Sprungmarken

Servicenavigation

Hauptnavigation

Sie sind hier:

Bereichsnavigation

Hauptinhalt

50 Jahre – 50 Köpfe: Otto Garling über seine Tätigkeit als AStA-Vorsitzender an der PH Ruhr

Otto Garling hat in Dortmund studiert, allerdings nicht an der damaligen Universität Dortmund, sondern an der Pädagogischen Hochschule Ruhr (PH Ruhr), die 1980 in die Universität Dortmund integriert wurde. Otto Garling war von 1972 bis 1975 Sprecher des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) der PH Ruhr. Im Interview blickt er auf seine Arbeit im Studierendengremium zurück.

Herr Garling, wie kam es dazu, dass Sie sich zusätzlich zum Studium im AStA engagiert haben?

Ich war schon immer ein Mensch, der sich für gesellschaftliche Strukturen interessiert hat. Diese Strukturen waren zu der Zeit, als ich in die Schule gegangen bin, ziemlich verkrustet. Unsere Lehrer waren beispielsweise sehr autoritär. Diese Umstände haben erstens dazu geführt, dass ich mich bereits als Jugendlicher politisch engagiert und eine unabhängige Schülergruppe gegründet habe. Zweitens haben mich die gesellschaftlichen Gegebenheiten dazu gebracht, Pädagogik und Lehramt für die Sekundarstufe I an der PH Ruhr zu studieren. Ich wollte besseren Unterricht machen als meine damaligen Lehrer. Mein politisches Interesse hat mich nach meinem Studienbeginn zur esg PGH, also zur Projektgruppe Gesamthochschule der evangelischen Studierendengemeinde,  gebracht. Im Studierendenparlament bildete unsere Gruppe eine erfolgreiche Koalition mit der Gruppe der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und ich wurde nach einem Jahr Studium Vorsitzender des AStA. Das war eine aufregende Zeit.

Welche Themen lagen dem AStA damals besonders am Herzen?

Wir haben uns natürlich für gute Studienbedingungen eingesetzt. Die Studierendenwohnheime waren damals auch ein großes Thema, es gab ja noch nicht so viele wie heute. Außerdem haben wir Veranstaltungen für die Studienanfängerinnen und -anfänger organisiert, um ihnen den Start ins Studium zu erleichtern. Wir haben uns aber nicht nur für unsere Mitstudierenden eingesetzt, sondern waren auch politisch aktiv: Wir haben beispielsweise Fahrten zu Demonstrationen organisiert. Zu einer Demonstration gegen den Bau des Atomkraftwerks in Kalkar sind wir mit zehn Bussen aus Dortmund angereist. Außerdem haben wir regelmäßig zu politischen Themen öffentlich Stellung bezogen. Um unsere Arbeit zu organisieren, haben wir uns zweimal pro Woche getroffen. Montags haben alle AStA-Mitglieder gemeinsam im Plenum aktuelle Angelegenheiten und Projekte diskutiert und am Donnerstag war Theoriearbeit angesagt. Da standen komplexe politische Themen im Fokus.

Worin sehen Sie die Unterschiede zur Arbeit des heutigen AStA?

Der größte Unterschied ist wohl die Infrastruktur, die uns zur Verfügung stand: Unser Büro hatten wir in der zweiten Etage des Gebäudes an der Emil-Figge-Straße. Dort hatten wir eine Druckmaschine, mit der wir alle Drucksachen selbst per Hand produziert haben. Dafür habe ich mir sogar eine Woche lang in einer Druckerei zeigen lassen, wie man die Maschine bedient. Heute ist es natürlich viel einfacher, mit einem Klick Informationen an mehrere Personen per E-Mail zu verschicken. Um unsere Kommilitonen zu informieren, haben wir regelmäßig unsere Lautsprecher-Anlage genutzt. Ich erinnere mich an ein Studentenfest, bei dem zeitgleich eine große Demonstration in der Innenstadt gegen das Demonstrationsverbot der alternativen 1.Maidemonstration 1973 stattfand. Wir haben im AStA-Büro den Polizeifunk abgehört und die Leute auf dem Campus per Lautsprecher über die aktuellen Entwicklungen bei der Demo informiert. Obwohl sich das aus heutiger Sicht ziemlich unkonventionell anhört, muss man aber sagen, dass die Aktivitäten der 68er-Bewegung mit einigen Jahren Verzögerung und ziemlich abgeschwächt in Dortmund ankamen. Mit den Aktionen in den Großstädten wie Berlin oder Hamburg war die Studentenbewegung hier nicht vergleichbar. Inhaltlich sehe ich keine allzu großen Unterschiede zwischen der AStA-Arbeit früher und heute: Die Studienbedingungen gehören gleichermaßen zum Kerngeschäft, wir waren damals lediglich ein bisschen politischer.

Zur Person:

Otto Garling hat Anfang der 1970er-Jahre an der PH Ruhr Pädagogik auf Diplom und Lehramt für die Sekundarstufe I studiert. Nach dem Studium wurde er Referent bei der evangelischen Studierendengemeinde (esg). Anschließend war Otto Garling in der Regionalstelle für die Förderung ausländischer Kinder und Jugendlicher tätig, bevor er Dozent u.a. für politische Bildung an der Zivildienstschule in Herdecke und später am Bildungzentrum im Bundesfreiwilligendienst (BFD) wurde, das er bis zu seinem Ruhestand leitete.

Alle bisherigen Interviews der Reihe „50 Jahre – 50 Köpfe” finden Sie auf der Jubiläums-Webseite:

Sie kennen eine Person, die wir für die Reihe „50 Jahre – 50 Köpfe” interviewen sollten? Senden Sie uns gerne Ihre Vorschläge:

 



Social Media

Twitter Instagram RSS-Feed