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Internationale Konferenz

Wie populistische Bewegungen Religionen instrumentalisieren

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Ein Gruppenfoto vor einem Gebäude und vor einem Plakat zur Konferenz. © Karin König / TU Dort­mund
Neben den Wissen­schaft­lerinnen und Wissenschaftlern der TU Dort­mund kamen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Israel, Kanada, Australien, Großbritannien, Indonesien, der Türkei und den USA.

Populistische Bewegungen machen sich Religionen zunutze. Doch tun sie das aus religiöser Überzeugung oder nur aus strategischen Gesichtspunkten? Das diskutierten Expertinnen und Experten im Rahmen einer Konferenz an der TU Dort­mund.

Populistische Akteure nutzen religiöse Bekenntnisse oder Verweise, um ihre Anhänger zu mobilisieren. Doch steckt dahinter ein wirkliches Bekenntnis zum jeweiligen Glauben – oder handelt es sich um ein rein strategisches Vorgehen? Dieses Thema erörterten Forscherinnen und Forscher unter anderem aus den Bereichen Politikwissenschaft und Soziologie bei der internationalen Konferenz „Religion as Strategy or Ideology? New Perspectives on Populism and Religion“ an der TU Dort­mund.

Als Ausgangspunkt für die Analyse unterschieden die Forscherinnen und Forscher zwischen zwei unterschiedlichen Aufgaben von Religion: Einerseits geht es bei der Religion um die Inhalte an sich, also um den Glauben, seine Regeln, Geschichten und Bräuche. Andererseits bietet die Religion auch einen kulturellen Rahmen, der soziale und psychologische Funktionen erfüllt und Vorbilder bereitstellt. „Das Besondere an unserem Ansatz war zudem, dass wir unseren Fokus nicht nur auf den christlichen Kontext in Europa und den USA beschränkten, sondern auch untersuchten, wie sich populistische Akteure in mehrheitlich muslimischen Ländern sowie im jüdisch geprägten Israel auf Religion beziehen“, unterstrich  Prof. Matthias Kortmann, Juniorprofessor an der Fakultät Humanwissenschaften und Theo­lo­gie.

Gefahren werden konstruiert

In der Diskussion stellten die Teilnehmenden fest: Populistische Akteure nutzen die Religion sowohl ideologisch als auch strategisch. Einerseits nutzen sie Religion, um den Zusammenhalt innerhalb der eigenen Religionsgemeinschaft, des eigenen Volkes zu stärken. Als Beispiel gilt die polnische Regierungspartei PiS: Obwohl Polen bereits eines der strengsten Abtreibungsgesetze in Europa hat, möchte PiS es weiter verschärfen. Das passt zu den Grundsätzen des Katholizismus, in dem die Partei verwurzelt ist. Ähnliche Muster lassen sich in Indonesien und der Türkei sowie in Israel beobachten, wo sich populistische Parteien auf den Islam oder auf das Judentum als kollektiven Identitätsanker beziehen.

Beim strategischen Ansatz hingegen konstruieren populistische Akteure eine äußere Gefahr durch andere Religionen. Dabei geht es aber nicht um die Inhalte der Religion selbst, sondern um den jeweiligen kulturellen Rahmen. Ein Beispiel dafür liefern zahlreiche rechtspopulistische Bewegungen Europas, die den Islam als Feindbild konstruieren. Die Ablehnung richtet sich nicht gegen die Religion an sich, sondern gegen den kulturellen Kreis jener Länder, wo der muslimische Glaube vorherrscht.

Populisten behandelt Frauen als passive Opfer

Gemeinsam ist allen Beispielen, die auf der Konferenz diskutiert wurden, dass die populistischen Akteure Frauen als passive Opfer behandelt und nicht als eigenständig handelnde Akteure wahrnehmen. Hier bietet die AfD in Deutschland ein passendes Beispiel: „Die Partei positioniert sich als angeblicher Beschützer deutscher Frauen, indem sie vor sexualisierter Gewalt durch Flüchtlinge warnt“, erklärt Dr. Kathrin Rucktäschel vom Institut für Philosophie und Politikwissenschaft. „Das zeigt ein verzerrtes Bild – als würden deutsche Männer keinen sexuellen Missbrauch begehen. Außerdem spricht die AfD hier für die Frauen, anstatt dass diese für sich selbst sprechen.“

Die in­ter­na­tio­nal ausgerichtete, interdisziplinäre Konferenz wurde von Prof. Matthias Kortmann, Laura Orawski (Fakultätsprofessur Religion und Politik), Dr. Kathrin Rucktäschel sowie Christopher Beuter vom Institut für Philosophie und Politikwissenschaft organisiert. Neben den Wissen­schaft­lerinnen und Wissenschaftlern der TU Dort­mund kamen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Israel, Kanada, Australien, Großbritannien, Indonesien, der Türkei und den USA.

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Master­studien­gang Religion und Politik

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