Beim Blick auf den Arbeitsplatz der Industriemechanikerinnen und Industriemechaniker schlägt jedem Heimwerker das Herz höher: Bohrer, Fräser und Feilen sind das tägliche Handwerkszeug, mit dem bis zu acht Auszubildende in der Ausbildungswerkstatt an der TU Dortmund hantieren. Kein Metall und kein Kunststoff bleibt bei den Industriemechanikern wie es ist. Sie geben den Materialen neue Formen und Funktionen. Und dabei geht es manchmal ganz schön laut und dreckig zu.
Für den Auszubildenden Gregor Walenko und seine Kollegen hält jeder Arbeitstag ein neues Rätsel bereit, das es zu lösen gilt. „Ingenieure, Doktoren und Professoren beauftragen uns, Bauteile für ihre Maschinen oder Konstruktionen herzustellen. Bevor wir mit der Arbeit beginnen, müssen wir genau überlegen, wie wir das Verlangte umsetzen können“, erklärt der 25-Jährige, der kurz vor seiner Abschlussprüfung steht. Es ist also Kreativität gefragt, gerade weil die Auszubildenden die Ideen der Wissenschaftler nur auf Papier erhalten – als Zeichnung. Daher müssen sie sich hervorragend mit den Arbeitsmaterialen auskennen, weiß "Azubi" Marcel Ludmann: „Wir arbeiten mit völlig unterschiedlichen Metallen und Kunststoffen, die jeweils speziell behandelt und bearbeitet werden müssen. Das macht den Beruf abwechslungsreich, darum habe ich mich dafür entschieden.“
Bis sie die Ideen anderer in die Wirklichkeit umsetzen dürfen, müssen die künftigen Industriemechaniker erst einmal die Grundlagen des Berufes erlernen. Im ersten Ausbildungsabschnitt geht es etwa um das Bearbeiten von Metallen und Kunststoffen per Hand. Dass die Aufgaben zu Beginn der Lehre noch nicht ganz so komplex waren, daran erinnert sich Berufsstarter Gregor Walenko. „In den ersten Wochen haben wir beispielsweise gelernt, mit einer Feile umzugehen, später durften wir dann auch mit den unterschiedlichen Maschinen arbeiten.“
Am Ende ihrer Ausbildung können die angehenden Industriemechaniker in den Bereichen Instandhaltung, Maschinen- und Anlagebau, Produktionstechnik und Feingerätebau arbeiten. Dazu sollten sie schon zu Ausbildungsbeginn ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen, mathematische Kenntnisse und einen Sinn für Genauigkeit mitbringen, erklärt Ausbilder Jörg Quaß. „Gute Noten sind nicht immer ausschlaggebend. Viel wichtiger ist, dass die Bewerber den Einstellungstest bestehen, der aus Theorie- und Praxiselementen besteht.“ Rund 80 Schulabgänger stellen sich jedes Jahr dem Einstellungsverfahren, bis zu acht erhalten eine Ausbildung in der Metall-Werkstatt der TU Dortmund.

Im Rahmen der praktischen Ausbildung in der Werkstatt durchlaufen alle Berufsanfänger im Wesentlichen zwei verschiedene Stationen: „Das erste halbe Jahr verbringen die Berufsanfänger gemeinsam in der Ausbildungswerkstatt. Anschließend gehen sie in eine der Fachwerkstätten, zum Beispiel in der Fakultät für Architektur und Bauwesen“, berichtet Ausbilder Jörg Quaß. Zusätzlich gibt es unterschiedliche Lehrgänge, in denen unter anderem Fachenglisch oder der Umgang mit dem Zeichenprogramm CAD unterrichtet wird. Zusätzlich tauschen die Auszubildenden jede Woche die Werkbank gegen die Schulbank. In der Berufsschule stehen Fächer wie Technische Kommunikation, Fertigungs- und Prüftechnik oder Betriebslehre auf dem Stundenplan.
Ihre anerkannte theoretische und praktische Ausbildung trägt dazu bei, dass die Industriemechaniker später auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragt sind. „Besonders bei mittelständischen Unternehmen sind die Jobchancen derzeit gut. Diese Firmen haben oft selbst nicht die Möglichkeit, Schulabgänger auszubilden, sind aber gleichzeitig auf gute Fachkräfte angewiesen“, sagt der stellvertretende Werkstattleiter Jörg Quaß. Die "Azubis" Marcel Ludmann und Gregor Walinko haben trotzdem erst einmal andere Pläne: Sie tauschen nach bestandener Abschlussprüfung den Blaumann nochmals gegen Jeans und Pulli. Marcel Ludmann möchte Maschinenbau studieren, Gregor Walenko will andere jungen Menschen zu Industriemechanikern ausbilden und plant deshalb, die Technikerschule zu besuchen.
An der TU Dortmund sind insgesamt bis zu 14 Ausbildungsberufe zu erlernen: Von B wie Biologielaborant/in bis Z wie Zerspanungsmechaniker/in gibt es eine Fülle von Möglichkeiten für eine Lehre im Umfeld der Hochschule. Ausbildungsstart ist im August bzw. September jeden Jahres. Bewerben muss man sich bereits ein Jahr vorher: Bis Ende Oktober müssen die Mappen und Zeugnisse eingereicht sein. 2011/2012 ist die TU für 124 junge Menschen Ausbildungsbetrieb. Mehr Informationen zu den einzelnen Ausbildungsberufen und Bewerbungszeiträumen gibt es hier.