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Drei Fragen an Prof. Gudrun M. König

Von Flamingos, Piloten und Crossdressing: Was den Reiz des Verkleidens ausmacht

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Vier bunt kostümierte Personen, im Hintergrund sind Luftballons zu sehen © KarepaStock​/​Shotshop.com
Karnevalskostüme stellen eine Gruppenzugehörigkeit her.

Prof. Gudrun M. König von der Fakultät Kunst- und Sportwissenschaften der TU Dort­mund forscht am Seminar für Kulturanthropologie des Textilen zu den vielfältigen Beziehungen zwischen Menschen und textilen Sachkulturen. Im Interview erklärt sie unter anderem, welche Karnevalskostüme besonders beliebt sind und warum diese gleichzeitig ein- und ausgrenzen.

Prof. König, was sind die beliebtesten Karnevalskostüme?

Bei den beliebtesten Kostümen gibt es wenig Überraschendes. Besonders en vogue sind in diesem Jahr Pantomimen und Flamingos. Neben diesen kurzzeitigen Trends sieht man meist Variationen des Immergleichen: zum Beispiel Helden aus Filmen und Romanen, Verkleidungen aus Historie und Tierwelt, Ethnotrends wie beispielweise hawaiianische oder afrikanische Kostüme und das sogenannte Crossdressing, bei dem man sich wie das andere Geschlecht kleidet. Weitere Kostüm-Dauerbrenner sind Berufe, und insbesondere jene mit Uniform sind beim jeweils anderen Geschlecht beliebt: So kommen – sehr klischeehaft – bei Frauen meist Männer in Pilotenuniform und bei Männern etwa Frauen in Krankenschwester-Outfits gut an. Kostüme sind immer von kulturellen Normen geprägt und in diesem Fall greifen nach wie vor die klassischen Rollenmuster.

Was möchten die Kostümierten mit ihrer Verkleidung ausdrücken?

Das ist individuell sehr unterschiedlich und reicht von Gefallen und Auffallen bis zu Irritation und Provokation. So kann ein Kostüm Wünsche und Sehnsüchte verstärken oder aber ins Gegenteil verkehren. Der Reiz des Verkleidens besteht darin, spielerisch mit Facetten der eigenen Identität umzugehen, die man im Alltag eher weniger auslebt. Dieser Ausbruch aus dem Alltag, mit dem das Feiern und Flirten an Karneval gerne gleichgesetzt wird, bewegt sich dabei in einem Spannungsfeld zwischen Individualität und Konformität. Die anthropologische Lust am Verkleiden pendelt zwischen dem Verlangen, sich kreativ hervorzutun, und dem Festhalten an Konventionen.

Sie sagen, dass eine Kostümierung gleichzeitig ein- und ausgrenzt. Inwiefern?

Wir sind je nach Perspektive immer einer bestimmten Gruppe zugehörig. Das Karnevalskostüm trennt uns zum Beispiel von den Nichtverkleideten. Genauso wie die Mode, machen Kostüme Gruppen und Milieus sichtbar. Sie stellen eine Zugehörigkeit her und grenzen gleichzeitig ab. So dürfte ein Flamingo beispielsweise im Kölner Straßenkarneval sofort Anschluss finden, während man ihm in anderen Teilen der Republik wahrscheinlich mit Befremden begegnet würde. Letztlich übersteigert die Kostümierung nur das alltägliche ‚Sichkleiden‘, das sich stets zwischen Anpassung und Abgrenzung formiert. Das Erlebnis in der Gruppe, die Freude am Spiel und der Wunsch nach Unterhaltung haben (kindliche) Verkleidungsspiele in die erwachsene Welt und in andere Milieus und Jahreszeiten transportiert: Neben den klassischen Kostümfesten gibt es heute Mottoparties, Halloween, Mittelaltermärkte und Cosplay-Gruppen. Das Kostüm signalisiert – ganz allgemein – Teilnahme und Teilhabe.

Porträtfoto © Gabriele Paschedag​/​TU Dort­mund
Prof. Gudrun M. König lehrt und forscht an der Fakultät Kunst- und Sportwissenschaften der TU Dort­mund.

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Der Campus der Technischen Universität Dort­mund liegt in der Nähe des Autobahnkreuzes Dort­mund West, wo die Sauerlandlinie A45 den Ruhrschnellweg B1/A40 kreuzt. Die Abfahrt Dort­mund-Eichlinghofen auf der A45 führt zum Campus Süd, die Abfahrt Dort­mund-Dorstfeld auf der A40 zum Campus-Nord. An beiden Ausfahrten ist die Universität ausgeschildert.

Direkt auf dem Campus Nord befindet sich die S-Bahn-Station „Dort­mund Universität“. Von dort fährt die S-Bahn-Linie S1 im 20- oder 30-Minuten-Takt zum Hauptbahnhof Dort­mund und in der Gegenrichtung zum Hauptbahnhof Düsseldorf über Bochum, Essen und Duisburg. Außerdem ist die Universität mit den Buslinien 445, 447 und 462 zu erreichen. Eine Fahrplanauskunft findet sich auf der Homepage des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr, außerdem bieten die DSW21 einen interaktiven Liniennetzplan an.
 

Zu den Wahrzeichen der TU Dort­mund gehört die H-Bahn. Linie 1 verkehrt im 10-Minuten-Takt zwischen Dort­mund Eichlinghofen und dem Technologiezentrum über Campus Süd und Dort­mund Universität S, Linie 2 pendelt im 5-Minuten-Takt zwischen Campus Nord und Campus Süd. Diese Strecke legt sie in zwei Minuten zurück.

Vom Flughafen Dort­mund aus gelangt man mit dem AirportExpress innerhalb von gut 20 Minuten zum Dort­mun­der Hauptbahnhof und von dort mit der S-Bahn zur Universität. Ein größeres Angebot an internationalen Flugverbindungen bietet der etwa 60 Kilometer entfernte Flughafen Düsseldorf, der direkt mit der S-Bahn vom Bahnhof der Universität zu erreichen ist.

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