schmidt-Straße 4
44227 Dortmund
Tel: (0231) 755-7574
Stau auf der A40. Eigentlich war am Sonntag (18. Juli) alles wie immer auf der Autobahn, die mitten durch das Ruhrgebiet führt. Nur eine Kleinigkeit war anders: Denn dieses Mal verstopften keine Autos die Straße, sondern Fußgänger, Rad-, Roller-, Rikscha- und Kettcarfahrer sowie Inline Skater. Einen Tag durfte kein Autofahrer auf die A40. Stattdessen feierten über drei Millionen Bürgerinnen und Bürger ein einmaliges "Fest der Alltagskulturen". Und auch die TU Dortmund war mit ihren 27 Tischen "mittendrin".
Die Tische der TU Dortmund von oben.
Auf über 60 Kilometern präsentierte sich die Metropole Ruhr zwischen Dortmund und Duisburg so bunt und vital wie nie. Sportvereine, Kirchengemeinden, Chöre, Trommlergruppen und ganzen Nachbarschaften ließen sich auf der Programmspur in Richtung Duisburg an den 20.000 Tischen nieder. Ein Drittel des Besucheraufkommens entschied sich für die Mobilspur. Von Duisburg-Häfen bis Dortmund-Märkische Straße war alles erlaubt, was rollte, aber keinen Motor hat. Dort ging es zwischenzeitlich sogar so wuselig zu, dass der ADFC scherzte, die Welt dürfte außerhalb Chinas noch nie einen solchen Haufen Räder gesehen zu haben.
Schon um 10 Uhr morgens hatten der RUHR.2010-Vorsitzende Fritz Pleitgen und sein Geschäftsführerkollege Oliver Scheytt das "Still-Leben Ruhrschnellweg“ zusammen mit Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft in Dortmund eröffnet.
In der Nähe der Ausfahrt Barop, in Block 107, hatte die TU Dortmund ihre 27 Tische aufgebaut. Zu sehen war dort unter anderem die Fotoausstellung "mittendrin“, in der Studierende des Seminars für Kunst und Kunstwissenschaft festgehalten haben, wie es sich anfühlt Student zu sein. Die ausgestellten Fotografien reflektierten das Selbstbild der Studierenden und boten einen subjektiven künstlerischen Blick. Eine Studentin porträtierte sich für das Projekt beispielsweise selbst. Immer wieder hatte sie unterschiedliche Kleidungsstücke angezogen, eine andere Frisur, eine andere Körperhaltung. Ihr Ziel war es, die verschiedenen Klischeetypen Studierender darzustellen: den vermeintlich typischen Sozialpädagogik-Studenten, den vermeintlich typischen BWL-Studierenden, den vermeintlich typischen Naturwissenschaftsstudierenden. Eine andere Studentin interpretierte mit ihrem Projekt das Sommersemester auf eine ganz eigenwillige Art und Weise und überlegte sich, wie Urlaub auf dem Campus aussehen könnte.
An den beiden Tischen der Fakultät Statistik konnten die Besucher ihre Geschmacksnerven testen. Im Rahmen zweier Geschmackstest konnten die Versuchspersonen einerseits ausporbieren, ob sie den geschmacklichen Unterschied zwischen Coca Cola und Pepsi Cola feststellen. Andererseits konnten sie mit verbundenen Augen testen, ob für sie grüne und rote Gummibärchen anders schmecken. Über 300 Personen nahmen an den Tests teil. Etwa die Hälfte erkannte die geschmacklichen Unterschiede. Die genauen Ergebnisse der wissenschaftlichen Auswertungen sind auf der Homepage der Fakultät Statistik nachzulesen.
Mit dem Projekt "Burka-Konfrontationen" beteiligte sich das Seminar für Kulturanthropologie des Textilen am "Still-Leben Ruhrschnellweg“. Unter der Leitung von Dr. Beate Schmuck flanierten Studierende in Burkas auf der A40, präsentierten eine Burka-Videoinstallation und erläuterten interessierten Passanten verschiedene Perspektiven der Verschleierungsthematik. Aus den Burkas ertönten gesprochene Texte zu Burka-Diskussionen in der internationalen Presse, zu Reaktionen von Passanten in der Dortmunder Innenstadt, zu religiösen Quellenbezügen oder zur Ganzkörperverschleierung afghanischer Frauen in Reiseberichten des 19. und 20. Jahrhunderts.