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Spotlight Forschung: Prof. Stefan Palzer zu anwendungsorientierter Forschung

„Man lernt eine Menge, auch abseits der eigenen Themen“

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Portrait von Prof. Stefan Palzer © Dorothe Lunte​/​TU Dortmund
Prof. Stefan Palzer ist seit September 2020 Professor für Sensorik an der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik der TU Dortmund.

Prof. Stefan Palzer erforscht an der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik neuartige Methoden und Technologien, um Spurengase in der Luft quantitativ und spezifisch nachzuweisen. Dadurch könnten etwa Treibhausgase oder Umweltverschmutzung, wie zum Beispiel Stickoxide oder Schwefelverbindungen, großflächig nachgewiesen werden. Gemeinsam mit Industriepartnern warb er mehrfach erfolgreich Drittmittel im Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie ein. Im Interview spricht über den Reiz und die Herausforderung anwendungsorientierter Forschung.

Herr Prof. Palzer, was reizt Sie daran, Ihre Forschungsergebnisse in die Anwendung zu bringen?

Wir arbeiten intensiv an Sensortechnologien, um Spurengase selektiv nachweisen zu können. Die neuen Ansätze versuchen wir dann in Mikrosystemen zu realisieren, also im Rahmen von sehr kleinen Geräten konkret im Feld zu testen. Bislang sind solche Geräte noch sehr unspezifisch, das wollen wir ändern: Die Herausforderung besteht also darin, die Komplexität und Genauigkeit großer sensorischer Geräte auch auf mikroskopisch kleiner Ebene zu erreichen. Fast alle unsere Projekte sind sowohl interdisziplinär als auch praxisbezogen ausgerichtet. Ich finde das sehr reizvoll, da man eine Menge auch abseits der eigenen Themen lernt und die Laborlösungen ihre Nützlichkeit in der echten Welt beweisen müssen. Oft kommen Endanwender*innen zum Beispiel aus der Industrie zu uns, die ganz bestimmte Anforderungen an Sensorsysteme haben – daraus ergeben sich dann zum Teil Probleme, auf die ich sonst nie gekommen wäre und für die es dann Lösungen zu finden gilt.

Wie schafft man es, gute Ideen in die Praxis zu überführen?

Hier spielen natürlich sehr viele Faktoren eine Rolle. In der Sensortechnik kann man vielleicht stark vereinfacht sagen, dass – sofern alle sonstigen Rahmenbedingungen stimmen – der Transfer aus der Forschung in die Praxis natürlich leichter ist, wenn es am Markt noch keine Lösung für ein Problem gibt. Ansonsten muss man sich erst einmal gegen die etablierte Herangehensweise durchsetzen – und dafür braucht man schon sehr gute technologische und auch ökonomische Argumente. Wenn es um die kommerzielle Anwendung geht, kommen noch weitere Aspekte dazu: Eine gute Idee macht noch kein gutes Produkt. Und selbst ein gutes Produkt macht noch kein dauerhaft tragfähiges Geschäftsmodell. Wichtig ist zum Beispiel auch die Risikobereitschaft der handelnden Personen: Die Umsetzung der eigenen Idee braucht eben das absolute Commitment. Das kann auch heißen, dass man mit seiner Technologie in einem völlig anderen Sektor landet, als man ursprünglich anvisiert hatte.

Sie haben mehrere erfolgreiche Förderanträge mit Praxisbezug geschrieben, etwa in ZIM. Was haben Sie dabei gelernt?

Es ist wichtig zu wissen, für wen man den Antrag schreibt, da sich die Zielsetzungen der Fördergeber erheblich unterscheiden. Die ZIM-Gutachter*innen haben sehr klare Vorstellungen davon, was sie in einem Antrag lesen wollen, zum Beispiel klar definierte technische Parameter und Vergleiche mit Lösungen, die sich schon auf dem Markt befinden. Basierend darauf sollte man die innovative Idee zusammen mit den Unternehmenspartnern genau beschreiben. Die Forschungsförderung der TU Dortmund kennt die Rahmenbedingungen der Fördergeber sehr gut und konnte mich bereits bei einigen Anträgen unterstützen. Vor allem wenn es um eine klare Formulierung von Zielen, Methoden und Arbeitsplänen geht, hilft so ein geschulter Blick von der Seitenlinie ungemein.

 

Zur Person:

  • 2007–2010 Promotion in Physik, Cavendish Laboratory, Cambridge University, Hughes Hall, Großbritannien
  • 2007-2010 Departmental Award, Cavendish Laboratory, Cambridge University, Großbritannien
  • 2009 Hamilton Prize und Abdus Salam Prize, Cambridge University, Großbritannien
  • 2012–2018 Forschungsgruppenleiter, Institut für Mikrosystemtechnik (IMTEK), Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
  • 2017–2020 Professor an der Escuela Politécnica Superior, Universidad Autónoma de Madrid, Spanien
  • „Capture Talent Fellow“ der autonomen Gemeinschaft Madrid, Spanien
  • seit September 2020 Lehrstuhl für Sensorik an der TU Dortmund


Weiterführende Informationen:

 

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Der Campus der TU Dortmund liegt in der Nähe des Autobahnkreuzes Dortmund West, wo die Sauerlandlinie A45 den Ruhrschnellweg B1/A40 kreuzt. Die Abfahrt Dortmund-Eichlinghofen auf der A45 führt zum Campus Süd, die Abfahrt Dortmund-Dorstfeld auf der A40 zum Campus-Nord. An beiden Ausfahrten ist die Universität ausgeschildert.
Für E-Autos gibt es eine Ladesäule am Campus Nord, Vogelpothsweg.

Direkt auf dem Campus Nord befindet sich die S-Bahn-Station „Dortmund Universität“. Von dort fährt die S-Bahn-Linie S1 im 15- oder 30-Minuten-Takt zum Hauptbahnhof Dortmund und in der Gegenrichtung zum Hauptbahnhof Düsseldorf über Bochum, Essen und Duisburg. Außerdem ist die Universität mit den Buslinien 445, 447 und 462 zu erreichen. Eine Fahrplanauskunft findet sich auf der Homepage des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr, außerdem bieten die DSW21 einen interaktiven Liniennetzplan an.
 

Zu den Wahrzeichen der TU Dortmund gehört die H-Bahn. Linie 1 verkehrt im 10-Minuten-Takt zwischen Dortmund Eichlinghofen und dem Technologiezentrum über Campus Süd und Dortmund Universität S, Linie 2 pendelt im 5-Minuten-Takt zwischen Campus Nord und Campus Süd. Diese Strecke legt sie in zwei Minuten zurück.

Vom Flughafen Dortmund aus gelangt man mit dem AirportExpress innerhalb von gut 20 Minuten zum Dortmunder Hauptbahnhof und von dort mit der S-Bahn zur Universität. Ein größeres Angebot an internationalen Flugverbindungen bietet der etwa 60 Kilometer entfernte Flughafen Düsseldorf, der direkt mit der S-Bahn vom Bahnhof der Universität zu erreichen ist.

Die Einrichtungen der TU Dortmund verteilen sich auf den größeren Campus Nord und den kleineren Campus Süd. Zudem befinden sich einige Bereiche der Hochschule im angrenzenden Technologiepark. Genauere Informationen können Sie den Lageplänen entnehmen.