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Erste Ergebnisse von Studie zur Mediennutzung von Menschen mit Behinderung vorgestellt

Ein Forschungsteam der Fakultät Rehabilitationswissenschaften der TU Dortmund und des Hans-Bredow-Instituts hat Ende Oktober bei den Münchener Medientagen erste Ergebnisse ihrer Studie zur „Mediennutzung von Menschen mit Behinderungen“ vorgestellt. Es wurde untersucht, wie Menschen mit Behinderungen Medien nutzen und wo die größten Zugangsbarrieren bestehen. Die Datenlage dazu war bisher sehr dürftig. Die Studie leistet einen ersten Beitrag zu, die Datenlücke zu schließen.

„Der ungehinderte Zugang zu Medienangeboten spielt eine wichtige Rolle für die gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben“, sagt JProf. Ingo Bosse von der TU Dortmund, der das Forschungsteam der Studie zusammen mit Prof. Uwe Hasebrink vom Hans-Bredow-Institut leitet. Die Studie „Mediennutzung von Menschen mit Behinderungen“ (MMB 16) ist die aufwändigste bundesweite Stichprobe zur Mediennutzung von Menschen mit Beeinträchtigungen, die es bisher gab. 610 Menschen wurden in persönlichen Interviews vom Meinungsforschungsinstitut IPSOS befragt, vorbereitet wurde die quantitative Studie durch Expertinnen- und Experten-Interviews mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mit und ohne Behinderungserfahrung. Gruppendiskussionen zu Barrieren und der Qualität von barrierefreien Angeboten im Fernsehen rundeten die Untersuchung ab.

 

Keine Teilnehmergruppe ausgeschlossen

JProf. Ingo Bosse sagt zu der Besonderheit der Studie: „Sie ist die erste Studie, die Einseitigkeiten durch die Befragungsmethode und den Ausschluss von Teilnehmergruppen vermeidet, z.B. von Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die nicht in Privathaushalten leben oder über Gebärdensprache kommunizieren. Die Studie bildet erstmals auf bundesweiter Ebene die Mediennutzung von Menschen mit Behinderungen ab und erlaubt die fokussierte Betrachtung der relevanten Teilgruppen.“ Untersucht wurden vier Teilgruppen, die je nach Beeinträchtigung unterschiedliche Voraussetzungen, Barrieren und Bedarfe haben: Menschen mit Sehbeeinträchtigungen, mit Hörbeeinträchtigungen, mit Lernschwierigkeiten sowie mit körperlichen und motorischen Beeinträchtigungen.

Im Mittelpunkt der Präsentation bei den Münchner Medientagen stand das Fernsehen. Es ist das meistgenutzte Medium der Befragten. Der Stand der Barrierefreiheit im deutschen Fernsehen wird kritisch beurteilt, die Art der Barrieren unterscheidet sich nach Art der Behinderung. Mangelnde Tonqualität, geringe Sprachverständlichkeit und Schwierigkeiten bei der Gerätebedienung treten jedoch in allen Gruppen als Barrieren auf. Auch die Auffindbarkeit barrierefreier Angebote ist von immenser Bedeutung. Deutlich wurde auch, dass das lineare Programmfernsehen der Ort ist, in dem gleichberechtigte Teilhabe gewünscht wird. Barrierefreie Angebote nur in Mediatheken anzubieten, reicht nicht aus.

 

Große Unterschiede in der Nutzung des Internets

Für die Nutzung des Internets lassen sich erhebliche Unterschiede zwischen den Teilgruppen konstatieren. Es wird von einigen Gruppen mit Beeinträchtigungen weniger genutzt als in der Gesamtbevölkerung. Besonders große Differenzen wurden für Menschen mit Lernschwierigkeiten festgestellt. Sie sind am ehesten von Exklusion bei digitalen Medien betroffen oder bedroht. Lebensbedingungen, ob die befragten in Einrichtungen der Behindertenhilfe leben oder in Privathaushalten,  und Lesefähigkeit (die sich gegenseitig bedingen) sind Faktoren, die die Mediennutzung moderieren. Am häufigsten wird das Internet von der Befragten der Teilgruppe mit Hörbeeinträchtigungen genutzt.

Das Forschungsteam der TU Dortmund bilden neben JProf. Ingo Bosse Anne Haage, Gudrun Kellermann und Theresa Suntrup. Das Team in Hamburg besteht aus Prof. Uwe Hasebrink , Dr. Sascha Hölig und Sebastian Adrian. Gefördert wurde die Studie von den Medienanstalten (DLM) und der Aktion Mensch.



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