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Gartenspäher teilen kulturelles Erbe: Ein Beitrag zum Europäischen Kulturerbejahr 2018 „Sharing Heritage”

Wie kann man kulturelles Erbe teilen, wie es gemeinsam mit anderen erkunden? Drei kunsthistorische Seminare der TU Dortmund erprobten dies mit Schülerinnen und Schülerinnen im traditionsreichen Garten der Wasserschlossanlage Bodelschwingh im gleichnamigen Dortmunder Vorort. Mit dabei waren Studierende aus dem Bereich Geschichte und Theorie der Architektur, 20 Schülerinnen und Schüler des Leopold-Hoesch-Berufskollegs aus einer Willkommensklasse sowie Schülerinnen und Schüler der Bodelschwingher Grundschule.

Sharing heritage, so der Fachbegriff für das Teilen des kulturellen Erbes, hat die Drittklässlerin Zoe wohl nicht im Sinn, als sie gemeinsam mit 60 Klassenkameradinnen und Klassenkameraden Ende Juni als „Gartenspäher” unterwegs ist: „Wow! Hier wohnt bestimmt eine Prinzessin. Hier sieht’s ja aus wie im Märchen. Aber die Prinzessin hier hat bestimmt Internet”, ruft die Drittklässlerin, als sie die Gartenanlage von Schloss Bodelschwingh betritt. Doch leben schon lange keine Ritter mehr auf Schloss Bodelschwingh – und auch eine Prinzessin wohnt hier nicht. Aber was gibt es dann zu entdecken? Neben dem Schlossbau ist es vor allem der Landschaftsgarten. Im 19. Jahrhundert hat Eduard Petzold, ein europaweit bedeutender Gartenkünstler, den älteren Schlosspark in einen Landschaftsgarten umgestaltet. Heute sind einige Teile davon öffentlich zugänglich; das Gebiet unmittelbar um das Wasserschloss herum kann hingegen nur auf Einladung der Familie besucht werden. Geöffnet wurden die Tore für das Projekt „Gartenspäher”, in dem Prof. Barbara Welzel, Professorin für Kunstgeschichte und Prorektorin der TU Dortmund, Christopher Kreutchen und Dr. Birgit Franke die drei Leiter der kunsthistorischen Seminare, das „Lesen” historischer Gärten anstiften wollen. Begleitet werden sie von Dr. Janieta Bartz von DoProfiL und der Leiterin der Denkmalbehörde Dortmund, Dr. Henriette Brink-Kloke, sowie dem Leiter von Adam’s Corner, Wolfgang Euteneuer. Sie alle beteiligen sich mit dem Projekttag an „Europa in Westfalen”, dem Beitrag der LWL-Denkmalpflege am Europäischen Kulturerbejahr (ECHY) 2018. Deshalb war auch Dr. Oliver Karnau aus Münster mit dabei.

Studierende fungieren als Scouts

„Das Schloss Bodelschwingh ist ein Gebäude mit einer langen Geschichte, die in die Gegenwart hineinstrahlt. Dasselbe gilt für den Garten. Auch er ist ein Denkmal, das aber ganz anders gepflegt werden muss als der Bau”, sagt Laura Di Betta aus dem Masterstudiengang Kulturanalyse und Kulturvermittlung. „Beide sind in das heutige Leben des Stadtteils Bodelschwingh eingebettet und wir wollen eine Entdeckungs-Tour durch dieses kulturelle Erbe machen”. Sie und weitere Kunstgeschichtsstudierende fungieren als Scouts, die die Schülergruppen aber auch ihre Kommilitoninnen und Kommilitonen aus der Architektur zu verschiedenen Stationen auf dem Schlossgelände begleiten. Dort bekommen die Gartenspäherinnen und -späher Informationen zur Gestaltung des Gartens, zum Farbenspiel der Pflanzen oder auch zur Baugeschichte des Schlosses.

Projekte für einen neuen Blick auf das kulturelle Erbe

Spannende Einsichten erlangten auch junge Geflüchtete aus einer Willkommensklasse des Leopold-Hoesch-Berufskollegs, die sich am Programm von Adam’s Corner beteiligen, einem nebenschulischen Bildungsort im Kontext von „angekommen in deiner Stadt”. Sie haben gemeinsam mit Prof. Barbara Welzel und ihren Studierenden im Rahmen des Projekts „TU@Adams Corner“ bereits andere Objekte des kulturellen Erbes Dortmunds erkundet, etwa die Reinoldikirche.

„Es ist das Ziel des Projekts, nachfolgende Generationen an die Baukultur heranzuführen und aus der Kulturperspektive einen neuen Blick auf die Architektur zu bekommen”, so Prof. Barbara Welzel, die das interdisziplinäre Angebot angestoßen hat. Dr. Oliver Karnau, Denkmalpfleger beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe und Lehrbeauftragter an der Fakultät Architektur und Bauingenieurwesen der TU Dortmund, ergänzt: „Für meine Architekturstudierenden ist es spannend zu erfahren, wie Kinder dieses kulturelle Erbe wahrnehmen. Sie haben einen ganz anderen Blick als wir Erwachsenen.” Die Schülerinnen und Schüler haben sich jedenfalls für eine Fortsetzung des Projekts ausgesprochen. Sie sind schon gespannt, was sie demnächst erspähen dürfen.

Einen ersten experimentellen Durchlauf des Projekts „Gartenspäher” hatte es Anfang Juni gegeben. 40 Schülerinnen und Schüler der 11. Klasse des Heinrich-Heine-Gymnasiums, die Lehrerinnen und der Lehrer sowie knapp 60 Studierende hatten mit Prof. Welzel, Christopher Kreutchen und Dr. Birgit Franke den Garten erkundet. Mit den „Gartenspähern” kehrt übrigens ein Projekt nach Dortmund zurück, das hier entwickelt und auch schon in Baden-Württemberg durchgeführt wurde.



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