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10 Jahre Universitätsallianz Ruhr (Teil 10): 3 Fragen an Prof. em. Winfried Schulze zum Mercator Research Center Ruhr

Im Juli feiert die Universitätsallianz Ruhr (UA Ruhr) ihr zehnjähriges Bestehen mit einem Festakt in der Jahrhunderthalle in Bochum. Aus diesem Anlass blicken die Technische Universität Dortmund, die Ruhr-Universität Bochum und die Universität Duisburg-Essen gemeinsam zurück auf die erfolgreiche Entwicklung ihrer Zusammenarbeit. Bis zum Jubiläum beantwortet jede Woche ein Mitglied aus dem Verbund drei Fragen zu einem Schwerpunkt der Kooperation: Im zehnten Teil der Reihe berichtet Prof. em Winfried Schulze über die Entwicklung des Mercator Research Center, kurz MERCUR. Der Historiker ist der Gründungsdirektor der gemeinsamen Einrichtung der UA Ruhr-Universitäten.

Herr Schulze, die UA Ruhr gehört zu den großen strategischen Universitätsverbünden Deutschlands. Welche Chancen und Risiken liegen in solchen Zusammenschlüssen?

Universitätsverbünde sind eine relativ neue Erscheinung in der bundesrepublikanischen Hochschulpolitik. Lange Jahre wurde vor allem über die Zusammenarbeit innerhalb der außeruniversitären Forschung und die Kooperation zwischen außeruniversitären Einrichtungen und Universitäten gesprochen. Schon in den ersten Runden der Exzellenzinitiative ergaben sich jedoch neue Konstellationen, weil einige Universitäten erkannten, dass wettbewerbsfähige Cluster nur im Zusammenwirken benachbarter Hochschulen zu realisieren waren.

Die Berliner Universitäten haben in der jetzt laufenden Vorbereitung der Exzellenz-Strategie daraus die Konsequenz gezogen und  treten durchgehend in Verbundformen an, unsere Universitäten verfolgen eine ähnliche Strategie. Der Zusammenschluss der Universitäten des Ruhrgebiets im Jahre 2007 lag deshalb nahe, weil hier in direkter Nähe zueinander liegenden Einrichtungen nicht nur Erleichterungen für Studierende, sondern auch neue Chancen in der Forschung aufgebaut werden können.

Die moderne Forschung gerade in den kostspieligen Bereichen der Natur-, Ingenieur-, und Lebenswissenschaften kann in hohem Maße von der Bündelung bestehender personeller und sachlicher Ressourcen profitieren. Sie wird damit im nationalen und internationalen Wettbewerb besser bestehen können. Es kommt hinzu, dass auch die Kooperation bei gemeinsamen Studiengängen, Graduiertenkollegs und Research Schools  zur Betreuung von Doktoranden und Postdoktoranden erhebliche Gewinne verspricht.

Ich würde die Risiken als minimal bezeichnen, wenn sich die entwickelnden Kooperationen  in das Governance-System der Hochschulen einfügen, zudem bietet das NRW-Hochschulgesetz ja die Bildung gemeinsamer Einrichtungen an. Schlimm wäre es allerdings, wenn Verbünde als Grundlage für Stellenkürzungen missbraucht würden.

Was hat MERCUR bereits erreicht, und wie messen Sie den Erfolg?

Zunächst einmal muss man feststellen, dass seit der Gründung  von MERCUR 2010 bis 2020 ca. 46,5 Mio. zusätzlich in unsere Universitäten geflossen sein werden, das sind neben den Mitteln der Stiftung Mercator auch Landesmittel in Höhe von 2,5 Mio. Angesichts der Gesamthaushalte scheint das nicht viel zu sein, aber die Förderung durch MERCUR war immer als Unterstützung für größere Projekte angelegt, unser Geld sollte eine Hebelwirkung entfalten.

Bislang wurden damit ca. 215 Projekte in allen unseren Förderlinien gefördert, von der überschaubaren Anschubfinanzierung für junge Wissenschaftler/innen, über die Projekte, die der Vorbereitung einer Forschergruppe oder eines SFB dienen, bis hin zu den drei UARuhr-Professuren, die in bestimmten strategisch wichtigen Bereichen die Kooperation vorantreiben sollen, oder der Unterstützung für gemeinsame Masterstudiengänge und Graduiertenkollegs.

Bei allen Förderformaten ist es immer unsere Absicht, sehr gute Forschung dann zu unterstützen, wenn sie zur engeren Verbindung der drei Universitäten führt und damit die Leistungsfähigkeit des Wissenschaftsraums Ruhr stärkt. Mit zu dem, was erreicht wurde, zähle ich auch die Einrichtung eines gemeinsamen Forschungsrats der drei Universitäten, der sich um die Entwicklung von gemeinsamen Profilschwerpunkten und Kompetenzfeldern kümmert.

Wir wollen dabei aber nicht stehen bleiben und die Universitäten weiter in ihrer Zusammenarbeit unterstützen. So haben wir beispielsweise Anfang 2017 Programme gestartet, mit dem wir auch Kooperationen der Verwaltungen der UA Ruhr-Universitäten fördern. Im Juni starteten wir zudem das Dual Career Netzwerks Ruhr, das die Hochschulen in Berufungsverhandlungen unterstützen wird.

Wie misst man den Erfolg? Da Auswertungen der Zahl und der Güte von Publikationen noch fehlen, schauen wir sehr genau darauf, welche zusätzlichen Effekte unsere Fördermittel bewirken, also v.a. Mittel der DFG und der EU, aber auch anderer Geldgeber. Aber unabhängig von den eingeworbenen Summen, die ja nicht das eigentliche Ziel von Ziel von Wissenschaft sind, freue ich mich vor allem über die wachsende Selbstverständlichkeit, mit der die Wissenschaftler/innen auf den Nachbarstandort schauen, ob dort nicht Partner/innen zu gewinnen sind, mit denen man ein Problem besser lösen kann als alleine. Das ist das eigentliche Ziel von Wissenschaft! Immerhin haben seit Bestehen von MERCUR weit über 1000 Wissenschaftler/innen über 800 Projekte in den verschiedenen Kategorien eingereicht, das belegt das hohe Interesse an unserer Förderung.

 

Gleich zu Beginn machte MERCUR mit einem ganz neuen Konzept von Nachwuchsförderung auf sich aufmerksam, der Global Young Faculty. Hat sich dieser Schritt gelohnt?

Ich bin überzeugt davon, dass sich dieser Schritt wirklich gelohnt hat. Wissenschaft ist heute in hohem Maße darauf angewiesen, dass gerade junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler früh lernen, über ihre eigenen, meist eng begrenzten  fachlichen Felder hinauszuschauen, Anregungen anderer Fächer aufzunehmen und dies als Teil einer offenen Wissenschaftskultur als ganz selbstverständlich zu verstehen. Wir wollen jetzt auch junge Vertreter der Wirtschaft in die Global Young Faculty einladen, davon können beide Seiten profitieren.

Zu dieser Grundhaltung der Offenheit trägt die GYF ganz wesentlich bei, sie soll zudem zeigen, dass der wissenschaftliche Nachwuchs hier im Ruhrgebiet besonders gute Chancen hat, die sich von anderen Zentren positiv abheben. Zudem sorgen die Reisemittel aller Mitglieder der GYF dafür, dass neue fachliche Kontakte zu internationalen Kollegeninnen und Kollegen sowie Einrichtungen aufgebaut werden können. Wie kann man junge Wissenschaftler/innen besser unterstützen als auf diese Weise?



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