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Podiumsdiskussion zur Rolle der Medien bei der US-Wahl

Donald Trump wird der neue Mann im Weißen Haus. Bei einer Podiumsdiskussion im Erich-Brost-Institut für internationalen Journalismus der TU Dortmund diskutierten am 6. Dezember Journalistinnen und Journalisten sowie ein Politikwissenschaftler über die Rolle der sozialen und traditionellen Medien im zurückliegenden außergewöhnlichen US-Präsidentschaftswahlkampf. Zentrale Frage: Was können Medienschaffende daraus lernen?

Während die ehemaligen US-Korrespondenten Fritz Pleitgen und Gerald Baars den rund 120 Gästen der Veranstaltung erklärten, den Wahlsieg Trumps befürchtet zu haben, gab der Deutsche-Welle-Redakteur Michael Knigge zu, seinen Kommentar vor den ersten Hochrechnungen bereits vorformuliert  zu haben. Dabei ging er von Hillary Clinton als neuer Präsidentin aus. Auch die Deutschland-Korrespondentin der New York Times Melissa Eddy und der Politikwissenschaftler Dr. Leonard Novy, Mitglied der Leitung am Institut für Medien- und Kommunikationspolitik in Köln, zeigten sich vom Sieg des Republikaners betroffen. Der Wahlsieg kam also nicht nur für viele Medien überraschend, sondern auch für die meisten Podiumsgäste: Auf die Frage, wie es dazu gekommen war, gab Pleitgen zu bedenken, dass alleine mit dem Verbreiten der Wahlprognosen eine Beeinflussung der Menschen stattfinde. Der Deutsche-Welle-Redakteur Knigge, der als Wahlreporter in den USA im Einsatz war, beschrieb, dass viele Leute in den USA Angst um ihre Zukunft hätten. Unmut gäbe es schon lange. Donald Trump sei nun das Ventil gewesen, um sich Luft zu machen. „Wir haben nicht über den Tellerrand hinaus geschaut“, ergänzte Baars.

Neue Spielregeln

Online-Journalist Knigge nannte den Sieg von Donald Trump eine „schallende Ohrfeige” für die klassischen Medien. Denn mit Blick auf den Wahlkampf sei dieser Sieg auch eine Folge von Trumps Umgang mit Facebook, Twitter und Co.. „Er hat die sozialen Medien benutzt wie kein anderer Kandidat vor ihm – mit einer Strategie, die alle Mainstream-Medien unterstützt haben”, erklärte NY Times-Korrespondentin Eddy die neuen Spielregeln Trumps. Der designierte US-Präsident habe durch das Internet nicht nur eigene Anhänger mobilisiert, sondern zudem die seiner Gegnerin Clinton gezielt von der Wahlurne ferngehalten. Politikwissenschaftler Novy sprach sogar von einer parallelen Öffentlichkeit, die sich in den sozialen Netzen gebildet habe. Diese müssten nun  in das Blickfeld der traditionellen Medien rücken. Die sozialen Medien forderten eine Neuorientierung des Journalismus, sagte Knigge. Fakten recherchieren und diese den Rezipienten liefern, da waren sich alle Diskussionsteilnehmer einig, solle da allerdings ein wichtiger Bestandteil des Journalismus bleiben. Medienmacher müssten allerdings verstehen, wie sie selbst in die immer beliebteren Kanäle der sozialen Medien kämen, sowohl in den USA als auch in Deutschland, gerade vor der anstehenden Bundestagswahl. Auch Eddy betont, wie wichtig es sei, mit den Menschen zu sprechen, zum Beispiel in Sachsen, wo die Parolen der Pegida-Bewegung bei großen Teilen der Bevölkerung Anklang gefunden hätten. „Wir müssen uns die Hintergründe anschauen, wir müssen dorthin fahren und herausfinden, was die Menschen dort beschäftigt.” In der Berichterstattung vor der Bundestagswahl
dürfe man sich nicht nur auf Zahlen und Prognosen stützen, so die Korrespondentin der New York Times.

Als Lügenpresse abgestempelt

Das eigentliche Problem in Deutschland sei, so Baars, dass ein bestimmter Prozentsatz der Bevölkerung Journalisten nicht mehr glaube. Auf der WDR-Facebook-Seite lese er regelmäßig Kommentare wie „Sie müssen das ja so schreiben.” Einige Nutzer glaubten tatsächlich, dass Baars und seine Kollegen von der Regierung Anweisungen bekämen, wie sie über ein Thema zu berichten hätten. Der WDR-Studioleiter beobachtet mit Sorge, dass einige Gruppen in den sozialen Medien sehr gezielt versuchten, etablierte Institutionen und auch Medien in Frage zu stellen und gegen sie Stimmung zu machen. Den Medien hänge der Begriff „Lügenpresse” an, so Pleitgen. „Sie werden ihn nicht los, auch wenn er nicht gerechtfertigt ist.“

Ein Patentrezept, was Medien in Deutschland vor dem bevorstehenden Wahlkampf machen können, um den Draht zur Bevölkerung nicht zu verlieren, hatte keiner der Diskutantinnen und Diskutanten. Es sei aber schon ein Anfang gemacht, wenn die Medien die derzeitige Entwicklung wahrnehmen und die sozialen Medien nicht außer Acht lassen würden.



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