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Spotlight Forschung: Dr. Nurit Viesel-Nordmeyer über Mobilitätsstipendien

„Man braucht Durchhaltevermögen, aber es lohnt sich“

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Portrait von Dr. Nurit Viesel-Nordmeyer © Privat
Dr. Nurit Viesel-Nordmeyer möchte am Neuroscientific Research Center in Lyon (CRNL) neurowissenschaftliche Zusammenhänge zwischen sprachlichen Fähigkeiten und mathematischem Lernen bei Kindern erforschen.

Dr. Nurit Viesel-Nordmeyer von der Fakultät Rehabilitationswissenschaften erforscht die Zusammenhänge zwischen sprachlichen Fähigkeiten und mathematischem Lernen bei Kindern. Während ihres Auslandsaufenthalts am Neuroscientific Research Center in Lyon (CRNL) nimmt sie dazu neben Daten aus Verhaltensstudien auch Informationen bildgebender Verfahren der Neurowissenschaften mit in den Blick. Im Interview erzählt sie, welche Ergebnisse sie sich erhofft, wie man einen Auslandsaufenthalt trotz Corona plant und warum sie gleich drei Stipendien erhalten hat.

Frau Dr. Viesel-Nordmeyer, woran forschen Sie gerade?

Mich interessieren die Zusammenhänge zwischen sprachlichen und mathematischen Kompetenzen bei Kindern sowie die zugrundeliegenden kognitiven Prozesse. Wir wissen, dass es zwischen den beiden Bereichen Verbindungen gibt und etwa die Sprache auch mathematische Lernprozesse beeinflussen kann. Doch es gibt noch viele offene Fragen: Bei Kindern mit Lernschwächen sind zum Beispiel oft beide Kompetenzen betroffen, aber nicht immer. Welche Faktoren beeinflussen das? Welche Rolle spielt die Genetik, welche das familiäre Umfeld? Ein direkter Einblick in die Abläufe des Gehirns, wie es die Neurowissenschaften erlauben, kann wichtige Erkenntnisse über die Zusammenhänge der zwei Kompetenzen liefern. Durch meinen Aufenthalt am CRNL ist es mir möglich, solche Einflüsse neurowissenschaftlich zu untersuchen und meine bisherigen Ergebnisse auf Basis von Verhaltensdaten besser zu erklären. Ich hoffe, dass dieses Wissen dazu beiträgt, Kinder mit Lernschwächen besser unterstützen zu können.

Für Ihren Forschungsaufenthalt haben Sie gleich mehrere Stipendien erhalten. Wie kam es dazu?

Das hört sich beinahe so an, als ob ich mit jedem Antrag gleich Erfolg hatte – so war es aber nicht. Ich wollte schon im abschließenden Jahr meiner Promotion nach Frankreich, um meine Ergebnisse durch interdisziplinäre Perspektiven zu ergänzen. Die erste Bewerbung war nicht erfolgreich, durch Zufall kam ich aber in Kontakt mit der französischen Botschaft, die Stipendien gezielt für Aufenthalte an französischen Forschungsinstituten vergibt – das passte natürlich gut. Diesmal klappte die Bewerbung auch, die Förderung lief jedoch leider nur zwei Monate, was für die Bearbeitung all der offenen Fragestellungen zum Zusammenhang der beiden Kompetenzen natürlich zu kurz ist. Also habe ich beim Referat Forschungsförderung nachgefragt, ob es vielleicht noch Möglichkeiten der Anschlussfinanzierung gibt. Und ich hatte Glück: Ich konnte noch zwei weitere Projekte einwerben, eines beim DAAD und eines bei der Heinrich Hertz-Stiftung. Die Einreichung der ganzen Unterlagen war zwar mit viel Arbeit verbunden, aber die hat sich gelohnt. Man muss nur ausreichend Zeit dafür einplanen.

Was hat Ihnen bei der Vorbereitung Ihres Projektes besonders geholfen?

Auf jeden Fall sollte man rechtzeitig mit der Planung beginnen, um später genug Zeit zu haben, Anträge gegenlesen zu lassen und sich Feedback zu holen. Das ist immer wertvoll. Auch hier kann ich die Beratung der Forschungsförderung nur empfehlen. Wenn man einen Aufenthalt im Ausland organisieren und dabei noch seine Familie mitnehmen will, hat man ohnehin genug zu tun und die Corona-Pandemie macht das natürlich nicht leichter. Die Suche nach einer Wohnung und einem Schulplatz für unseren Sohn, Zeitpläne – alles musste verschoben werden, einige Ansprechpersonen in Frankreich waren wegen des Lockdowns nicht erreichbar. Zum Glück hat am Ende aber noch alles geklappt. Ich hoffe, dass wir nicht ins Homeoffice ausweichen müssen. Denn nur, wenn ich direkt in den Laboren am CRNL arbeite, kann ich meine Forschung wie geplant durchführen. Ich bin froh, dass das im Moment im Rahmen entsprechender Hygienekonzepte möglich ist.

Hinweis: Das Interview wurde im Juni geführt.

 

Zur Person

  • 2004-2015 Studium der Erziehungswissenschaften an der Universität Bielefeld und der TU Dortmund
  • 2018 Poster-Nominierung, Best of JURE (Junior Researchers of the European Association for Research on Learning and Instruction)
  • 2020 Promotion in Erziehungswissenschaften an der TU Dortmund zum Zusammenhang zwischen sprachlichen Kompetenzen und mathematischem Lernen
  • 2020 Stipendium Heinrich Hertz-Stiftung
  • 2020 Postdoc-Stipendium DAAD
  • 2020 Förderung der Französischen Botschaft (Procope-Mobilitätsprogramm)


Weitere In­for­ma­ti­onen:

DAAD – Stipendiendatenbank
Stipendien der Heinrich Hertz-Stiftung
Drittmittelberatung Referat Forschungsförderung TU Dortmund


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Für E-Autos gibt es eine Ladesäule am Campus Nord, Vogelpothsweg.

Direkt auf dem Campus Nord befindet sich die S-Bahn-Station „Dortmund Universität“. Von dort fährt die S-Bahn-Linie S1 im 15- oder 30-Minuten-Takt zum Hauptbahnhof Dortmund und in der Gegenrichtung zum Hauptbahnhof Düsseldorf über Bochum, Essen und Duisburg. Außerdem ist die Universität mit den Buslinien 445, 447 und 462 zu erreichen. Eine Fahrplanauskunft findet sich auf der Homepage des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr, außerdem bieten die DSW21 einen interaktiven Liniennetzplan an.
 

Zu den Wahrzeichen der TU Dortmund gehört die H-Bahn. Linie 1 verkehrt im 10-Minuten-Takt zwischen Dortmund Eichlinghofen und dem Technologiezentrum über Campus Süd und Dortmund Universität S, Linie 2 pendelt im 5-Minuten-Takt zwischen Campus Nord und Campus Süd. Diese Strecke legt sie in zwei Minuten zurück.

Vom Flughafen Dortmund aus gelangt man mit dem AirportExpress innerhalb von gut 20 Minuten zum Dortmunder Hauptbahnhof und von dort mit der S-Bahn zur Universität. Ein größeres Angebot an internationalen Flugverbindungen bietet der etwa 60 Kilometer entfernte Flughafen Düsseldorf, der direkt mit der S-Bahn vom Bahnhof der Universität zu erreichen ist.

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