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Gambrinus-Forum der TU Dortmund trägt Wissenschaft in die Stadt

Bereits zum 23. Mal lud die TU Dortmund am Montag, 5. November, zum Gambrinus-Forum ein, das Wissenschaft in die Stadt trägt. Seit 2016 findet das Forum im Westfälischen Industrieklub statt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen zwei spannende literaturwissenschaftliche Vorträge von Prof. Julika Griem und Prof. Heinrich Detering. Julika Griem, Direktorin des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen, widmete sich in ihrem Vortrag der „Lebenszeit und Lesezeit”. Der Literaturprofessor von der Georg-August-Universität Göttingen Heinrich Detering setzte sich mit dem Verhältnis von Literatur und Fußball auseinander.

„Ich freue mich, dass die beiden Vorträge so viele Angehörige und Freunde der TU Dortmund sowie Interessierte aus der Stadtgesellschaft in den Westfälischen Industrieklub geführt haben“, begrüßte Prof. Ursula Gather die Gäste des 23. Gambrinus-Forums. Ausgehend von der immer wieder geäußerten Klage darüber, dass „die Jugend heute nicht mehr liest“, beschäftigte sich Prof. Julika Griem in ihrem Vortrag mit dem Verhältnis von Lebens- und Lesezeit. Diese sind eng miteinander verbunden, denn die Ressource Zeit ist heute zu einem umkämpften Gut geworden. Anhand der drei Gegensatzpaare schnell – langsam, alleine – gemeinsam und Frauen – Männer erläuterte die Professorin das veränderte Leseverhalten, das maßgeblich von der Digitalisierung geprägt ist, sich aber auch in einer zunehmenden Zahl an Literaturfestivals und Poetry Slams zeigt. Unverändert seien hingegen das unterschiedliche Leseverhalten von Männern und Frauen – ebenso wie die Geschlechterstereotype, die damit einhergehen. Bislang gibt es keine empirische Leseforschung, was laut Griem zwei Gründe hat: Da Lesen meist im Privaten stattfindet, sind Daten nur schwer zu erheben. Zudem beschäftige sich die Philologie nach wie vor hauptsächlich mit der (kanonischen) Literatur und weniger mit dem Lesen. „Um unser Leseverhalten weiter zu erforschen, müssen Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Fachbereichen wie der Philologie, den Sozialwissenschaften und der Ökonomie interdisziplinär zusammenarbeiten“, forderte Julika Griem.

Seit 2018 ist Prof. Julika Griem Direktorin des Kulturwissenschaftlichen Instituts (KWI) Essen.  Das KWI ist ein interdisziplinäres Forschungskolleg für Geistes- und Kulturwissenschaften der TU Dortmund, der Ruhr-Universität Bochum und der Universität Duisburg-Essen. Griem ist zudem Professorin für Anglistische Literaturwissenschaft an der Universität Duisburg-Essen. Sie hat Anglistik und Germanistik in Freiburg und Amherst studiert und wurde in Stuttgart habilitiert. Vor ihrem Wechsel hatte sie Professuren an der TU Darmstadt und der Goethe-Universität in Frankfurt am Main inne. Sie war Präsidentin des Deutschen Anglistenverbands, hat als Gutachterin an der Exzellenzinitiative mitgearbeitet und ist seit 2016 Vizepräsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Die institutionelle und politische Stärkung der Geisteswissenschaften ist ein Kernelement ihrer Arbeit am KWI und innerhalb der Universitätsallianz Ruhr.

 

In der Heimatstadt des BVB referierte Prof. Heinrich Detering anschließend zum Thema „Pathos und Parodie – Bemerkungen über Fußball und Literatur“. Die Erzählforschung untersuche, wie über Fußballspiele berichtet wird, sagte er. Hier zeigen sich große Unterschiede – je nachdem, ob es sich um eine Livereportage oder einen Nachbericht handelt. Gleich seien jedoch stets die Erzählschemata, die den Berichten zugrunde liegen. Sie entsprechen den gängigen narrativen Strukturen, insbesondere der Tragödie und dem Heldenepos. Die klassische Trennung in Freund und Feind findet sich in der Fußballberichterstattung ebenso wieder wie die Heldentat der Grenzüberwindung, wenn der Held – in diesem Fall der Torschütze – die unüberwindbare (Tor-)linie überwindet. Selbst die Figuren der griechischen Mythologie lassen sich wiederentdecken: „Marco Reus ist ein moderner Achilles. Ein Held, der unverwundbar scheint, und doch körperlich verletzlich ist“, erklärte Detering. Zudem eignet sich der Fußball als Begleitumstand, um Lebensgeschichten zu erzählen. So verarbeitet beispielsweise der Autor F.C. Delius in „Der Sonntag, an dem ich Weltmeister wurde“ seine eigene Pubertät. Auch in Günter Grass‘ „Mein Jahrhundert“ fungiert der Fußball als Leitmotiv. Diese Reihe ließe sich beliebig fortführen, ebenso wie die Sammlung an Fußballgedichten. Heinrich Detering stellte eine Bandbreite an Gedichten vor, die von Peter Handkes „Die Aufstellung des 1. FC Nürnberg vom 27.1.1968“ bis zu Albert Ostermeiers „ode an kahn“ reichte. 

Nach Lehrtätigkeiten in München und Kiel ist Prof. Heinrich Detering seit 2005 Professor für Neuere deutsche Literatur und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Georg-August-Universität Göttingen. Von 2011 bis 2017 war er Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Er hat Gastprofessuren und Poetikdozenturen an Universitäten in Deutschland, den USA, Skandinavien, Großbritannien und China inne. 2008 erhielt er das Ehrendoktorat der Universität Aarhus, 2009 den Leibniz-Preis der DFG, 2013 wurde ihm der Dannebrog-Orden verliehen und 2018 war er Fellow im Thomas Mann House, Pacific Palisades.

Die Dortmunder Gambrinus Fellowships

Die TU Dortmund feiert am 16. Dezember ihren 50. Geburtstag und auch die Gambrinus Fellowships haben 2018 ein Jubiläum – sie gibt es seit nunmehr 25 Jahren. 1993 wurden sie anlässlich des 700-jährigen Braurechts der Stadt Dortmund vom Verband Dortmunder Bierbrauer ins Leben gerufen. Die Fellowships ermöglichen Forschungsaufenthalte ausländischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der TU Dortmund. Den Höhepunkt der jährlichen Gambrinus-Aktivitäten bildet das „Gambrinus-Forum“, auf dem international renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sich mit Vorträgen an eine breite, auch außeruniversitäre Öffentlichkeit wenden. Gefördert wird das Programm heute von der Sparkasse Dortmund, die Brauereien stiften immer noch das Bier für das Gambrinus-Forum.

Bildhinweis: Begrüßten Prof. Julika Griem (2.v.r.) und Prof. Heinrich Detering (3.v.r.) zum 23. Gambrinus-Forum: TU-Rektorin Prof. Ursula Gather, Prof. Gabriele Sadowski, Prorektorin Forschung, Prof. Barbara Welzel, Prorektorin Diversitätsmanagement, und Uwe Samulewicz, Vorstandsvorsitzender Sparkasse Dortmund (v.r.).



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