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50 Jahre – 50 Köpfe: Drei Fragen an Prof. Manfred Reimer zur Gründung der Fakultät für Informatik

Ende der 1960er Jahre wurde in Deutschland eine „Software-Krise” diagnostiziert, erste Informatik-Studiengänge entstanden an den Hochschulen. An der damaligen Universität Dortmund war Prof. Manfred Reimer, Leiter des Mathematischen Instituts, „Geburtshelfer” der Informatik.

Professor Reimer, wie kam es zur Gründung des Studiengangs?

Die damalige Abteilung – heute Fakultät – Mathematik war ein Herzstück für die Entwicklung der Universität Dortmund. Als ich im Oktober 1969 meinen Lehrstuhl für Mathematik und zugleich das Amt des Leiters des Mathematischen Instituts übernahm, hatte der Senat am 16. Oktober bereits den Gründungsauftrag für die Abteilung Informatik beschlossen. Es sollte an der Universität Dortmund das Fach Informatik eingerichtet werden, und zwar nicht in der üblichen Form eines „Instituts für Angewandte Mathematik und Informatik”, sondern als selbstständige Abteilung. Ich übernahm den Vorsitz des Senatsausschusses, der das Gründungsgremium war.

Vor welchen Herausforderungen standen Sie?

Die Informatik konstituierte sich Ende der 1960er-Jahre erst allmählich als eigenes Fach, das sich vor allem aus der Mathematik und der Elektrotechnik heraus entwickelte. In der Mathematik wurde das oft als Aderlass empfunden – ganz ohne Grund: Die von den Eigengesetzlichkeiten der Informatik befreite Mathematik gewann für sich an Dynamik. Die Informatik entwickelte sich stürmisch, was durch die damaligen reglementierungsfreien Prüfungs-, Promotions- und Habilitationsordnungen ermöglicht wurde. Ein Problem war die Gewinnung der entsprechenden Wissenschaftler. Wir in Dortmund waren in den Augen vieler Raubritter, die sich vor Entführungen der raren Spezies nicht scheuten. Aber die Wissenschaftler kamen freiwillig. Wir boten vor allem ideelle Werte: guten Willen und Gewährung größtmöglicher Entfaltungsmöglichkeiten für ein Team, das mit allem neu beginnt.

Es fand sich dann ein Triumvirat an der Spitze der Informatik...

…ja, die bekannten Professoren Bernd Reusch, Lutz Richter und Volker Claus, der Gründungsdekan des Fachbereichs. Dieses Team setzte einen Schlusspunkt unter die Diskussion im Land über die Verteilung der Informatik-Schwerpunkte. Die Mitgift bestand im Konzept eines eigenen Forschungsrechners für die Informatik. Das war damals aus Sicht des Senatsausschusses für Zentrale Rechenanlagen, dem ich auch angehörte, ein großes Zugeständnis. Es half dem Fachbereich allerdings außerordentlich. Nach Gründung der Abteilung Informatik führte ich noch etwa ein halbes Jahr lang die Geschäfte, um ihr den Start zu erleichtern. Dann kehrte ich als Dekan des nunmehr selbstständigen Fachbereichs Mathematik zurück und erlebte, wie die Informatik zum Selbstläufer wurde. Informatik wurde unter anderem zum wichtigsten Nebenfach für die Mathematiker.

 

Zur Person:

Prof. Dr. Manfred Reimer gehört zu den dienstältesten Professoren der Technischen Universität Dortmund. 1933 in Breslau geboren, habilitierte er sich in Tübingen und kam nach einem Forschungsaufenthalt im Collage Park/Maryland 1969 als Ordentlicher Professor der Abteilung Mathematik an die junge Universität Dortmund. Bis zu seiner Emeritierung übernahm er neben Forschung und Lehre noch etliche Aufgaben in der Selbstverwaltung der Universität, u.a. als Dekan oder als Mitglied im Senat. Er brachte eine Reihe Fachtagungen nach Dortmund und organisierte und leitete sie. „Nebenbei” ist er Autor vieler Beiträge in renommierten Fachzeitschriften und von Büchern, darunter einer maßgeblichen Monographie über sein Spezialgebiet, die zu  verfassen – wie zu vielem anderen – er erst nach seiner Emeritierung die Zeit fand. Prof. Manfred Reimer wurde von der Fakultät für Informatik für seine Verdienste mit der Goldenen Ehrennadel ausgezeichnet.

Alle bisherigen Interviews der Reihe „50 Jahre – 50 Köpfe” finden Sie auf der Jubiläums-Webseite:

Sie kennen eine Person, die wir für die Reihe „50 Jahre – 50 Köpfe” interviewen sollten? Senden Sie uns gerne Ihre Vorschläge:

 



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