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50 Jahre – 50 Köpfe: 3 Fragen an Hermann Steiner, den ersten Senatsbeauftragten für die Belange behinderter Studierender

Hermann Steiner ist eigentlich Jurist, zusätzlich war er aber auch – im übertragenen Sinne - als Brückenbauer tätig: Er war der erste Beauftragte des Senats für die Belange behinderter Studierender an der damaligen Universität Dortmund. Im Rahmen seiner Tätigkeit baute er regelmäßig Brücken zwischen den Studentinnen und Studenten, die ihren Alltag an der Universität mit einer Behinderung meistern, und der Hochschulverwaltung.

Herr Steiner, wie sind Sie zu Ihrer Tätigkeit als Beauftragter des Senats für die Belange behinderter Studierender gekommen?

Ich habe an der Universität Dortmund zunächst im Dezernat für akademische und studentische Angelegenheiten gearbeitet. So hatte ich schon von Anfang an einen guten Bezug zur Studierendenschaft. Da ich selbst blind bin, lagen mir die Studierenden mit Behinderungen und chronischen Krankheiten besonders am Herzen. Sie wurden damals von der Interessengemeinschaft behinderter und nichtbehinderter Studierender, die IBS genannt wurde, vertreten. Diese Gruppe benötigte jemanden, der ihre Interessen im Senat und in der Verwaltung vertrat. Aufgrund meines eigenen Lebenswegs und meiner Aufgaben als Beschäftigter an der Universität wurde ich von den Mitgliedern der IBS für das Amt des Senatsbeauftragen vorgeschlagen und vom Senat offiziell ernannt.


Womit haben Sie sich als Senatsbeauftragter beschäftigt?

Die Aufgaben waren auf jeden Fall vielfältig: Zu den komplexeren Themen zählten definitiv Bauvorhaben. Ich habe mich gemeinsam mit den Mitgliedern der IBS und dem Dezernat für Bau- und Facilitymanagement dafür eingesetzt, dass es auf dem Campus möglichst wenige Barrieren für Studierende mit Behinderungen gibt. Dabei musste man wirklich viel beachten. Außerdem habe ich mich häufig mit den konkreten Studienbedingungen für junge Frauen und Männer mit Behinderungen auseinandergesetzt. Ich habe mich darum gekümmert, dass die Prüfungsmodalitäten den Belangen der Studierenden angepasst wurden. So haben beispielsweise einige mehr Zeit für das Verfassen einer Hausarbeit bekommen, andere konnten ihre Klausur allein in einem Raum schreiben. Ich konnte mit kleinen Änderungen also wirklich viel bewegen.


Hat das immer reibungslos geklappt?

Im Großen und Ganzen schon, aber ich musste manchmal hitzige Diskussionen führen. Bei den Prüfungsausschüssen musste ich hin und wieder Überzeugungsarbeit für meine Vorschläge leisten. Dabei haben mir sowohl meine Gelassenheit als auch die Intensität meines Tuns geholfen. Hilfreich war zudem, dass es für meine Tätigkeit eine feste Struktur gab. Meine Aufgaben waren ganz klar in einer Satzung definiert und festgehalten. Besonders hervorheben möchte ich allerdings die Zusammenarbeit mit IBS. Ich habe mich zweimal pro Semester mit den Studierenden getroffen, um mich mit ihnen über die Themen auszutauschen, die sie beschäftigen. Die Treffen mit dieser lebhaften Gruppe haben mich immer wieder darin bestärkt, dass es sich lohnt, sich für eine stabile Brücke zwischen den behinderten Studierenden und der Hochschulverwaltung einzusetzen.

Zur Person

Hermann Steiner wurde in Neustadt bei Coburg geboren. Seine Schulzeit verbrachte er in Nürnberg und in Marburg. Dort studierte Steiner Jura und absolvierte sein juristisches Referendariat. Für eine Stelle bei der damaligen Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) kam der Jurist nach Dortmund. Anfang 1990 wechselte er an die Universität Dortmund. Dort war er zunächst im Dezernat für akademische Angelegenheiten und später im Justitiariat tätig. Von 1991 bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2002 war Herman Steiner zudem Senatsbeauftragter für die Belange behinderter Studierender.



Alle bisherigen Interviews der Reihe „50 Jahre – 50 Köpfe” finden Sie auf der Jubiläums-Webseite:


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