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Sinkende Anzeigenerlöse sorgen für Stellenabbau und Kurzarbeit

So wirkt sich die Co­ro­na-Krise auf europäische Me­di­en aus

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Mehrere Zeitungen liegen übereinander. © Pixabay
Das European Journalism Ob­ser­va­tory (EJO) hat die finanziellen Folgen der Co­ro­na-Pan­de­mie für europäische Me­di­en­häu­ser un­ter­sucht.

Sinkende Wer­be­ein­nah­men, Kurzarbeit und Entlassungen – aufgrund der Co­ro­na-Pan­de­mie stehen Me­di­en­häu­ser in ganz Europa unter Stress. Das Netz­werk des an der TU Dort­mund angesiedelten European Journalism Ob­ser­va­tory (EJO) hat mit Me­di­en­ex­per­tin­nen und -experten, Jour­na­lis­tin­nen und Jour­na­list­en sowie Ge­werk­schaft­lern gesprochen und gibt auf seiner Website einen Einblick, welche wirtschaftlichen Aus­wir­kungen die Co­ro­na-Krise auf Me­di­en in Deutsch­land, Georgien, Großbritannien, Italien, Lettland, Polen, Portugal, Spanien und der Ukraine hat und auf welche finanziellen Hilfen die Me­di­en­bran­che zählen kann – oder nicht.

Sowohl in West- als auch in Osteuropa haben 2020 vor allem Printmedien star­ke Einbußen bei den Einnahmen ver­zeich­net. In Deutsch­land brachen Angaben des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) zufolge bei fast allen Verlagen die Anzeigenerlöse um über 20 Pro­zent ein, bei jedem zweiten so­gar um über 40 Pro­zent. In Polen gingen bei regionalen Zeitungsverlagen im zweiten Quartal des Jahres 2020 die Einnahmen so­gar um bis zu 80 Pro­zent zurück. Einige lokale polnische Wochenzeitungen verkauften von ihren Ausgaben 40 Pro­zent weniger. Während in der Ukraine überregionale Online-Me­di­en rückläufige Wer­be­ein­nah­men von bis zu 50 Pro­zent beklagten, erlitten dort Lokalmedien so­gar Ver­lus­te von 70 bis 90 Pro­zent.

In Folge waren und sind in vie­len Ländern zahl­reiche Me­dien­un­ter­neh­men von Kurzarbeit und Stellenabbau be­trof­fen. Besonders hart hat es britische Printmedien getroffen, darunter der Guardian, DMG Media (mit Titeln wie der Daily Mail und Metro) und Reach (mit Titeln wie Daily Mirror und Daily Express). Zusammen erwarten sie Ver­lus­te von bis zu 800 Arbeitsplätzen. Ein Beobachter des pol­ni­schen Medienmarktes gab an, dass bei der pol­ni­schen Tageszeitung Gazeta Wyborcza ein Zehntel des Personals entlassen worden sei. Burda Media Polen habe ein Fünftel der Belegschaft abgebaut, ins­ge­samt 50 Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter.

Veraltete Ge­schäfts­mo­del­le rächen sich nun

Es räche sich nun, sagt Tina Groll, Vorsitzende der Deut­schen Jour­na­lis­tin­nen- und Journalistenunion (dju) und Redakteurin bei Zeit Online, dass viele Me­dien­un­ter­neh­men zu wenig innovativ waren, um tragfähige Ge­schäfts­mo­del­le zu ent­wi­ckeln. Auf der einen Seite sei das Bedürfnis der Men­schen nach Qua­li­täts­jour­na­lis­mus enorm gestiegen, auf der anderen Seite sei seit Monaten in vie­len Redaktionen Kurzarbeit zu be­ob­ach­ten. Das sei ab­surd, sagt Groll.

Während in einigen Ländern der Staat Co­ro­na-Programme für Me­di­en ins Leben gerufen hat, kön­nen in anderen Ländern die Me­di­en keine Hilfe von der Regierung erwarten. Die lettische Regierung hat im Rah­men eines Medienunterstützungsprogramms knapp 1,2 Mil­lio­nen Euro bereitgestellt, von denen die Print- und Online-Nachrichtenmedien etwa 520.000 Euro erhielten. Zudem wurden Verlage für die Zustellung von Zeitungen mit rund 220.000 Euro un­ter­stützt.

In Spanien dagegen ist die Regierung weitgehend tatenlos geblieben. Abgesehen von einer Senkung der Mehr­wert­steu­er auf Abonnements habe es keine Hilfe gegeben, er­klärt Victoria Pérez, Vorsitzende der zi­vil­ge­sell­schaft­li­chen Gruppe Plataforma en Defensa de la Libertad de Información (PDLI). In Deutsch­land möch­te der Bund – ganz unabhängig von der Co­ro­na-Krise – in den kommenden Jahren mit 220 Mil­lio­nen Euro Pres­se­ver­la­ge fördern.

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