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50 Jahre – 50 Köpfe: Drei Fragen an Brigitte Hitschler zu ihrem Kunstprojekt „Wir zweifeln jetzt anders” auf dem Campus der TU Dortmund

Wer aufmerksam über den Campus Nord läuft, wird an vier verschiedenen Wänden in blauen Lettern je eines der Wörter aus dem Zitat „Wir zweifeln jetzt anders“ des Medienphilosophen Vilém Flusser entdecken. Sie sind Teil eines Kunstprojekts von Brigitte Hitschler aus dem Jahr 1998. Im Interview erzählt sie, wie es zu dem Projekt kam, was das Zitat aussagt und ob es bis heute Gültigkeit hat.

Frau Hitschler, was war 1998 der Anlass für diese Kunstinstallation?

Der Schriftzug war Teil des Forschungsprojekts „Kunst im öffentlichen Raum der TU Dortmund”, das Prof. Ursula Bertram initiierte, die die Professur für Kunst und ihre Didaktik innehat. Im Rahmen des Projekts sollten drei Kunstwerke für die Universität entstehen und auch hier hergestellt werden. Ziel war also, die künstlerische und wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit zu fördern. An dem Schriftzug waren neben der Kunst und der Philosophie auch die Bereiche Maschinenbau, Elektrotechnik und Bauwesen beteiligt. Auch bei den anderen beiden Projekten – drei Skulpturen aus Spundbohlen von Uwe Zielke-Steffen und ein Schwammkubus von Ralf Friedrich – haben verschiedene Fakultäten interdisziplinär zusammengearbeitet.

Warum haben Sie sich für das Zitat von Vilém Flusser entschieden?

Ich hatte mich bereits seit einiger Zeit mit dem Werk des Medienphilosophen und Kommunikationswissenschaftlers Vilém Flusser beschäftigt und bin in einem seiner Texte auf den Satz „Wir zweifeln jetzt anders” gestoßen. Er besagt, dass sich ein Paradigmenwechsel vollzogen hat: Kommunikation und Informationsfluss finden heute nicht mehr zwischen einzelnen Individuen, sondern vielmehr in Form von Vernetzung statt. Flusser vergleicht uns mit Knoten in einem Netz. Durch die Fäden sind wir miteinander verbunden und können auf diesem Weg Informationen aufnehmen und aussenden. Genau diese Vernetzung war ja auch Ziel des Kunstprojekts. Zudem fand ich das Zitat für eine Universität sehr passend: „Wir“ steht für die gesamte Uni, „zweifeln“ ist die Grundlage jeder Forschung, „jetzt“ bedeutet für mich Aktualität sowie Zukunftsorientierung und „anders“ betont noch einmal den Paradigmenwechsel vom Individuum hin zur Vernetzung. Jedes einzelne Wort kann also auch für sich alleine stehen, weshalb alle an unterschiedlichen Stellen auf dem Campus angebracht sind. So wird den vier Wörtern besondere Bedeutung verliehen und sie können sich miteinander verbinden, gegebenenfalls auch in anderer Reihenfolge.

Ist die Aussage auch heute noch gültig?

Auf jeden Fall. Vernetzung ist spätestens mit den digitalen Medien in unserer Lebensrealität angekommen und auch interdisziplinäre Zusammenarbeit ist an einer Universität wichtig, um neue Denkanstöße und Impulse zu erhalten. Ein Beispiel hierfür ist die 2007 von Prof. Ursula Bertram am Institut für Kunst und Materielle Kultur gegründete IDfactory. Das Zentrum für Kunsttransfer möchte künstlerisches Denken in außerkünstlerische Felder tragen, beispielsweise durch Seminare, die für Studierende aller Fachbereiche offen sind oder durch Kooperationen mit Partnern außerhalb der TU Dortmund.

Zur Person:

Brigitte Hitschler hat Deutsch und Erziehungswissenschaften auf Lehramt an der Ruhr-Universität Bochum studiert. Danach entschied sich die Lehrerin für ein Kunststudium mit dem Schwerpunkt Plastik und Interdisziplinäres Arbeiten an der damaligen Universität Dortmund. Nach dem Abschluss war sie wissenschaftliche Hilfskraft bei Prof. Ursula Bertram und wechselte anschließend als wissenschaftliche Mitarbeiterin an die neugegründete IDfactory. Dort arbeitete Brigitte Hitschler bis zu ihrem Ruhestand 2016. Nebenbei war die Künstlerin freiberuflich tätig.



Alle bisherigen Interviews der Reihe „50 Jahre – 50 Köpfe” finden Sie auf der Jubiläums-Webseite:


Sie kennen eine Person, die wir für die Reihe „50 Jahre – 50 Köpfe” interviewen sollten? Senden Sie uns gerne Ihre Vorschläge:

 



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