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Stadtkirche erhält 30 Meter langen und acht Meter hohen Anbau

Stu­die­ren­de und Beschäftigte der TU Dortmund errichten für Evangelischen Kirchentag „stadt paradies sanktreinoldi“

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Simulation des Anbaus an der Kirche St. Reinoldi © MAD Imagery
Wie in dieser Simulation werde der Paradiesgarten an der Südseite der Reinoldikirche aussehen.

Die Stadtkirche St. Reinoldi erhält für den Evangelischen Kirchentag einen „temporären“ Anbau: Mehr als dreißig Meter lang, acht Meter tief und an seinen zwei seitlichen Torbauten mehr als acht Meter hoch entsteht das „stadt paradies sanktreinoldi“. Ausgeführt wird es von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Studierenden der TU Dortmund, Förderer unterstützen das Projekt großzügig.

Kanzlerin Angela Merkel wird erwartet, auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, sein Amtsvorgänger Joachim Gauck und Bundesaußenminister Heiko Maas sollen vorbeischauen, wenn sie im Juni zum Deutschen Evangelischen Kirchentag kommen: Sie werden ein Holz verkleidetes Bauwerk mit einem Arkadengang aus sieben Rundbögen besuchen, das auf eine Stahlgerüstunterkonstruktion aufgebracht ist. Der Paradiesgartenwird an der Südseite der St. Reinoldi-Kirche zwischen den beiden Eingängen errichtet. „Wir haben mit dem Bau an die Tradition der Paradiesgärten angeknüpft, wie sie in vielen Kirchen – zum Beispiel am Kloster Maria Laach – zu finden waren“, sagt Kai Becker vom Bereich Grundlagen und Theorie der Baukonstruktion der Fakultät Architektur und Bau­in­ge­ni­eur­we­sen an der TU Dortmund. Becker gehört mit zu einem großen Team an der TU Dortmund, das das Bauwerk konzipiert und ausgeführt hat. Aktuell stehen die meterhohen Module in einer Halle auf dem Campus Süd. Dort werden sie Anfang Mai gestrichen, dann in Containern verpackt und Anfang Juni vor der Reinoldi-Kirche aufgebaut.

Geboren wurde die Idee eines Präsentationspavillons von einem Team, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Stadt Dortmund neu zu erzählen. Prof. Barbara Welzel (Fakultät Kunst- und Sportwissenschaften) und Prof. Wolfgang Sonne (Fakultät Architektur und Bau­in­ge­ni­eur­we­sen) gehörten im vergangenen November zu den Ideengebern ebenso wie Pfarrer Michael Küstermann von St. Reinoldi und Dr. Stefan Mühlhofer vom Stadtarchiv Dortmund. Für die Umsetzung konnten 29 Stu­die­ren­de und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Fakultät Architektur und Bau­in­ge­ni­eur­we­sen sowie von der Modellbauwerkstatt sowie mehrere Förderer gewonnen werden. Mit Ende der Vorlesungszeit im Februar machten sie sich an die Arbeit. Ermöglicht wird das Projekt maßgeblich von der Reinoldigilde zu Dortmund e.V., die Dortmund-Agentur unterstützt.

Das Projekt hat zahlreiche Unterstützer

Konzipiert wurde der Präsentationspavillion in Anlehnung an die architektonische Idee geschichtlicher Paradiesgärten. In der Ausführung besteht der Anbau aus einem Stahlskelett, das der Gerüstbauer C. O. Weise errichtet und kostenlos zur Verfügung stellt. Dieses „Innenleben“ wird mit Holzplatten – Förderer ist die Sperrholz Wölbert KG – verkleidet. „Es sind insgesamt 15 Tonnen Material, die unsere Förderer kostenfrei zur Verfügung stellen“, berichtet Dirk von Kölln, Leiter der Modellbauwerkstatt der TU Dortmund. Dort wurden die Platten geschnitten, dort entstanden in der Freizeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und der Studierenden die Module. 60.000 Schrauben, von der Firma SPAX geliefert, halten den Paradiesgarten zusammen. Im Mai werden die Bauteile gestrichen – es sind insgesamt 800 Quadratmeter Fläche, die unter Pinsel und Rolle kommen. Die Farbe stellt die Firma Brillux zur Verfügung. Schließlich beteiligen sich auch noch der Bedachungsbetrieb Thorsten Scholz, das Gabelstapler-Center Kamen und die Druckerei Klenke maßgeblich an dem Projekt. Der Leuchtenhersteller Mawa Design fördert mit seinen Leuchten ebenfalls das Projekt und stellt dieses auch am Abend ins rechte Licht.

29 Stu­die­ren­de der Fakultät Architektur und Bau­in­ge­ni­eur­we­sen vom Bereich Grundlagen und Theorie der Baukonstruktion unter Leitung von Prof. Paul Kahlfeldt sowie vom Bereich Tragkonstruktionen unter Leitung von Prof. Christian Hartz fertigten die Entwürfe und kümmerten sich um die Statik des Baus: Bis zu 1,2 Tonnen Zugkraft hält der Paradiesgarten stand. Die Studierenden erhielten für ihren Einsatz Wahl­pflicht­schei­ne. Feuermelder sorgen für die Si­cher­heit des Gebäudes. Ein Bauzaun vor der Reinoldikirche soll ihn bis zum Kirchentag vor Beschädigungen und Graffitis schützen.

 

Nachhaltigkeit spielt eine wichtige Rolle

Ein Gabelstapler hebt ein Bauteil für den Paradiesgarten hoch. Ein Mann stützt das Bauteil. © Martina Hengesbach
Planung und viel Handwerk gehört dazu, die Module des Paradiesgartens in der Modellbauwerkstatt der TU Dortmund zu fertigen. Sie fallen so groß aus, das sie per Gabelstapler bewegt werden müssen.

Ein Ort der Begegnung entsteht mit dem „stadt paradies sanktreinoldi“. Es wird Platz für Präsentationen geben, aber auch eine Ruhezone, einen Bereich mit Blumen. Dass der Paradiesgarten nur ein temporärer Bau ist, nach dem Kirchentag also abgebaut wird, hat die Initiatoren auch schon beschäftigt. „Wir haben bereits jetzt gesichert, dass mindestens 70 Prozent des verbauten Materials weiter genutzt werden“, sagt Werkstattleiter von Kölln. Iris Frieler vom Bereich Grundlagen und Theorie der Baukonstruktion der Fakultät Architektur und Bau­in­ge­nieur­we­sen an der TU Dortmund berichtet, dass es einerseits durchaus üblich sei, dass für besondere Anlässe Bauten entstehen, die anschließend demontiert werden. Es gebe aber eine Arbeitsgruppe an der TU Dortmund, die sich mit alternativen Nutzungsformen temporärer Bauten beschäftigen.

Das „stadt paradies sanktreinoldi“ ist eine besondere Aufgabe und kann nur realisiert werden durch das intensive Engagement aller Beteiligter. Ohne Dirk von Kölln wäre eine solche Leistung nicht händelbar gewesen, sagt Kai Becker. Sein handwerkliches Geschick sei die Basis der Realisierung und das Zusammenbringen der Förderer sein Verdienst.

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