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Blinder Journalistik-Student der Technischen Universität Dortmund berichtet über Darts-WM

Kevin Barth, Journalistik-Student an der TU Dortmund, hat schon live von der Darts-Weltmeisterschaft berichtet. In den Wellen des SWR, RBB, WDR und ORF waren seine Beiträge zu hören. Seit 2016 arbeitet er regelmäßig bei dartn.de, dem größten deutschsprachigen Portal für Darts-Wettbewerbe. Und auch bei der kommenden Weltmeisterschaft in London möchte Barth als Journalist wieder vor Ort sein. Das Herausfordernde bei seiner Tätigkeit: Kevin Barth ist seit seiner Geburt blind.

Der 25-Jährige hat also in seinem Leben noch kein Darts-Spiel gesehen. Trotzdem berichtet er live über Turniere. Wie das geht? „Bei der Berichterstattung kombiniere ich mein Wissen um Darts mit verschiedenen weiteren Komponenten des Wettbewerbs“, erklärt Barth.

Bei Darts treten zwei Kontrahenten an, um von vorgegebenen 501 Punkten am schnellsten auf null zu kommen. Dabei werfen sie abwechselnd je drei Darts-Pfeile auf eine Sisal-Scheibe. Auf der ist ein Zielkreis aufgebracht, der 20 „Tortenstücke“ hat. Die sind von 1 bis 20 durchnummeriert. Trifft der Spieler beispielsweise das 20er-Feld, bekommt er für den Wurf 20 Punkte. Trifft er in den Außenring dieses Feldes, wird die Punktezahl verdoppelt, im Innenring sogar verdreifacht. Bei einer Runde kann ein Spieler oder eine Spielerin also von null Punkten – wenn die Scheibe verfehlt wird – bis zu 180 Punkte erreichen. Die Punktzahl der drei Würfe, die pro Runde von den Spielerinnen und Spielern geworfen werden, wird von der Ursprungszahl 501 abgezogen. Das Ziel null Punkte müssen diese exakt erreichen.

Publikumsliebling Darts

Es ist ein schnelles Spiel, das sich immer größerer Beliebtheit erfreut und von den Sportsendern umfänglich begleitet wird. Schauten mit Beginn der Übertragungen rund 250.000 Menschen Darts im Fernsehen, so sind es inzwischen rund drei Millionen. „Darts-Weltmeisterschaften finden zum Großteil in der fußballfreien Zeit rund um Weihnachten statt“, berichtet Barth. „So hat Darts seine Zuschauer gefunden, die sich für den Sport mit ihren schrillen Sportlern begeistern. Mir ist es genauso gegangen.“

Kopfrechnen, Gehör und Erfahrung – das Rezept für gute Berichterstattung

Und wie läuft nun seine Berichterstattung ab? „Das Spiel ist sehr schnell, die Schiedsrichter sagen die erspielten Punkte an. Da hilft mir, dass ich gut Kopfrechnen kann, um den aktuellen Spielstand zu ermitteln“, berichtet Barth. „Außerdem kann ich in vielen Fällen hören, ob der Pfeil beispielsweise oben in der Scheibe – also bei der 20 – oder unten bei der 19 einschlägt.“ Daraus ergebe sich für ihn ein „Bild“, das er um die Zuschauerreaktionen ergänzt. Ganz wichtig als weitere Komponente sei, dass er die Taktik und Spielweise der Darts-Spielerinnen und -Spieler kenne und einschätzen kann. „Wenn ein Spieler beispielsweise noch 53 Punkte hat und mit drei Würfen die Null erreichen will, kann ich häufig prognostizieren, mit welchen Würfen auf welche Zahl er zum Ziel kommen wird.“

Regelmäßig beweist Kevin Barth mit seinen Beiträgen, dass das scheinbar Unmögliche – eine derartige Berichterstattung ohne Sehen – möglich ist. Seine Erfahrung aus zwölf Jahren, in denen er sich intensiv mit diesem Sport beschäftigt hat, hat ihn zum Spezialisten gemacht. Er berichtet als „Solist“ über Wettbewerbe. Die Doppelreportagen, wie sie in England üblich sind und bei denen zwei Journalisten Spiele kommentieren, bieten ihm weitere Chancen. Bei dieser journalistischen Arbeitsweise übernimmt er die Rolle des Fachmanns. Ende 2016 und 2017 hat er beim Sparten-Sender Sport1 bereits über ein Spiel als Co-Kommentator berichtet.

Holpriger Start in die Journalistenkarriere

Kevin Barth steht am Anfang seiner Laufbahn als Sportjournalist. Ein Selbstläufer war diese Karriere bislang nicht, „es holperte gewaltig“, berichtet er. Vor allem seine Beeinträchtigung stehe ihm häufig im Weg, besser die Vorurteile, die andere wegen seiner Blindheit haben. „Ich durfte beispielsweise eine Woche bei einem privaten Rundfunksender zur Probe arbeiten, damals ging es um einen Platz für ein Volontariat“, berichtet er. „Alles lief gut, bis man mir am Ende sagte, es hätte keinen Zweck, weil man mir nicht zutrauen würde, im redaktionellen Alltag unter Zeitdruck zu arbeiten. Dabei hatte man mit mir in dieser Woche alles getestet, nur solche Situationen nicht.“ Wenn er als Darts-Reporter arbeite, würde er auch häufig auf seine Behinderung angesprochen. „Ich spreche natürlich darüber“, sagt er, „aber eigentlich geht es mir um den Sport, nicht um etwas Exotisches.“ Wenn er jetzt zur Darts-WM nach London fährt, wird er seine Berichterstattung mehreren Sendern und anderen Medien anbieten, aber nicht gesondert auf seine Beeinträchtigung hinweisen.



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