Zum Inhalt
Spotlight Forschung: Dr. Malte Gersch zur Leitung einer Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe

„Ein tolles Team und gutes Zeitmanagement sind wichtig“

-
in
  • Top-Meldungen
  • Forschung
Ein Mann lächelt in die Kamera © Johann Jarzombek
Dr. Malte Gersch erforscht die Funktionsweise des Proteins Ubiquitin.

Dr. Malte Gersch forscht an der Fakultät für Chemie und Chemische Biologie der TU Dortmund und am Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie. Er hat sich die TU Dortmund 2019 als Ort für seine Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe ausgesucht. Mit dem Programm fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) besonders qualifizierte Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler und eröffnet ihnen die Möglichkeit, sich durch die eigenverantwortliche Leitung einer Nachwuchsgruppe über einen Zeitraum von sechs Jahren für eine Hochschulprofessur zu qualifizieren. In seiner Gruppe betreut Dr. Gersch derzeit vier Doktoranden, einen Masterstudenten und eine Bachelorstudentin. Im Interview erklärt er unter anderem, warum er sich für Dortmund entschieden hat und berichtet von seinen Erfahrungen als Nachwuchsgruppenleiter.

Dr. Gersch, Sie forschen zur Regulation der Proteolyse im Ubiquitin-System. Was darf man sich darunter vorstellen?

Ganz vereinfacht gesagt handelt es sich dabei um ein molekulares ‚Post it‘-System. Ubiquitin ist ein kleines Protein, das sich wie ein ‚Post it‘ alleine oder in Ketten an andere Proteine heften kann, um diese zum Beispiel für den Abbau zu markieren. So wird verhindert, dass sich fehlerhafte oder fremde Proteine, die zum Beispiel von einem Virus stammen, in den Zellen anreichern. Im Speziellen untersuchen wir, wie die einmal angehefteten ‚Post its‘ wieder entfernt werden können. In den Zellen findet durch Proteolyse nämlich ein andauerndes Wechselspiel zwischen Anheften und Entfernen der Ubiquitin-Markierung statt, und dieses kann je nach Zellzustand in die ein oder andere Richtung verstärkt werden. Die Analyse der hier zugrundeliegenden molekularen Interaktionen lässt uns besser verstehen, auf welche Weise wir mit chemischen Molekülen dieses Zellsystem beeinflussen können. Bei dem Projekt handelt es sich um Grundlagenforschung der chemischen Biologie. Die Ergebnisse können im besten Fall einmal dabei helfen, unter anderem Krebs oder neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson besser zu behandeln.

Sie haben 2019 Ihre Emmy-Noether-Gruppe in Dortmund angesiedelt. Warum haben Sie sich für diesen Standort entschieden und wie war der Weg vom Postdoc bis hierhin?

Mir war früh klar, dass akademische Forschung eine Option für mich ist und dass dafür nach dem Postdoc eine unabhängige Nachwuchsgruppe der typische nächste Schritt ist. Dabei war die Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe der DFG für mich am vertrautesten, da mein Promotionsbetreuer in München selbst Nachwuchsgruppenleiter einer Emmy-Noether-Gruppe war und mir diese empfohlen hatte. Ich bin dann zunächst als Postdoc nach Großbritannien gegangen, weil ich dort neue Methoden in einem anderen wissenschaftlichen Themengebiet lernen wollte. Dabei bin ich vor allem meinem Bauchgefühl gefolgt. Insbesondere der Wechsel von einem eher chemisch geprägten Promotionsumfeld zu einem eher biologisch geprägten Umfeld am Laboratory of Molecular Biology in Cambridge hat mich sehr darin bestärkt, mit der chemischen Biologie genau in der Schnittmenge der beiden Felder arbeiten zu wollen. Zudem war der Auslandsaufenthalt unabhängig von der Karriereplanung auch noch mal eine Möglichkeit, ein anderes Land und eine andere Wissenschaftskultur ausführlich kennenzulernen. Noch von Cambridge aus habe ich dann meinen Antrag für das Emmy-Noether-Programm der DFG geschrieben und dabei wertvolle Unterstützung von einem deutschen Kooperationspartner sowie dem Fachberater bei der DFG erhalten. Etwa ein Jahr nach Einreichung des Antrags habe ich an der TU Dortmund angefangen. Für den Standort habe ich mich vor allem wegen der vielen hervorragenden Forschungsgruppen der chemischen Biologie und der guten Infrastruktur entschieden: Die räumliche Nähe von der Fakultät für Chemie und Chemische Biologie der TU Dortmund, dem Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie und dem TechnologieZentrumDortmund bietet ein hervorragendes Umfeld und die Zusammenarbeit der verschiedenen Institutionen klappt sehr gut.

Was sind Ihre Erfahrungen nach knapp einem Jahr als Nachwuchsgruppenleiter?

Bei der ersten Herausforderung, hervorragende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden, hat der Standort ebenfalls geholfen: Zum einen bildet die Fakultät mit einem Masterstudiengang in chemischer Biologie zielgenau aus, zum anderen existiert mit der hiesigen International Max Planck Research School (IMPRS) eine renommierte Graduiertenschule in der chemischen Biologie. Es war eine besondere Erfahrung, mit den Doktoranden zusammen aus den Räumlichkeiten ein lebendiges und produktives Labor entstehen zu lassen – mit einer Kultur des offenen Austauschs. Und es ist auch ein gutes Gefühl zu sehen, wie viel wir am Ende gemeinsam schaffen. Aber ich habe auch recht bald festgestellt, dass man als Nachwuchsgruppenleiter deutlich weniger Zeit im Labor verbringen kann, als ich erwartet hatte. Dieser Übergang vom ersten Anleiten im Labor und dem folgenden ‚Loslassen‘ war eine Herausforderung, aber letztlich die Voraussetzung dafür, dass alle Teammitglieder selbstständig arbeiten können. Wichtig ist auch ein gutes Zeitmanagement, denn neben der Forschung warten nun auch die Lehre und administrative Aufgaben auf mich. Derzeit arbeiten wir an einer gemeinsamen Publikation, das wird die nächste Feuerprobe für unsere Nachwuchsgruppe. Insgesamt schreitet das Projekt gut voran und macht wirklich große Freude.

Zur Person:

  • 2006-2010 Studium der Chemie und Biochemie an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München
  • 2013 Promotion in Chemischer Biologie an der Technischen Universität München (TUM)
  • 2014-2018 Postdoc am Laboratory of Molecular Biology (LMB) des Medical Research Council (MRC) in Cambridge, Großbritannien
  • seit 2019 Leiter der Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe „Aufklärung von Prinzipien der systemweite Regulation von Proteolyse im Ubiquitin-System mittels chemischer Biologie“ an der Fakultät für Chemie und Chemische Biologie der TU Dortmund
Eine Gruppe von zwei Frauen und fünf Männern © Felix Schmale​/​TU Dortmund
Dr. Gersch (r.) forscht zusammen mit seiner Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe, derzeit bestehend aus vier Doktoranden, einem Masterstudenten und einer Bachelorstudentin.

Kalender

Zur Veranstaltungsübersicht

Mensapläne

Anfahrt & Lageplan

Der Campus der TU Dortmund liegt in der Nähe des Autobahnkreuzes Dortmund West, wo die Sauerlandlinie A45 den Ruhrschnellweg B1/A40 kreuzt. Die Abfahrt Dortmund-Eichlinghofen auf der A45 führt zum Campus Süd, die Abfahrt Dortmund-Dorstfeld auf der A40 zum Campus-Nord. An beiden Ausfahrten ist die Universität ausgeschildert.
Für E-Autos gibt es eine Ladesäule am Campus Nord, Vogelpothsweg.

Direkt auf dem Campus Nord befindet sich die S-Bahn-Station „Dortmund Universität“. Von dort fährt die S-Bahn-Linie S1 im 15- oder 30-Minuten-Takt zum Hauptbahnhof Dortmund und in der Gegenrichtung zum Hauptbahnhof Düsseldorf über Bochum, Essen und Duisburg. Außerdem ist die Universität mit den Buslinien 445, 447 und 462 zu erreichen. Eine Fahrplanauskunft findet sich auf der Homepage des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr, außerdem bieten die DSW21 einen interaktiven Liniennetzplan an.
 

Zu den Wahrzeichen der TU Dortmund gehört die H-Bahn. Linie 1 verkehrt im 10-Minuten-Takt zwischen Dortmund Eichlinghofen und dem Technologiezentrum über Campus Süd und Dortmund Universität S, Linie 2 pendelt im 5-Minuten-Takt zwischen Campus Nord und Campus Süd. Diese Strecke legt sie in zwei Minuten zurück.

Vom Flughafen Dortmund aus gelangt man mit dem AirportExpress innerhalb von gut 20 Minuten zum Dortmunder Hauptbahnhof und von dort mit der S-Bahn zur Universität. Ein größeres Angebot an internationalen Flugverbindungen bietet der etwa 60 Kilometer entfernte Flughafen Düsseldorf, der direkt mit der S-Bahn vom Bahnhof der Universität zu erreichen ist.

Die Einrichtungen der TU Dortmund verteilen sich auf den größeren Campus Nord und den kleineren Campus Süd. Zudem befinden sich einige Bereiche der Hochschule im angrenzenden Technologiepark. Genauere Informationen können Sie den Lageplänen entnehmen.