Grüße zum Jahreswechsel / Season’s Greetings
Please find the English version below.
Liebe Mitglieder der TU Dortmund,
das Jahr 2025 ist politisch turbulent gestartet mit der Vorbereitung vorgezogener Neuwahlen für den Bundestag. Diese Wahl haben auch wir als Universität genau beobachtet, teils mit wissenschaftlichem Interesse, teils mit gesellschaftlicher Sorge. So haben Forschende der TU Dortmund untersucht, wie zuverlässig KI-Chatbots auf Fragen zu den Wahlprogrammen der antretenden Parteien antworten oder darüber informiert, inwiefern Nachrichten Faktenchecks standhalten oder nicht. Uns alle hat bewegt, dass es den demokratischen Parteien gelingen muss, Streit zu überwinden, zum Wohle der Allgemeinheit zusammenzustehen und Kompromisse zu finden.
Ebenso wirkt die Zeitenwende, die wir aktuell erleben, in die Universitäten hinein: In der Wissenschaft ist längst angekommen, dass unser Auftrag, einen „Beitrag zu einer friedlichen Welt“ zu leisten, auch beinhaltet, Wehrhaftigkeit und Verteidigungsbereitschaft zu unterstützen. In einer Zeit, in der hybride Kriegsführung längst real ist, zahlen etwa Forschung zur Cybersecurity und zum Schutz vor Desinformation darauf ein.
Es geht darum, eine Demokratie zu verteidigen, die längst nicht überall selbstverständlich ist. Im kommenden Jahr feiern die USA am 4. Juli, dem „Independence Day“, 250 Jahre Unabhängigkeit. Es ist auch der Geburtstag der Demokratie, die an vielen Orten zunehmend unter Druck gerät. Aus diesem Grund wird die TU Dortmund im kommenden Jahr gemeinsam mit vielen Akteuren aus der Dortmunder Stadtgesellschaft daran erinnern, was das „Experiment Demokratie“ ausmacht und wie vielfältig die Beziehungen zu den USA uns nach dem Zweiten Weltkrieg auf unserem eigenen Weg zurück in die Demokratie geprägt haben.
Achtzig Jahre nach Ende der nationalsozialistischen Herrschaft ist es mir auch ein besonderes Anliegen, dass die TU Dortmund zur Umsetzung eines bedeutenden Projekts zur Erinnerungskultur des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen beitragen darf: Am 27. Januar wird auf Zeche Zollverein in Essen die Ausstellung Holo-Voices eröffnen, die von unserer Ministerin Ina Brandes nach einem Besuch im Holocaust-Museum in Chicago initiiert wurde. Dort werden Besucher*innen Zeitzeugen des Holocausts in einem holographischen Theater begegnen können. Die digitalen Abbilder der Holocaust-Überlebenden können auf Fragen originalgetreue Antworten geben, die eine KI auf Basis eines Antwortkatalogs aus zuvor geführten Interviews heraussucht. Hier bringt unsere Universität interdisziplinäre Kompetenzen aus Journalistik und Informatik ein und will damit dem grassierenden Antisemitismus entschlossen entgegentreten. Nie wieder ist jetzt!
Es ist heute wichtiger denn je, dass Universitäten sich der Gesellschaft öffnen und zuwenden, denn wir sind Teil von ihr und tragen Verantwortung für ein gelingendes Miteinander. Ich bin daher dankbar für das vielfältige Engagement von TU-Mitgliedern, sei es in der Politikberatung, bei Veranstaltungen für Bürgerinnen und Bürger, Unterstützung von Schulen oder auch beim Transfer von Wissen in Unternehmen der Region. Wirtschaftskraft ist ein wichtiger Faktor für die Stabilität einer Demokratie. Dafür sind Gründungsförderung und Technologietransfer von entscheidender Bedeutung. Es ist ein Gewinn für das gesamte Ruhrgebiet, dass wir als UA Ruhr im Juli 2025 zusammen mit der RAG-Stiftung und dem Initiativkreis Ruhr eine von bundesweit zehn Startup Factories einwerben konnten – die BRYCK Startup Alliance.
Wir sind entschlossen, diesen Weg fortzusetzen und bauen dabei auf unsere enge Partnerschaft mit der Ruhr-Universität Bochum. Gemeinsam haben wir im November in der Exzellenzstrategie den Antrag für das „Ruhr Innovation Lab“ eingereicht. Uns eint die Vision, neue Freiräume für Forschung zu schaffen und das Wirken in Gesellschaft und Wirtschaft auszubauen. Mit der gebündelten Stärke unserer Forschung wollen wir einen Beitrag dazu leisten, zum einen Wohlstand bei Wahrung unserer Werte zu erhalten und zum anderen die Verlässlichkeit von Informationen zu schützen. Im Mai stellen wir unsere Ideen einem Gremium aus internationalen Gutachter*innen vor, am 2. Oktober wird die Entscheidung über eine Förderung fallen. Wenn wir erfolgreich sind, dann erhalten wir als Exzellenzverbund jährlich bis zu 28 Millionen Euro, um Maßnahmen und Strukturen auszuprobieren, die unsere Vision stützen, und sie bei Erfolg in die Breite zu tragen und gemeinsam zu leben.
Daran teilhaben können alle Studierenden, Lehrenden und Forschenden sowie Beschäftigten in Technik und Verwaltung. Natur- und Ingenieurwissenschaften sind hier ebenso gefragt wie Geistes- und Sozialwissenschaften. Und auch der Lehrkräftebildung kommt dabei eine bedeutende Rolle zu, da die Absolvent*innen zukünftige Generationen bilden und inspirieren werden. Als Hochschulen im Ruhrgebiet können wir die Kraft einer Region nutzen, die darin erprobt ist, Krisen zu überwinden, Transformation zu gestalten und Partnerschaften zu schmieden. Entscheidend für den Erfolg wird dabei auch der enge und nachhaltige Austausch mit der Zivilgesellschaft, Politik und Verwaltung sowie der Wirtschaft sein. Hören Sie in Folge 1 unseres Podcasts „Think. Try. Transform.“ rein, um mehr über das Ruhr Innovation Lab zu erfahren.
Sie werden merken, dass die TU Dortmund und die Ruhr-Universität Bochum zusammen einen starken Gestaltungswillen für eine zukunftsfeste Gesellschaft entwickelt haben. Mit diesem positiven Ausblick wünsche ich Ihnen nun erholsame Feiertage im Kreis von Familie und lieben Menschen sowie alles Gute für 2026.
Ihr
Manfred Bayer Rektor
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Dear Members of TU Dortmund University,
The year 2025 started off politically turbulent with preparations for early elections to the Bundestag. We as a university also closely observed these elections, partly out of scientific interest and partly out of civic concern. Researchers at TU Dortmund University investigated how reliably AI chatbots respond to questions about the election programs of the competing parties or provided information on the degree to which news items stood up to fact-checking. We were all concerned that the democratic parties must succeed in overcoming disputes, standing together for the common good, and finding compromises.
The era of change (“Zeitenwende”) we are currently experiencing is also having an impact on universities: It has become clear in the scientific community that our responsibility to “contribute to a peaceful world” also includes supporting defense capabilities and readiness. At a time when hybrid warfare has become a reality, research into cybersecurity as well as protection against disinformation are contributing to this goal.
It is important to defend a democracy that is by no means a given everywhere. Next year, on 4 July, the USA will celebrate 250 years of independence. This is also the birthday of democracy, which is coming under increasing pressure in many places. For this reason, TU Dortmund University, together with many stakeholders from Dortmund's civic society, will commemorate what the “experiment in democracy” means and the diverse ways in which relations with the United States have shaped our own path back to democracy after World War II.
Eighty years after the end of the Nazi regime, it is also particularly important to me that TU Dortmund University is given the opportunity to contribute to the implementation of a significant project on the culture of remembrance by the Ministry of Culture and Science of the State of North Rhine-Westphalia: On 27 January, the “Holo-Voices” exhibition will open at the UNESCO World Heritage Site Zollverein in Essen, initiated by our Minister Ina Brandes after a visit to the Illinois Holocaust Museum in Chicago. There, visitors will be able to encounter eyewitnesses of the Holocaust in a holographic theater and ask them questions. The digital images of the Holocaust survivors give authentic answers which an AI generates based on a catalog of responses from previous interviews. Our university is contributing interdisciplinary expertise from journalism and computer science to this project, with the aim of resolutely countering rampant anti-Semitism. Never again is now!
Today, it is more important than ever for universities to open up and engage with society, because we are part of it and bear responsibility for the general good. I am therefore grateful for the diverse contributions made by TU members, whether in political consulting, at public events, in supporting schools, or in transferring knowledge to companies in the region. Economic strength is an important factor for the stability of a democracy. Start-up support and technology transfer are crucial in this regard. It is therefore a gain for the entire Ruhr region that we, as UA Ruhr, together with the RAG Foundation and the Initiativkreis Ruhr, were able to acquire one of ten start-up factories nationwide in July 2025 – the BRYCK Startup Alliance.
We are determined to continue on this path and are building on our close partnership with Ruhr University Bochum. Together, we submitted the proposal for the “Ruhr Innovation Lab” for the Excellence Strategy in November. We are united by the vision of creating new freedom for research and expanding our impact on society and the economy. With the combined strength of our research, we want to contribute to maintaining prosperity while preserving our values and protecting the reliability of information. In May, we will present our ideas to a panel of international experts, and on 2 October, a decision on funding will be announced. If we are successful, we will receive up to 28 million euros annually as a Consortium of Excellence to try out measures and structures that support our vision and, if successful, to spread them widely and live them together.
All students, lecturers, researchers, as well as technical and administrative staff can participate. Natural sciences and engineering are just as important here as humanities and social sciences. Teacher training also plays a significant role, as graduates will educate and inspire future generations. As universities in the Ruhr region, we can harness the power of a region that has proven itself capable of overcoming crises, shaping transformation, and forging partnerships. Close and sustainable exchange with civil society, politics, administration, and industry will also be crucial to success. Listen to episode 1 of our podcast "Think. Try. Transform." to learn more about the Ruhr Innovation Lab.
You will see that TU Dortmund University and Ruhr University Bochum have jointly developed a strong determination to shape a future-proof society. With this positive outlook, I wish you a relaxing holiday season surrounded by family and loved ones, and all the best for 2026.
Yours sincerely,
Manfred Bayer, President
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