Gruß zum Jahreswechsel / Greetings at the Turn of the Year
Liebe Mitglieder der TU Dortmund,
das bundesweite Thema des Wissenschaftsjahrs 2024 war Freiheit, gesetzt durch den 75. Geburtstag des Grundgesetzes am 23. Mai. Der Begriff hat uns als Gesellschaft wahrlich vielfach herausgefordert in den vergangenen zwölf Monaten, auch an unserer Universität.
Das Jahr begann mit Großdemonstrationen für Demokratie und gegen Rechts, ausgelöst durch Recherchen zu geheimen Plänen der AfD, die Vertreibung eingewanderter Mitbürger*innen vorzubereiten. Auch als Universität galt es, hier Haltung zu zeigen und für die Werte der freiheitlichen demokratischen Grundordnung einzustehen. Nicht zuletzt haben alle Beamt*innen darauf ihren Amtseid geleistet.
Welche Zumutungen die im Grundgesetz verbrieften Rechte auf Versammlungsfreiheit und Meinungsfreiheit bisweilen für den Einzelnen wie für die Gemeinschaft bedeuten, haben zahlreiche Universitäten bei Protesten zum Nahostkonflikt gespürt. Als öffentliche Einrichtungen müssen Hochschulen angemeldete Protestcamps und Mahnwachen auf dem Campus dulden, dabei dürfen einseitige und selbst extreme Positionen kundgetan werden. Aus diesem Grund ist es umso wichtiger, dass Hochschulen sich als offene Diskursräume verstehen, die eine differenzierte Debatte ermöglichen. Dies hat die Hochschulrektorenkonferenz im Mai in einer Entschließung bekräftigt, der sich die TU Dortmund nachdrücklich angeschlossen hat. Es hat mich erleichtert, dass die Proteste auf dem Dortmunder Campus friedlich verlaufen sind.
Was passiert, wenn Freiheit bedroht, ja unterdrückt wird, haben zwei prominente Gäste in diesem Jahr eindrücklich geschildert: Im Juni war Irina Scherbakowa bei unserer Veranstaltungsreihe „Initialzündung“ zu Gast. Sie berichtete über ihre Arbeit für die Menschenrechtsorganisation Memorial, die 2022 in Russland verboten wurde und im selben Jahr mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Kurz danach besuchte der Holocaust-Überlebende Horst Selbiger erneut die TU Dortmund, um von seiner Kindheit als Jude im nationalsozialistischen Deutschland zu erzählen.
In der Wissenschaft leisten Mitglieder unserer Universität wertvolle Beiträge zur Stärkung von Demokratie und Freiheit. Verschiedene Forschungsprojekte gehen der Frage nach, wie man Bürger*innen vor Desinformation schützen oder wie man Schüler*innen demokratische Grundwerte vermitteln kann. Dies wird auch für die anstehende Bundestagswahl besonders relevant sein. Auch Wissenschaftskommunikation stärkt Freiheit, wenn sie faktenbasierte Informationen zu gesellschaftlich relevanten Fragestellungen liefert, wie etwa in Debatten um Klimawandel, Mobilitätswende oder Migration.
Um in herausfordernden Zeiten als Hochschulen Orientierung für ethisch gebotenes Handeln zu erhalten, haben wir in der Universitätsallianz Ruhr in diesem Jahr den Rat für Ethik und Verantwortung gegründet. Neun Professor*innen aus verschiedenen Disziplinen von TU Dortmund, Ruhr-Universität Bochum und Universität Duisburg-Essen werden sich mit ausgewählten Fragestellungen großer Wertedebatten befassen, die von Technikfolgenabschätzung über die Zulässigkeit politischer Positionierungen bis hin zu Grenzen der individuellen Freiheit für ein respektvolles Miteinander reichen.
Jede und jeder einzelne von uns ist zunehmend gefragt, Zivilcourage zu zeigen und jenen Beistand zu leisten, die damit anecken. Wir sind als Individuen wie als Institution Teil der Gesellschaft. Auch um dies zu unterstreichen, ist es mir ein Anliegen, dass die Universität ihre Präsenz inmitten der Stadt Dortmund stärkt und wir in zwei Jahren Räume im Hansa Carré beziehen.
Ich wünsche allen Mitgliedern der TU Dortmund friedvolle Weihnachtstage und alles Gute für das neue Jahr. Ich bin zuversichtlich, dass wir durch die Summe unserer Teile etwas bewirken und Freiheit sowie Demokratie stärken können.
Ihr
Manfred Bayer Rektor
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Greetings at the turn of the year
Dear Members of TU Dortmund University:
The theme of the nationwide Science Year 2024 was Freedom, which was prompted by the 75th anniversary of the German Basic Law on 23 May. The topic has truly challenged us as a society in many ways over the past twelve months, including in our academic life on campus.
The year began with large demonstrations for democracy and against right-wing extremism, triggered by press reports about the AfD’s secret plans to expel immigrants. As a university, we also had to take a stand here and defend the values of the free democratic basic order. After all, all civil servants have taken an oath of office to do so.
Numerous universities have experienced the impositions that the rights to freedom of assembly and freedom of expression enshrined in the German Basic Law can sometimes impose on individuals and communities, when protests about the Middle East conflict arrived on their premises. As public institutions, universities must tolerate registered protest camps and vigils on campus where one-sided or even extreme positions are not to be prohibited. For this reason, it is all the more important that universities see themselves as open spaces for discourse that enable a differentiated debate. The German Rectors' Conference HRK reaffirmed this in May in a resolution, which TU Dortmund University also endorsed. I am still relieved that the protests on the Dortmund campus were peaceful.
What happens when freedom is threatened, in fact suppressed, was impressively described by two prominent guests this year: In June, Irina Scherbakova was a guest at our lecture series “Initialzündung” (Initial Spark). She reported on her work for the human rights organization Memorial, which was banned in Russia in 2022 and was awarded the Nobel Peace Prize in the same year. Shortly afterwards, Holocaust survivor Horst Selbiger visited TU Dortmund University again to talk about his childhood as a Jew in Nazi Germany.
In academia, members of our university make valuable contributions to strengthening democracy and freedom. Various research projects are investigating how citizens can be protected from disinformation or how basic democratic values can be passed on to schoolchildren. This will also be particularly relevant for the upcoming federal elections. Science communication can also strengthen freedom when it provides fact-based information on socially relevant issues, such as in debates on climate change, the mobility transition or migration.
In order to get guidance for ethically appropriate action in challenging times, we have founded the Council for Ethics and Responsibility in the University Alliance Ruhr this year. Nine professors from various disciplines at TU Dortmund University, Ruhr University Bochum and the University of Duisburg-Essen will address selected issues of major value debates, ranging from technology impact assessment and the legitimacy of political positions to the limits of individual freedom to ensure respectful community life.
Each and every one of us is increasingly called upon to show civil courage and to stand up for those who suffer attacks as a result. As individuals and as an institution, we are part of society. This is one of the reasons why it is important to me that the university strengthens its presence in the heart of the city of Dortmund and that we move into the Hansa Carré in two years' time.
I wish all members of TU Dortmund University a peaceful Christmas and all the best for the New Year. I am confident that we can make a difference and strengthen freedom and democracy through the sum of our parts.
Yours,
Manfred Bayer, President
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