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Journalistik-Institut der TU Dortmund sieht Brasilien im „toten Winkel der Medien“

Brasilien ist auf dem vorläufigen Höhepunkt einer politischen und gesellschaftlichen Mega-Krise angekommen – die aber in deutschen Medien kaum stattfindet: Nach immer neuen Korruptionsskandalen in der politischen Elite und einer drastischen Sparpolitik ist der Konflikt zwischen Regierung und Bürgern eskaliert. Demonstranten haben ein Ministerium angezündet, weitere Regierungsgebäude wurden geräumt. In der Hauptstadt Brasília geht die Polizei mit Härte gegen Demonstranten vor, Präsident Temer versuchte, sich mit Hilfe des Militärs gegen die aufgebrachten Massen zu verteidigen. In den vergangenen Tagen wurde in deutschen Medien kaum über die blutigen Konflikte berichtet, und wenn, dann nur stark verkürzt. Seit Wochen taumelt das größte Land Lateinamerikas in den Ausnahmezustand – doch die deutsche Auslandsberichterstattung ist auf Trump fixiert.

„In Deutschland sieht man brennende Regierungsgebäude und randalierende Demonstranten – über die Gründe für die Eskalation erfährt man hierzulande viel zu wenig“, kritisiert Mariella Bastian vom Erich-Brost-Institut für internationalen Journalismus der TU Dortmund, die seit Jahren zu Brasilien forscht. „Es geht aber um extrem komplexe Sachverhalte - Korruption und Sparpolitik.“ Aus Sicht der Wissenschaftlerin ist eine Änderung in der Quellenauswahl notwendig: „Alternative Medienkollektive und auch Bürger posten in sozialen Netzwerken eine Vielzahl an Videos und Informationen, die die Geschehnisse vor Ort wie etwa Schüsse von Polizisten auf Demonstranten dokumentieren. Diese Informationen gelangen noch viel zu selten in deutsche Medien, obwohl sie eine wichtige Erweiterung darstellen.“


Berichterstattung vernachlässigt Stimmung der Menschen

In der Gesamtheit der Berichterstattung wird die Stimmung in der brasilianischen Bevölkerung vernachlässigt, so Bastian weiter: „Die Regierungsübernahme durch Temer, der das Amtsenthebungsverfahren gegen Dilma Rousseff maßgeblich gesteuert hatte, spaltet die brasilianische Bevölkerung. Dazu kommt, dass die angekündigten Sparmaßnahmen breite Bevölkerungsschichten betreffen und Kürzungen in zentralen Lebens- und Gesellschaftsbereichen vorsehen.“

Mariella Bastian untersucht in ihrer Dissertation am Institut für Journalistik, wie lateinamerikanische Medien gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und welche Rolle externe Akteure dabei spielen. Transformationen im politischen und im Mediensystem beeinflussen das Verhalten der Medien deutlich, insbesondere in Bezug auf ethische Aspekte. Im Rahmen der Studie hat Bastian mit zahlreichen Experten in Lateinamerika Interviews geführt und die Erkenntnisse durch eine Inhaltsanalyse brasilianischer, argentinischer und uruguayischer Medienwebsites und umfangreiche weitere Recherchen ergänzt. Partizipationsmöglichkeiten und die Beziehung zwischen Journalisten und ihrem Publikum sind zentrale Bestandteile der Analyse. Die hohe gesellschaftliche Relevanz des Wunsches nach der Möglichkeit, mit seiner (politischen) Meinung in der Öffentlichkeit gehört zu werden, zeigt sich einmal mehr in den aktuellen Geschehnissen in Brasilien.



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