Sie sieht aus wie Wasser, riecht aber streng - die Zusammensetzung der Flüssigkeit, die in den Reagenzgläsern ist, kennt nur Ausbilderin Christa Hauschild. Mit Schutzbrille und Pipette müssen sich die Lehrlinge auf die Suche nach den Bestandteilen des Gemisches machen. Insgesamt neun junge Menschen lernen in den Laboren der TU Dortmund jedes Jahr den Beruf des Chemielaboranten und bringen täglich Millionen von Molekülen in Bewegung.
„Der Job des Chemielaboranten ist so spannend, weil man forschen kann und immer die Chance hat, etwas zu entdecken, das noch niemand vorher gefunden hat“, schwärmt Christa Hauschild. Sie selbst hat vor fast vierzig Jahren als eine der Ersten den Beruf an der TU Dortmund erlernt. Heute ist sie für die Ausbildung von insgesamt 32 Berufsanfängern zuständig. Praktische Arbeit ist für sie wichtig, aber auch die Theorie darf nicht zu kurz kommen. Deshalb gibt es vor den Versuchen im Labor jeden Vormittag Unterricht. „Damit legen wir die Grundlage für die Praxis. Die Auszubildenden lernen bestimmte Geräte und Stoffe kennen, und erfahren, wie man Reaktionsgleichungen aufstellt“, sagt Christa Hauschild.
Das hilft auch im Berufsschulunterricht, der geblockt stattfindet. Dort stehen neben Deutsch oder Wirtschaft vor allem berufsbezogene Fächer wie Synthese-, Labor- sowie Anwendungs- und Produktionstechnik auf dem Stundenplan. Sich gut mit den Geräten, Stoffen und ihrer Anwendung auszukennen, ist vor allem in diesem Berufsfeld wichtig. „Der Job des Chemielaboranten ist sicherlich gefährlicher als der des Bürokaufmanns, aber wenn man weiß, womit man arbeitet, kann nichts passieren“, erklärt die Ausbildungsleiterin. Auch Lehrling Katharina Kuhr kennt die Herausforderungen des Jobs: „Ich habe Respekt vor dem Beruf, weil manche Stoffe, mit denen wir hantieren, gefährlich sind.“ Fürchten muss sie sich dennoch nicht: Im Labor gibt es für jeden Schutzkleidung, Brille und Kittel sind bei allen Lehrlingen ständige Begleiter.
Zu Beginn der Ausbildung verbringen die Chemie-Neulinge zunächst viel Zeit im Ausbildungslabor. Dort stehen beispielsweise Siedepunkt- und Dichtebestimmungen auf dem Programm, später müssen die Berufsanfänger dann die Zusammensetzung verschiedener Substanzen analysieren oder stellen selbst chemische Verbindungen, wie beispielsweise Aspirin, her. „Ich habe mich gegen ein Studium und für eine Ausbildung entschieden, weil ich hier viel praktisch und selbstständig arbeiten kann“, erzählt die 19-jährige Katharina Kuhr. Sie ist im Chemie-Leistungskurs auf den Geschmack gekommen, er hat ihr den Weg in den Laboranten-Beruf geebnet.

Nach einigen Monaten im Ausbildungslabor haben die Lehrlinge genug Grundkenntnisse gesammelt, um in die verschiedenen Fachlabore zu wechseln. Dort arbeiten sie mit Studierenden und Wissenschaftlern zusammen, bereiten deren Versuche vor oder führen Experimente für sie durch. Dabei geht es zwischen Reagenzgläsern und Pipetten manchmal auch international zu. „Einmal pro Woche haben wir Unterricht in technischem Englisch. Das brauchen wir, um uns mit Wissenschaftlern, die aus dem Ausland kommen, verständigen zu können“, erklärt Katharina Kuhr.
Insgesamt ist die Ausbildung zum Chemielaboranten an der TU Dortmund also sehr vielfältig. Und so haben die Auszubildenden nach den dreieinhalb Jahren Lehrzeit gute Jobchancen. „Vor allem, wenn man bereit ist, die Fühler auszustrecken - bis nach Süddeutschland - ist es möglich, einen guten Job zu finden“, weiß Ausbilderin Christa Hauschild.
An der TU Dortmund sind insgesamt bis zu 14 Ausbildungsberufe zu erlernen: Von B wie Biologielaborant/in bis Z wie Zerspanungsmechaniker/in gibt es eine Fülle von Möglichkeiten für eine Lehre im Umfeld der Hochschule. Ausbildungsstart ist im August bzw. September jeden Jahres. Bewerben muss man sich bereits ein Jahr vorher: Bis Ende Oktober müssen die Mappen und Zeugnisse eingereicht sein. 2011/2012 ist die TU für 124 junge Menschen Ausbildungsbetrieb. Mehr Informationen zu den einzelnen Ausbildungsberufen und Bewerbungszeiträumen gibt es hier.