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TU Dortmund zieht beim Chancenspiegel 2017 eine Zwischenbilanz des Schulsystems

Seit der ersten Pisa-Studie im Jahr 2000 geht es mit Deutschlands Schulen voran. Die Leistungen haben sich verbessert, weniger Schüler bleiben ohne Abschluss. Die soziale Herkunft beeinflusst die Chancen der Schüler jedoch nach wie vor erheblich. Auch sind die Unterschiede zwischen den Bundesländern seit 2002 größer geworden. Das ist das Ergebnis der Studie „Chancenspiegel 2017“, die die TU Dortmund gemeinsam mit der Bertelsmann Stiftung und der Friedrich-Schiller-Universität (FSU) Jena nun veröffentlicht hat.

Die generellen Verbesserungen hinsichtlich der Chancengerechtigkeit dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass es große Unterschiede zwischen den Ländern gibt und diese seit 2002 noch gewachsen sind“, betont Professor Wilfried Bos von der TU Dortmund. So schwankt der Anteil der Ganztagsschüler zwischen 80 Prozent in Sachsen und 15 Prozent in Bayern. Der Unterschied zwischen den Bundesländern mit den meisten und den wenigsten Ganztagsplätzen hat sich zwischen 2002 und 2014 beinahe vervierfacht.


Unterschiedliche Entwicklung in der Inklusion

Diese unterschiedliche Entwicklung gibt es auch für die Inklusion. In Bremen besuchen 1,5 Prozent der Schüler eine Förderschule, in Mecklenburg-Vorpommern fast 7 Prozent. Die Aussicht, sich für ein Studium zu qualifizieren, reicht von 62 Prozent in Hamburg bis 38 Prozent in Sachsen-Anhalt. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern beim Erwerb der Hochschulreife haben damit in den letzten 12 Jahren zugenommen. Große Unterschiede gibt es auch bei den Chancen ausländischer Schülerinnen und Schüler: In Brandenburg bleiben nur knapp vier Prozent von ihnen ohne Abschluss, in Sachsen hingegen 27 Prozent.

Einen weiteren Problembereich benennt Professor Nils Berkemeyer von der FSU Jena: „Nicht hinzunehmen ist, dass beim Kompetenzerwerb in der neunten Klasse ein Unterschied von mehr als drei Lernjahren zwischen Sachsen und Bremen besteht.“ Ein öffentliches Schulsystem müsse für vergleichbare Chancen sorgen und ein Mindestmaß an Fähigkeiten vermitteln, im Interesse der Jugendlichen und der Gesellschaft. „Welche Institutionen wie auf die Chancengerechtigkeit der Schulsysteme wirken, ist zukünftig verstärkt zu erforschen. Eindeutig ist, dass in Bund und Ländern über Standards gerechter Schulsysteme diskutiert werden sollte“, erklären die Professoren Berkemeyer – er promovierte und habilitierte sich an der TU Dortmund – und Bos.


Aufwärtstrend beim Ganztagsausbau

Bundesweit beobachtet der Chancenspiegel beim Ganztagsausbau, beim gemeinsamen Lernen und bei Schulabschlüssen einen steten Aufwärtstrend. Ging 2002 nur eines von zehn Kindern und Jugendlichen ganztags zur Schule, sind es heute knapp vier von zehn. 2002 besuchte lediglich jeder achte Förderschüler eine reguläre Schule, heute gilt das für rund jeden dritten. Und während 2002 nur 38,2 Prozent der Schulabgänger das Recht auf ein Hochschulstudium erwarben, gelingt dies heute 52,2 Prozent. Gleichzeitig sank der Anteil der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss von 9,2 auf 5,8 Prozent.

Die Chancen benachteiligter Schüler haben sich ebenfalls verbessert, bleiben aber die große Herausforderung für die Schulpolitik. Dies gilt vor allem für den Zusammenhang von Bildungserfolg und sozialer Herkunft. Trotz leichter Verbesserungen liegen Neuntklässler aus sozioökonomisch schwächeren Milieus in ihrer Lesekompetenz immer noch mehr als zwei Schuljahre hinter ihren Klassenkameraden aus privilegierten Milieus zurück.

 

Förderung von Flüchtlingen als Herausforderung

Für ausländische Schüler war das Risiko eines Schulabbruchs ebenso wie für deutsche Schüler lange Zeit gesunken. Seit 2011 jedoch haben sich die Entwicklungen entkoppelt: Während der Anteil der deutschen Schüler ohne Abschluss weiter abgenommen hat, ist der der Ausländer wieder leicht auf 12,9 Prozent angestiegen. Letzteres bezeichnet die Studie als Warnsignal. „Es bleibt eine große Herausforderung, Jugendlichen zumindest einen Hauptschulabschluss zu ermöglichen, gerade wenn sie als Flüchtlinge erst spät ins deutsche Schulsystem einsteigen“, so die Studie.

Hintergrund: Chancenspiegel

Der Chancenspiegel ist ein ergänzendes Instrument der Bildungsberichterstattung, das Leistungsfähigkeit und Chancengerechtigkeit konkret erfassbar und vergleichbar macht. In den vier Dimensionen Integrationskraft, Durchlässigkeit, Kompetenzförderung und Zertifikatsvergabe bewertet er ausgewählte Indikatoren aus amtlichen Statistiken und empirischen Leistungsvergleichsstudien. Der Chancenspiegel ist ein gemeinsames Projekt der Bertelsmann Stiftung, des Instituts für Schulentwicklungsforschung (IFS) der Technischen Universität Dortmund und des Instituts für Erziehungswissenschaft (IfE) der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Mit der vorliegenden Studie findet das gemeinsame Projekt nach sieben Jahren einen Abschluss.



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