Das Superwahljahr geht in die heiße Phase: am 27. September müssen die Bürgerinnen und Bürger Deutschlands entscheiden, mit welchen Parteien es politisch in die nächsten vier Jahre geht. Mit Hilfe eines Teams um Prof. Dr. Richard Lackes vom Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik an der TU Dortmund kann man schon jetzt seine Stimme abgeben – allerdings nur in einem "Politikmarkt" genannten Planspiel. Da gibt es die Partei-Mark, mit der man Partei-Aktien kaufen und verkaufen kann, alles läuft wie an der normalen Börse. Je mehr Teilnehmer mitmachen, desto besser können die TU-Wissenschaftler später mit den Zahlen arbeiten. Deshalb haben sie sich auch die Internetseite der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ.net) mit ins Boot geholt. Auf ihr ist die Wahl-Börse seit kurzem online.
Gestartet wird mit einem Grundvermögen von 50.000 Parteimarkt (PM) und einem Aktienpaket aller Parteien. Dann geht es für die Börsianer ans handeln: welche Partei wird bevorzugt, von welcher Partei verspricht man sich die größten Zuwächse, wo kommt bald der Einbruch. In der Wirtschaftssimulation müssen die Wählerinnen und Wähler viele Faktoren und Interessen bedenken und abwägen – bekommen aber vom System viele Hilfen an die Hand. „Wir haben extra darauf verzichtet, die Strukturen zu kompliziert zu machen. Lieber weniger Funktionen, dafür aber ein einfach zu verstehendes System für jedermann“, erklärt Prof. Richard Lackes den Aufbau des Wahl-Börsen-Spiels. Der Nutzer wird auf der zurückhaltend gestalteten Internetseite direkt zu den wichtigen Funktionen geführt und ist schnell drin im Spiel mit Partei-Aktien und Partei-Mark.
Die Kaufs- und Verkaufsdaten, die aus dem Spielverlauf heraus permanent den Kurs der Aktien erzeugen, werden vor, während und auch nach der Bundestagswahl von den Wissenschaftlern verwendet. Sie sollen eine weitaus genauere Prognose für den Ausgang der Wahl bieten als beispielsweise normale Befragungen. Die Gefahr der Manipulation, die es bei Internetplattformen immer gibt, wurde durch die Installation eines so genannten „Market Maker“, der kontinuierlich die Bewegungen auf dem Aktienmarkt verfolgt, minimiert. „Wir richten uns durch die Zusammenarbeit mit FAZ.net natürlich vor allem an politikinteressierte Leser, mitmachen kann aber jeder und jede. Nur so kommen dann auch repräsentative Ergebnisse heraus“, erklärt Erik Frank Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik.
Die Zusammenarbeit mit FAZ.net ist ein großes Glück für die Macher der Wahl-Börse: Eine eigene Webseite und die Werbemaßnahmen, um diese publik zu machen, hätten einfach einen zu großen Aufwand bedeutet. So konnten die TU Forscher der FAZ-Leitung ein fertiges Produkt vorstellen, das nur noch in die vorhandene Internetseite der Zeitung eingebaut werden musste. „Die FAZ hat dadurch einen Mehrwert in ihrem Online-Politikteil und wir können auf einen größeren Datensatz zurückgreifen“, freut sich Chris Börgermann, ebenfalls wissenschaftlicher Mitarbeiter des Lehrstuhls über die perfekte Symbiose.
Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gibt es neben dem Spaß an der Börsensimulation noch tolle Preise für die Wochen- und den Gesamtsieger zu gewinnen. Unter anderem ein Mini-Notebook und ein Navigationsgeräte. So kann wählen dann sogar doppelt Spaß machen.